Andreas Schumann (CDU):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! In den vergangenen Jahrhunderten waren Bibliotheken der einzige Ort, an dem man Zugang zu bedeutenden Quellen für Forschung, Bildung und Wissenschaft hatte. Schon in der Antike hat man Wissen Bibliotheken gesammelt. So entstand Anfang des dritten Jahrhunderts vor Christus in der kurz zuvor gegründeten makedonisch-griechischen Stadt Alexandria eine der angesehensten Bibliotheken der damaligen Zeit. Diese antike Bibliothek verfügte über einen für die damaligen Verhältnisse enormen, aber heute unbekannten Bestand an Schriftrollen. Vermutlich ist sie im dritten Jahrhundert der Zerstörung des gesamten Palastviertels zum Opfer gefallen.

Auch im digitalen Zeitalter verlieren Bibliotheken nichts von ihrer Anziehungskraft für ihre Nutzer. Sie sind in der Regel ein angenehmer, inspirierender und kommunikativer Ort zum Lernen und Forschen. Sie sind ein Ort der Kulturerfahrung und des Kulturaustauschs.

Obgleich Forscher und Studenten von zu Hause aus, am eigenen Schreibtisch sitzend, auf das Wissen über das Internet zugreifen können, sind die wissenschaftlichen Bibliotheken voller als je zuvor. Ich persönlich - vielleicht geht es manchem von Ihnen ähnlich - liebe den Geruch von altem Papier in Bibliotheken, Archiven und Antiquariaten.

Das Goethe-Institut berichtet, die Arbeitsplätze der neuen Bibliothek des Jacob- und Wilhelm-Grimm-Zentrums der Humboldt-Universität zu Berlin sind so begehrt, dass man dort Parkscheiben für belegte Plätze ausgeben muss. Wenn der Nutzer dann nicht innerhalb einer bestimmten Zeit an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt, dann räumen die Bibliotheksmitarbeiter seine Sachen weg, um Platz für andere Nutzer zu schaffen.

Sehr geehrte Damen und Herren, im Zeitalter der Digitalisierung bleibt der Ort Bibliothek attraktiv, auch als inspirierende Umgebung, als Rückzugsort zum kreativen Lernen und Arbeiten. Nicht nur der Raum inspiriert die Bibliotheksbesucher, sondern auch die Nähe zu anderen Gleichgesinnten, die konzentriert arbeiten und sich austauschen möchten.

Der Bedarf an Begegnungen wird umso größer, je mehr die Menschen vereinzelt an ihren Computern sitzen. Die Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE kommt zur rechten Zeit. Warum sage ich das? - Gemäß Artikel 36 Abs. 3 der Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt fördern das Land und die Kommunen im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten die kulturelle Betätigung aller Bürger insbesondere dadurch, dass sie öffentlich zugängliche Museen, Büchereien, Gedenkstätten, Theater, Sportstätten und weitere Einrichtungen unterhalten. Übersetzt heißt das: Dies alles sind freiwillige Aufgaben.

Nun weiß jeder, wie über freiwillige Aufgaben in Zeiten knapper kommunaler Kassen diskutiert wird. Dazu ein paar Zahlen. Es wurde schon mehrmals erwähnt: Im Jahr 1992 gab es in Sachsen-Anhalt 164 hauptamtlich geleitete Bibliotheken; danach begann leider ein Bibliothekensterben. Zehn Jahre später, im Jahr 2002 waren es noch 119 und im Jahr 2017 noch 73 Bibliotheken. Jedoch muss man darauf hinweisen, dass es Zusammenschlüsse gegeben hat und dass Außenstellen geschaffen wurden.

Dennoch müssen wir darauf achten, dass das Angebot in Zukunft auf dem Lande nicht ausschließlich durch den Bücherbus gesichert wird. An dieser Stelle besteht aus meiner Sicht dringender Gesprächs- und Beratungsbedarf. Aus diesem Grunde bitte ich schon an dieser Stelle meiner Rede darum, den Gesetzentwurf in den Ausschuss für Bildung und Kultur zu überweisen. In diesem Ausschuss werden wir ein Fachgespräch anregen, Gründe für das Bibliothekensterben erörtern und Möglichkeiten prüfen, dieser Entwicklung eine andere Richtung zu geben.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Digitalisierung stellt auch unsere Bibliotheken vor enorme Herausforderungen. Virtuelle Medien werden in 50 % aller hauptamtlich geleiteten Bibliotheken zur Nutzung angeboten. Freies WLAN sollte in unseren Bibliotheken selbstverständlich sein.

Das Land hat Bibliotheken seit dem Jahr 2011 dabei unterstützt, virtuelle Medien anzukaufen. Wurden im Jahr 2011 dafür noch 70 300 € bereitgestellt, so waren es im Jahr 2017 bereits 115 867 €. Die Anzahl der E Medien hat sich in diesem Zeitraum von 12 684 auf 57 218 erhöht. Am häufigsten wurden dabei Belletristik und Unterhaltung, Sachmedien und Ratgeber sowie E Books und Audiomedien ausgeliehen.

Als viel zu gering schätzt die Landesregierung die bisher erreichte Entwicklung der Digitalisierung wertvoller historischer Bestände an den öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken ein. Hierfür fehlt es an den erforderlichen finanziellen Mitteln. Seitens des Landes besteht bereits seit einigen Jahren die Möglichkeit, Digitalisierungsprojekte von kommunalen öffentlichen Bibliotheken im Rahmen der Bibliotheksförderung finanziell zu unterstützen, was von den Kommunen bis dato nicht genutzt wird.

In der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt besteht erheblicher Bedarf, welcher sich insbesondere in der zeitgemäßen Erstellung, Speicherung und Präsentation von Objekten ausdrückt - so die Landesregierung. Aufgrund von Personalmangel und Unterfinanzierung mussten viele Projekte aus Drittmitteln finanziert werden. Dies geht zulasten der Nachhaltigkeit und der Kontinuität in den Einrichtungen - so die Einschätzung der Landesregierung.

Nirgendwo schlummern so viel Wissen und Kultur wie in Bibliotheken. Für viele ist das Wälzen von Büchern das liebste Hobby. Doch in Zeiten von E Books und Digitalisierung muss sich die Bibliothek neu erfinden.

Rund 10 000 Bibliotheken gibt es in Deutschland. Sie werden als Kultur- und Bildungsort immer wichtiger, wie es die Zahlen des aktuellen Berichts zur Lage der Bibliotheken des Deutschen Bibliothekenverbandes belegen. Demnach zählen die Einrichtungen deutschlandweit jährlich 218 Millionen Besucher. 200 000 Arbeitsplätze gibt es dort.

Für Sachsen-Anhalt besteht die große Herausforderung darin, das Angebot in der Fläche zu erhalten und den Erlebnisort Bibliothek zu fördern. Dabei sollen die Kommunen und Gemeinden weiter unterstützt werden.

Meine Damen und Herren, es gibt genügend Gründe, im Ausschuss darüber zu diskutieren, ein Fachgespräch mit Experten zu führen und die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Ich bitte um eine Überweisung des Gesetzentwurfes in den Ausschuss für Bildung und Kultur. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU)