Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration):

Herzlichen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Eigentlich sind es gute Nachrichten für junge Menschen in Sachsen-Anhalt: Im statistischen Landesdurchschnitt stehen für jede ausbildungsinteressierte Person 1,1 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen wächst und zum Stichtag 30. September 2018 bei knapp 1 100 lag.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns intensiv mit der Attraktivität der dualen Berufsbildung und mit der Qualität in der Umsetzung der Berufsausbildung beschäftigen. Um bei jungen Menschen überhaupt einen Fuß in die Tür zu bekommen, muss eine Ausbildung gegenwartsbezogen sein und als zukunftsträchtige Perspektive für das eigene Arbeitsleben wahrgenommen werden.

Zukunftsperspektive wird vermittelt, wenn den jungen Menschen deutlich wird, dass eine Lehre die gleichen Chancen auf Erfolg und Karriere eröffnet wie der Weg über eine Hochschulausbildung.

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Eine Mindestausbildungsvergütung trägt insbesondere in den Berufsgruppen, in denen Auszubildende wenig verdienen, zur Steigerung der Attraktivität der Ausbildung bei. Ich bin dem Ausschuss für Arbeit, Soziales und Integration sehr dankbar, dass er diesen wichtigen Punkt in seine Beschlussempfehlung aufgenommen hat.

Auch die Reduzierung der Mobilitätsausgaben von Auszubildenden für ihren Weg zum jeweiligen Lern- bzw. Ausbildungsort trägt dazu bei, dass eine Ausbildung an Attraktivität gewinnt. Da die Federführung für die Bearbeitung des Landtagsbeschlusses zum Azubi-Ticket beim Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr liegt, kann ich nur so viel sagen: Wir setzen uns im Haus für die möglichst zeitnahe und gerechte Entlastung der Auszubildenden ein.

Das hierfür zunächst am wirksamsten scheinende Mittel ist die sogenannte Fahrtkostenrichtlinie des Bildungsministeriums. Diese soll inhaltlich überarbeitet und finanziell deutlich besser ausgestattet werden, und das schon im nächsten Haushaltsjahr. Dies ist ein guter und wirksamer Anfang. An dieser Stelle hören wir aber nicht auf. Parallel dazu arbeiten wir zusammen mit den Fraktionen weiter an einer Lösung für ein echtes Azubi-Ticket. Vielleicht wird es erst einmal in einer Modellregion eingeführt.

Bereits landesweit ist in allen Sekundar- und in einem guten Teil der Förderschulen eine Berufsorientierung im Rahmen des Landesprogramms Brafo verfügbar. Hierbei entwickeln die Schülerinnen und Schüler eine Idee, welchen Beruf sie erlernen möchten. Das Ministerium setzt den Landtagsbeschluss „Vertiefte Berufsorientierung langfristig sichern“ um und arbeitet gemeinsam mit dem Bildungsministerium und der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen an der Weiterentwicklung und Verstetigung des Landesprogramms Brafo über das Jahr 2022 hinaus.

Auch durch das Landesprogramm Rümsa ist es gelungen, dass wir den begonnenen Berufsorientierungsprozess insbesondere in den Regionen vernünftig umsetzen können. Hierbei liegen die Schwerpunkte bei der Einbindung der Eltern in die Berufswahl und bei der Ermöglichung von mehr betrieblicher Praxis, zum Beispiel durch eine höhere Anzahl an Praktika.

Ich könnte Ihnen auch noch etwas zu der assistierten Ausbildung berichten, aber ich habe nur drei Minuten Redezeit. Ich freue mich jedenfalls und kann die Beschlussempfehlung des Ausschusses für Arbeit, Soziales und Integration in allen Punkten gutheißen. Ich begrüße sie ausdrücklich. - Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der SPD und von Olaf Meister, GRÜNE)