Dorothea Frederking (GRÜNE):

Herr Präsident. Sehr geehrte Abgeordnete! Im Antrag fordert die AfD eine Abkehr von der ideologiegesteuerten E-Mobilitätspolitik. Zugleich fordert sie den Ausbau von Wasserstofftechnologie im Verkehr.

An dieser Stelle mal wieder eine kleine Nachhilfestunde für die AfD,

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

die so gern andere beschimpft, um von der eigenen Ahnungslosigkeit und den Wissenslücken abzulenken:

(Unruhe bei der AfD)

Wasserstoff in Autos wird üblicherweise in Brennstoffzellen eingesetzt, in denen wiederum Strom für den Betrieb eines Elektromotors erzeugt wird.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Oft ist es so, dass eine Traktionsbatterie die Energie noch speichern muss. Diese Art der Nutzung von Wasserstoff gehört also eindeutig zur Elektromobilität, und zwar sogar noch mit Batterie.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Das verstörende am AfD-Antrag ist, dass dort in gewohnt rechtspopulistischer Manier

(Zurufe von der AfD)

ein vermeintlicher Feind konstruiert wird, nämlich batteriebetriebene Elektroautos.

(Zuruf von der AfD)

Aber der eigentliche Feind, der Verbrennungsmotor, der dem Klima und der Gesundheit der Menschen, ja, auch deutscher Menschen, richtig schadet, der soll erhalten bleiben.

(Unruhe bei der AfD)

18 % der Treibhausgasemissionen kommen aus dem Verkehr, seit 1990 sogar steigend. Wir brauchen eine Verkehrswende, und zwar jetzt. Wir brauchen gerade in motorisierten Individualverkehr rein batterieelektrische Antriebe.

Diese Autos lassen sich über Nacht oder während der Arbeitszeit mit sauberem Windstrom aufladen. Danach können Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, ca. 200 km fahren, wenn es sein muss. Sie haben wirklich schon eine große Reichweite.

Die direkte Stromnutzung in Batterien ist energieeffizienter als die Produktion von Wasserstoff durch Elektrolyse mit Windstrom und die anschließende Rückverstromung in der Brennstoffzelle.

(Unruhe)

Aber auch wasserstoffbasierte Antriebsformen haben ihre Berechtigung. Aufgrund der Energiedichte haben Sie eine hohe Reichweite. Auch der Tankvorgang geht schnell. Für Lkws, aber auch für Flugzeuge und für Schiffe, alles beachtliche Emittenten, könnten wasserstoffbasierte Antriebe helfen, Emissionen zu senken und die Klimaschutzziele zu erreichen.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

Aber neben der Frage, welche Technologie sich durchsetzen wird, müssen alle das individuelle Mobilitätsverhalten hinterfragen. Diesbezüglich schließe ich mich den Ausführungen des Kollegen Henke an.

(Unruhe)

Auch wir Abgeordneten könnten vorbildlich vorangehen und uns fragen     

(Unruhe)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Ich bitte um mehr Ruhe. Der Geräuschpegel stört erheblich, wenn man hier vorn redet. - Danke. Frau Frederking, Sie haben wieder das Wort.


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Wir Abgeordnete müssen uns fragen: Muss es immer eine Flugreise sein, wenn ein Ausschuss unterwegs ist?

Spätestens die Dürre in diesem Jahr hat auch dem letzten Zweifelnden am Klimawandel vor Augen geführt, dass der Klimawandel da ist. Ein „Weiter so!“ darf es nicht mehr geben, wenn wir als Menschheit weiterhin in einer zivilisierten Welt leben wollen. Es macht überhaupt keinen Sinn, gute Technologien, rein batterieelektrische Antriebe und elektrische Antriebe mit Brennstoffzellen gegeneinander auszuspielen.

Inwieweit das Land auch noch umweltfreundliche Technologien über das hinaus, was Professor Willingmann dargelegt hat, fördern muss,


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Frederking, die Redezeit.


Dorothea Frederking (GRÜNE):

das sollten wir im Ausschuss beraten. - Vielen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Frederking, Herr Farle hat sich noch einmal zu Wort gemeldet. Wollen Sie eine Frage beantworten?


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Nur aus Neugierde.

(Oh! bei der AfD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Farle, Sie haben das Wort.


Robert Farle (AfD):

Erstens. Verbrennungsmotoren sind nicht schädlich. Wenn sie mit Wasserstoff betrieben werden, haben sie eben keine schädlichen Emissionen mehr. Das ist Ihnen vielleicht nicht bekannt. Daher sage ich es noch einmal.

Zweitens. Wasserstoff ist nicht unbedingt Brennstoffzelle. Das muss man auch wissen. Das habe ich in meinem Beitrag ganz kurz am Ende erläutert. Leider konnte man aus Zeitgründen das nicht richtig erklären.

Der zweite Gedanke ist: Elektroenergie ist mit Sicherheit, wenn es batteriegestützte Autos sind, der Irrweg. Deswegen kauft diese niemand. Denn sie können nicht weit fahren. Das ist dann immer nur ein Zweitauto. Mit einem Zweitauto können Sie natürlich ein bisschen in der Stadt rumgurken, aber das war es dann auch. Deswegen kauft es auch niemand.

Drittens. Ich habe klar gesagt, für die mittelfristige Situation muss der Diesel bleiben. Auch Gas und andere Möglichkeiten sind vorhanden.


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Was ist das für eine Frage?


Robert Farle (AfD):

Das ist eine Zwischenintervention.

(Heiterkeit bei der AfD)


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Wie lang darf die sein?


Robert Farle (AfD):

Aber: In den nächsten 20, 30 Jahren zeigt sich immer mehr, dass sich der Wasserstoffantrieb durchsetzen wird, und zwar egal, ob als Verbrenner oder mit der Form, dass er einen Elektromotor antreibt. Das ist meine Meinung. Dafür habe ich ein paar Hundert Seiten in den letzten Monaten gelesen.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Farle, kommen Sie bitte zum Schluss.


Robert Farle (AfD):

Daher muss ich Ihnen wirklich sagen: Schauen Sie einmal in die Bücher!


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Frederking, wenn Sie darauf reagieren möchten, haben Sie das Wort.


Dorothea Frederking (GRÜNE):

Ich bin von dieser Zwischenintervention überrascht. Sie halten hier erneut einen Vortrag, beziehen Ihr Wissen aus einem „FAZ“-Artikel, spielen sich hier als vermeintlicher Ingenieur auf, haben wirklich null Ahnung

(Zustimmung bei den GRÜNEN)

und konstruieren einen Widerspruch, als hätte ich gegen die Wasserstofftechnologie argumentiert.

(Zustimmung bei den GRÜNEN - Zuruf von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)

Sie müssen einfach mal zuhören. Ich habe sogar bewusst gesagt: Keine Technik gegeneinander ausspielen. - Das war das Erste.

Zweitens. Wasserstofftechnologie im Verkehr heute ist Elektromobilität. Das, was Sie dargelegt haben. Dass darüber hinaus Wasserstoff in Verbrennungsmotoren eingesetzt wird, das gibt es gar nicht mehr. Die Autohersteller heutzutage nehmen von diesem Pfad schon Abstand. Warum? - Weil sich das nicht gelohnt hat und weil die Reichweiten auch nicht lang sind.

Das heißt, Sie müssen sich einfach mal erkundigen, wenn Sie hier einen technischen Vortrag halten, damit das technisch fundiert ist; das passiert bei Ihnen nicht.

(Beifall bei den GRÜNEN)