Silke Schindler (SPD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Fakt ist: Sexueller Missbrauch an Schutzbefohlenen oder Unschuldigen, sexueller Missbrauch von Kindern ist eine besonders verheerende Form, Gewalt auszuüben. Die Opfer leiden eine lange Zeit ihres Lebens unter den Folgen und oftmals bekennen sie sich nicht zu ihrem Opfersein.

Fakt ist auch, dass es ein ganz sensibles Thema ist, bei dem man nicht mit raschen Antworten und einfachen Lösungen daherkommen kann. Es ist schnell der Ruf nach Strafverschärfung und entsprechenden Sanktionen zu hören. Der Rechtsstaat hat in diesem Zusammenhang zwei Funktionen: einmal natürlich das Sicherungsinteresse der Gesellschaft vor gefährlichen Wiederholungstätern, aber auch das Sozialstaatsprinzip des Resozialisierungsanspruches. Beidem müssen wir gerecht werden. Deshalb ist es auch eine Frage der Wahrnehmung, mit welcher Häufigkeit wir Erfahrungen mit Opfern sexuellen Missbrauchs haben.

Die mediale Darstellung ist natürlich sehr prägnant und erweckt den Eindruck, dass die Anzahl der Fälle exorbitant gestiegen wäre. Häufig wird dieser Eindruck auch durch soziale Medien verstärkt. Aber Gott sei Dank ist das Gegenteil der Fall, wie ein gerade erst veröffentlichtes Gutachten des Kriminologen Prof. Pfeiffer zeigt. Man muss nicht immer seine Meinung teilen, aber im letzten Jahr hat er ein Gutachten im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren und Frauen erstellt, in dem die aktuellen Zahlen nachlesbar sind.

(Zuruf von Mario Lehmann, AfD)

Es ist erkennbar, dass die Zahl der Fälle erfreulicherweise zurückgeht. Das liegt jedoch nicht an dem erhöhten Strafmaß und auch nicht an der geringeren Anzeigebereitschaft, sondern diese ist, im Gegenteil - das ist in dem Gutachten ebenfalls nachzulesen  , sogar gestiegen. Der Rückgang wird mit dem Erfolg von Präventionsbemühungen und der zunehmenden gesellschaftlichen Ächtung der Gewalttaten begründet. Daran wollen wir verstärkt ansetzen.

Das ist der Ansporn für uns, die Präventionsbemühungen und die Strafverfolgung zu verstärken. So verstehen wir auch den Alternativantrag der Koalitionsfraktionen. Ich bitte um Zustimmung zu unserem Alternativantrag. - Vielen Dank.

(Zustimmung von Dr. Katja Pähle, SPD - Unruhe auf der Regierungsbank)