Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich gehe davon aus, da der Minister die Redezeit überschritten hat, dass ich dann auch ein bisschen mehr Zeit habe.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Davon könnten Sie ausgehen, wenn ich es festgestellt habe. Erstaunlicherweise habe ich das nicht festgestellt. Ich sage mal so, ich bin ein bisschen flexibel, aber an der Stelle müssen wir dem Minister jetzt nicht nacheifern, der offensichtlich die Sache mit der Dreiminutendebatte nicht so ernst genommen hat.

Jetzt haben Sie noch einmal das Wort.

(Zustimmung von Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD)


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Ich bin froh, dass Herr Bildungsminister anerkennt, dass Schüler mit Migrationshintergrund, Schüler, die Deutsch nicht als eigene Sprache sprechen, eine Herausforderung an unseren Schulen sind.

Ich kann mich an die Debatten über die Sprachlehrkräfte hier in diesem Hohen Haus erinnern, wo wir doch ganz unterschiedliche Auffassungen darüber hatten, ob das nur eine vorübergehende Erscheinung ist und sich dieses Problem wieder erledigt. Aber wir stellen fest, es kommen immer neue Kinder mit Migrationshintergrund und die Herausforderungen an den Schulen sind in den letzten zwei Jahren eben nicht kleiner geworden.

Ich habe es selber erlebt. Ich habe am Montag in der Grundschule Anhalt hospitiert, ein ganz normaler Montag. Ich sollte mir eigentlich den Förderschulunterricht anschauen, aber eine Lehrerin war erkrankt. Das heißt, die Förderschullehrerin machte den ganz normalen Unterricht mit den Förderschülern und mit Schülern, die an diesem Montag ganz neu von ihrer Flucht aus Syrien in dieser Schule angekommen waren, völlig ohne Unterrichtsmaterial, völlig ohne Grundkenntnisse der deutschen Sprache und völlig ohne Erfahrung in der Schule.

Das ist tatsächlich eine Herausforderung, bei der wir die Schulen einfach unterstützen müssen, auch erst einmal dadurch, dass wir anerkennen, dass es tatsächlich mit besonderen Belastungen für die Schulen verbunden ist.

Es sind auch nicht immer nur die Schulen, die in der Zeitung genannt werden, sondern wir haben auch außerhalb der Großstädte, in Regionen, die eher ländlich geprägt sind, Schulen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Ich bin dem Bildungsminister ausgesprochen dankbar dafür, dass er eine Idee aufgreift, die wir auch hatten; denn wenn es besondere Herausforderungen gibt, dann müssen wir auch überlegen, wie wir es entsprechend fördern können.

Die Idee, die wir jetzt mit dem KiFöG aufgegriffen haben, dass es Kindertagesstätten gibt, die besondere Herausforderungen haben, übertragen wir einfach auf die Schule. Wir können auch gern überlegen, ob wir das in einem gestuften Verfahren machen, dass wir uns erst einmal die Grundschulen und dann die Sekundarschulen anschauen, wo die Probleme am größten sind. Ich glaube, wir können es auch ganz gut mit den aktuellen Diskussionen verzahnen, die wir auch zum Thema Ganztagsschule im Bildungsausschuss führen.

Wir sollten einfach einmal gucken, welche Ressourcen wir haben und was uns an pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung steht und wie wir die DaZ-Lehrkräfte, die wir noch haben, so verteilen können, dass sie wirklich dort eingesetzt werden, wo wir sie ganz dringend brauchen.

Abschließend noch einmal: Ich möchte dieses Thema nicht auf das Thema Schulen mit Kindern mit Migrationshintergrund beschränken. Wir haben auch andere Schulen in sozialen Brennpunktbereichen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, auch wenn die Zahl der Flüchtlingskinder dort relativ klein ist.

Wenn eine Grundschule Klassen hat, in der mehr als die Hälfte der Schüler Kinder mit Förderbedarf sind, dann müssen wir auch in diesem Fall überlegen, wie wir diese Schule unterstützen können. Ich bin ganz beim Bildungsminister. Natürlich brauchen wir bestimmte Kriterien, die wir vorher festlegen, dass wir sagen, das sind die Voraussetzungen, damit besondere Unterstützung, Hilfe, in welcher Form auch immer, diesen Schulen zu Teil wird.

Das Signal der heutigen Sitzung soll auch an die Schulen und die Kolleginnen und Kollegen sein, wir wissen um ihre Probleme, wir wollen sie unterstützen. Wie wir das konkret machen können, darüber können wir im Ausschuss für Bildung und Kultur diskutieren. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD - Zustimmung von Wolfgang Aldag, GRÜNE)