Sebastian Striegel (GRÜNE):

Vielen herzlichen Dank, Frau Präsidentin. - Wenn ich die Debatte noch mal ein bisschen rekapituliere, dann habe ich jetzt zunächst einmal in allen Fraktionen im Hohen Hause mit einer Ausnahme ein großes Wohlwollen für das Thema wahrnehmen können.

Es ist deutlich geworden, dass die eine oder andere Frage, die eine oder andere Herausforderung, die auch in den nächsten Monaten und Jahren noch zu meistern ist beim Thema E-Sports. Es gibt allerdings eine Fraktion im Hause die hält E-Sport - ich kann mich des Verdachts nicht erwehren - für so etwas wie spätrömische Dekadenz oder irgendeine Entwicklung, die in keinem Fall gefördert werden sollte. Da empfehle ich ein bisschen Gehirnjogging. Das führt auch zu geistiger Flexibilität. Das hilft einem,

(Zuruf von André Poggenburg, AfD)

über Dinge noch einmal neu nachzudenken. Wenn man dieses neue Nachdenken betreibt, dann kann man zu völlig neuen Erkenntnissen kommen. Darauf sollten Sie sich einlassen, meine Damen und Herren Kolleginnen und Kollegen von der AfD.

(Zuruf von André Poggenburg, AfD)

Es geht nicht darum, dem Sport irgendetwas aufzudrücken. Es geht um einen Dialogprozess. Es geht darum, die Rahmenbedingungen festzulegen, mit denen E Sport gefördert werden können.

Der Kollege Gruber hat heute noch mal deutlich gemacht, dass auch da es technisch unterschiedliche Herangehensweisen gibt. Mein Eindruck ist: Wir haben eine gesellschaftliche Entwicklung, an der wir nicht einfach vorbeigehen können. So wenig, wie man erst begonnen hat, Fußball als Sport zu sehen, als überall im Land schon Fußballplätze waren, so wenig kann man heute sagen: Solange noch nicht überall im Land E-Sport gespielt wird, solange könne man das noch nicht anerkennen. Sondern man muss den Weg und diese Entwicklung, die dort passiert, mitbegleiten.

Wir wollen als GRÜNE - das sage ich sehr deutlich -, dass das gemeinsam mit den Akteuren aus der E-Sport-Szene passiert. Ich bin froh und dankbar, dass die sich nicht, käsegesichtig hinter Colaflaschen und Pizzakartons versteckend, in ihren Wohnzimmern von der Welt abgeschottet haben, sondern dass die Kolleginnen und Kollegen von „eSports Magdeburg“ auf diesen Landtag zugekommen sind und gesagt haben: Wir haben ein Anliegen, das würden wir gerne vortragen; wir wissen, dass es die eine oder andere Skepsis gibt; wir laden euch ein.

Also, wir haben mit den Kollegen schon E-Sport gespielt. Vielleicht sollten Sie das auch tun. Ich sage mal, für mich war das ein Erlebnis, dass ich zunächst wieder lernen musste, ohne ausreichend Training, ohne ausreichend Kondition komme ich da nicht weiter. Ich habe die Wettkämpfe alle krachend verloren. Aber es war eine Erfahrung, die mich in der Überzeugung bestärkt hat, dass wir tatsächlich eine Anerkennung auch als Sport brauchen.

Die Eltern sind angesprochen worden. Anerkennung als Sport, etablierte Vereinsstrukturen, die helfen uns tatsächlich auch, die Konflikte, die Sie völlig zu Recht beschreiben, zu lösen und konstruktiv zu lösen, aber auch genau darum geht es.

Ich möchte, dass Sachsen-Anhalt zum Vorreiter wird. Ich möchte, dass wir diese Vorreiterrolle tatsächlich auch gestalten. Es ist ja nicht so, dass Dinge nicht in Sachsen-Anhalt passieren. Auf den FSA und den ESBD und auf die Pokalausspielung habe ich schon verwiesen.

Wir haben aber auch den weltweit bekannten Caster Marius Lauer, der aus der E Sport-Szene kommt. Der von Sachsen-Anhalt aus weltweit Spielerinnen und Spieler castet. Das sind Leute, die möchte ich herausheben, die möchte ich auch zeigen und ihnen sagen, sie stehen für Sachsen-Anhalt, sie sind Botschafter für unser Bundesland.

Ich möchte, dass wir uns hier in anderthalb oder zwei Jahren wiedertreffen können und miteinander den Erfolg feiern können, dass es in Sachsen-Anhalt ein E Sport-Zentrum gibt, das tatsächlich auch diese Szene deutschlandweit und weltweit mitgestaltet.

Ich halte die Anerkennung von E-Sport als Sport für eine echte Zukunftschance. Wir sollten diese Entwicklung mit vorantreiben, wir sollten sie mitgestalten. Ich will an dieser Stelle noch einmal deutlich Danke sagen an die Akteure, die oben auf der Tribüne sitzen, die diese Entwicklung mit betrieben haben, ohne die die E Sport-Szene in Sachsen-Anhalt nicht zu denken wäre. - Vielen herzlichen Dank.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zustimmung bei der LINKEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Abg. Striegel. Ich habe eine Wortmeldung gesehen. Möchten Sie antworten?


Sebastian Striegel (GRÜNE):

Ja.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Olenicak, bitte. Sie haben das Wort.


Volker Olenicak (AfD):

Herr Striegel, es geht heute in der Debatte unter anderem um die Förderung und Anerkennung des E-Sports. Ich muss leider aus meiner Erfahrung sagen, dass viele Sportvereine ums Überleben kämpfen und leider keine auskömmliche Finanzversorgung haben, um überhaupt ihren Regelbetrieb aufrechterhalten zu können. Ist die Debatte damit heute nicht ein wenig scheinheilig?

(Beifall bei der AfD)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Striegel.


Sebastian Striegel (GRÜNE):

Nein, die Debatte ist nicht scheinheilig. Genau darum geht es, die Sportstrukturen in Sachsen-Anhalt wieder zu stärken, wenn Sie die vielen hunderttausend E Sport-Spieler in Sachsen-Anhalt in den - soweit sie noch nicht in den Sportbetrieb integriert sind - Sportbetrieb integrieren können.

Wenn Sie zum Beispiel E-Sport-Abteilungen in Sportvereinen schaffen, dann führt das auch dazu, dass die Verbandsstrukturen gestärkt werden, dass es mehr Mitgliedsbeiträge gibt und dass am Ende auch die Sportszene in Sachsen-Anhalt noch besser aufgestellt ist als vorher.

Ich will, Frau Präsidentin, noch eine letzte Anmerkung für Sie machen. Ich hatte es vorhin schon gesagt. Aus dem Änderungsantrag der LINKEN würden wir die Nr. 1 übernehmen. Insofern müssen wir nur noch die Nrn. 2 und 3 abstimmen lassen. - Herzlichen Dank.