Jens Kolze (CDU):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Zu Beginn meiner Rede möchte ich voranstellen - das ist traurig genug  , dass ich ausnahmslos für die Gleichbehandlung und Gleichberechtigung aller Menschen bin. Mir ist dabei völlig egal, welches Geschlecht und welche Neigung jeder Einzelne hat; wir sind schließlich alle einfach nur Menschen.

(Beifall bei der CDU - Zustimmung bei der SPD)

Bei der Verwendung geschlechtergerechter Sprache hingegen wurde in der Diskussion meines Erachtens eine Grenze überschritten. Unsere deutsche Sprache sieht sowohl das generischen Femininum als auch das generische Maskulinum vor. Beides findet zugegebenermaßen in unterschiedlich starker Ausprägung Anwendung.

Beschäftigt man sich genauer mit dieser Thematik, findet man Aussagen, wie zum Beispiel, die deutsche Sprache sei sexistisch, sie ignoriere Frauen und ihre Leistungen, beschreibe Frauen nur in Abhängigkeit und Unterordnung zu Männern, zeige sie nur in stereotypen Rollen und spreche ihnen so über das Stereotyp hinausgehend Interessen und Fähigkeiten ab. Mit anderen Worten: Durch die Verwendung des generischen Maskulinums würde eine Entweiblichung der Frau stattfinden.

Ich drehe den Spieß einfach mal um. Es gibt genügend Beispiele für ein generisches Femininum in der deutschen Sprache. Werte männliche Kollegen, fühlen Sie sich entmannt, wenn man Sie eine Führungskraft oder eine Koryphäe auf Ihrem Gebiet nennt? - Ich denke nicht.

(André Poggenburg, AfD: Überhaupt nicht!)

Warum also sollte sich eine Frau ihrer Weiblichkeit beraubt sehen, wenn sie bei Begriffen wie Studenten, Lehrer oder Schüler mit gemeint ist?

Es gibt Studien, die besagen, dass beim Lesen eines Textes unter Verwendung der männlichen Form automatisch ein männliches Bild im Kopf entsteht. Wäre es denn wirklich so schlimm, wenn das so wäre? - Unsere Sprache ist historisch gewachsen. Und mag sich die Entwicklung auch am früheren Frauenbild und der Stellung der Frauen in der Gesellschaft orientiert haben, leben wir nun in einem Land voller selbstbewusster emanzipierter Frauen, die nie so gut ausgebildet waren wie heute. Ich denke, wir haben eine Diskussion darüber, dass unsere Sprache die weibliche Existenz verschweigen würde, nicht nötig.

(Zustimmung von Lars-Jörn Zimmer, CDU)

Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aufzeigen: Der/die Minister*in und sein/ihr Stellvertreter*in werden auf vier Jahre gewählt. Das Amtsverhältnis des/der Ministerpräsidenten/Ministerpräsidentin beginnt mit der Aushändigung einer vom/von der Ministerpräsidenten/Ministerpräsidentin vollzogenen Urkunde über die Berufung. - Ist es nicht verständlicher, einfach zu sagen: Der Minister und seine Stellvertreter werden auf vier Jahre gewählt?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Kollege Kolze, Sie haben Ihre Redezeit überzogen.


Jens Kolze (CDU):

Ich komme gleich zum Ende. - Das Amtsverhältnis der Minister beginnt mit der Aushändigung einer vom Ministerpräsidenten vollzogenen Urkunde über die Berufung.

Das Verwenden von Gender-Gap, Binnen-I oder Gender-Star geht deutlich zulasten der Verständlichkeit.

(Beifall bei der AfD)

Aber Sprache ist lebendig.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Bitte den letzten Satz, Herr Kollege Kolze.


Jens Kolze (CDU):

Am Anfang eines Prozesses steht immer die Idee. Wenn sie sich durchsetzt, wird die Sprache ihr folgen.

In diesem Sinne bitte ich Sie um Zustimmung zu unserem Alternativantrag. - Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU - Daniel Roi, AfD: Er hat verstanden, worum es geht!)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Kollege Kolze, Sie haben die Gelegenheit, vielleicht noch ein paar Ausführungen zu machen. Es gibt eine Anfrage von Herrn Dr. Grube. - Herr Dr. Grube, Sie haben das Wort.

(Daniel Roi, AfD: Der hat es nicht verstanden!)


Dr. Falko Grube (SPD):

Ich mache eine Vorbemerkung und habe eine Frage. Die Vorbemerkung ist: So ganz weiß ich nicht, worüber wir hier reden;

(Lachen und Zustimmung bei der AfD)


Jens Kolze (CDU):

Das wundert mich nicht.


Dr. Falko Grube (SPD):

denn es ist eine Frage des Respekts, die Damen so anzusprechen, wie man die Herren anspricht. Insofern bricht sich niemand etwas ab, wenn man von der Abgeordneten und dem Abgeordneten spricht.

(Zurufe von der AfD)

Sie haben gerade sehr untaugliche Beispiele genannt, nämlich die Begriffe Führungskraft und Koryphäe.

(Eva von Angern, DIE LINKE: Er meint bestimmt Koniferen!)

Ja, grammatikalisch sind sie weiblich.

Ich möchte Sie mit einer Gegenfrage erfreuen. Sie haben gerade ein Hohelied auf das in der deutschen Sprache verankerte generische Femininum gesungen. Würde es Sie sehr stören, wenn ich Sie ab jetzt mit Frau Abg. Kolze anspreche?

(Zustimmung bei der SPD - Beifall bei der LINKEN)


Jens Kolze (CDU):

Wissen Sie, Herr Dr. Grube, wir leben noch in einem freien Land. Und wie Sie mich ansprechen, ist mir persönlich ziemlich egal. - Danke.

(Beifall und Heiterkeit bei der AfD)