Marco Tullner (Minister für Bildung):

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dann nehme ich mal das Lippmann'sche Wasser. Aber: Wasser ist am Ende Wasser.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Fraktion DIE LINKE stellt einen Antrag zur Stärkung der Begabtenförderung. Gefordert wird, das Angebot der Korrespondenzzirkel ab dem Schuljahr 2018/2019 fortzusetzen und dafür eine entsprechende Haushaltsvorsorge zu treffen.

In der Begründung wird ausgeführt, dass Korrespondenzzirkel über 25 Jahre ein etabliertes Instrument der Begabtenförderung gewesen seien, mit dem jährlich etwa 3 000 Schülerinnen und Schüler mit geringem finanziellem Aufwand größtmöglich gefördert wurden.

Zugleich nimmt der Antrag Bezug auf die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur Förderung leistungsstarker und potenziell leistungsstarker Schülerinnen und Schüler, an der sich das Land Sachsen-Anhalt beteiligt.

Die Korrespondenzzirkel seien aus der Sicht der LINKEN eine sinnvolle Ergänzung als außerschulisches Angebot für diese Initiative und würden dazu beitragen, die Begabtenförderung zu stärken.

Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Im Land Sachsen-Anhalt gibt es seit vielen Jahren eine breite Vielfalt an Angeboten der Förderung von leistungsstarken Schülerinnen und Schülern. Dabei wird unterrichtliche Förderung durch außerschulische und außerunterrichtliche Angebote ergänzt und unterstützt. Diese Angebote führen landesweit Schülerinnen und Schüler mit ähnlichen Interessen, Kenntnissen, Fähigkeiten und Motivationen zusammen. Hier ist das Land mit Wettbewerben, Ferienkursen und Camps der Landesschülerakademie und anderen Dingen sehr gut aufgestellt.

Viele Träger konnte die Akademie für diese Angebote gewinnen. Darüber hinaus verfügt unser Land über Beratungsinstrumente wie die diagnostische Beratungsstelle an der Martin-Luther-Universität in Halle und die Koordinierungsstelle zur Begabtenförderung am Landesinstitut „Lisa“. Solche Instrumente sind längst nicht in allen Bundesländern vorhanden.

Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nun zum Anliegen des Antrags der Fraktion DIE LINKE. Es ist richtig, dass über viele Jahre Korrespondenzzirkel als   e i n   außerschulisches Angebot im Rahmen der Begabtenförderung mit dem Schwerpunkt „mathematische Förderung“ vorgehalten wurden. Hier wurde von den beteiligten Lehrkräften sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der beiden Universitäten eine sehr engagierte Arbeit geleistet, die ich an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich würdigen möchte.

(Zustimmung bei der CDU)

Im Laufe der letzten Jahre haben wir jedoch festgestellt, dass die Zahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler deutlich rückläufig war. Das Angebot der Korrespondenzzirkel wurde überwiegend von je einer Schule in Halle und in Magdeburg sowie von der Martin-Luther-Universität in Halle unterbreitet. Durch diese regionale Bindung wurde landesweit nur eine sehr geringe Zahl von Schülerinnen und Schülern erreicht.

Korrespondenzzirkel sind im Übrigen nicht die einzigen Angebote zur mathematischen Förderung. Auf diesem Gebiet fördern wir auch im Rahmen von Feriencamps und Sommerkursen. Darüber hinaus gibt es die Mathematikolympiade und Lernmodule im Angebot „Lernen im anderen Ort“ an der Universität in Magdeburg.

Die Rückläufigkeit der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler, die Beschränkung auf wenige Schulstandorte und die Fokussierung auf den mathematischen Bereich veranlassten mich, bisherige Angebote zu analysieren und neu aufzustellen, um landesweit mehr Schülerinnen und Schüler zu erreichen, die Sachgebiete deutlich zu erweitern und nicht nur den Ansatz zu verfolgen, Aufgaben zu stellen, die Lösungen zu korrigieren und dann wieder neue Aufgaben zu stellen, sondern über die Aufgaben den Dialog zu führen und Ergebnisse zu präsentieren, damit diese neue Fragen aufwerfen, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler auseinandersetzen; das ist also ein reflektierter Ansatz.

Wir werden hier die Erfahrungen der Lehrkräfte, der wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Hochschulen in Halle und in Magdeburg sowie der Studierenden einbeziehen, um modernere und landesweit breitere Angebote zu entwickeln.

Um die geplante Neuausrichtung der Begabtenförderung umsetzen zu können, bedarf es einer finanziellen Untersetzung. Das Bildungsministerium hat hierfür insgesamt 535 000 € für den Haushalt 2019 angemeldet. Hierbei wäre ich, liebe Kolleginnen und Kollegen, für die parlamentarische Unterstützung im Rahmen der Haushaltsberatungen sehr dankbar.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die gemeinsame Initiative von Bund und Ländern, die schon in Rede stand und die im Antrag thematisiert wird, ist sehr vielschichtig. Sie orientiert sich auf die unterrichtliche Förderung, stellt zugleich eine Verbindung zu diagnostischen Prozessen her und fördert die Vernetzung von schulischen, außerschulischen und außerunterrichtlichen Angeboten zur Begabtenförderung.

Die Mitwirkung des Landes Sachsen-Anhalt orientiert einerseits auf die Fortsetzung von Angeboten des Landes in der Begabtenförderung und bietet andererseits zugleich die Chance, diese Förderangebote zu modernisieren und dabei die Wirksamkeit der Maßnahmen in den Blick zu nehmen.

In diese Initiative werden die bisherigen Partner und Träger von Angeboten der Begabtenförderung selbstverständlich eingebunden, um einen breiten Transfer innerhalb des Landes zu bewirken.

Der Ausschuss für Bildung und Kultur des Hohen Hauses befasste sich in seiner Sitzung im Februar 2018 bereits mit diesem Thema. Ende Juni 2018 werde ich die Vorhaben des Bildungsministeriums zur Begabtenförderung im Ausschuss vorstellen. Die Diskussion über die künftige inhaltliche Ausrichtung der Begabtenförderung im Land wird damit im Ausschuss nach der Sommerpause fortgeführt. Daher plädiere ich für eine Überweisung des hier in Rede stehenden Antrags in den Ausschuss für Bildung und Kultur. - Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der CDU, bei der SPD und von der Regierungsbank - Doreen Hildebrandt, DIE LINKE, meldet sich zu Wort)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Minister, Frau Hildebrandt hat sich zu Wort gemeldet. - Frau Hildebrandt, Sie haben das Wort.


Doreen Hildebrandt (DIE LINKE):

Danke, Herr Präsident. - Herr Minister, Sie haben gesagt: Man kann landesweit Schüler durch andere Programme besser erreichen. Eine Frage dazu. Das Kind, das bei mir auf dem platten Land ohne viele ÖPNV-Möglichkeiten wohnt, hat jahrelang von diesem Korrespondenzzirkel profitiert. Anders wäre Begabtenförderung bei uns überhaupt nicht möglich gewesen. Wie stellen Sie sich vor, dass man landesweit Schüler besser als mit einem Brief per Post und durch die Mundpropaganda von engagierten Lehrern auf jedem Gymnasium im Land erreicht?


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Minister, Sie haben das Wort.


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Frau Abg. Hildebrandt, zunächst einmal habe ich ja gesagt, dass wir uns im Juni 2018 im Ausschuss etwas tiefgründiger und inhaltlicher austauschen werden. Ich glaube, dann wird Gelegenheit sein, sich noch mal in Gänze mit den Dingen zu beschäftigen.

Der Punkt ist natürlich der, wie wir Bildungsangebote im ländlichen Raum vorhalten können. Das ist eine Frage, die man sozusagen in vielfältiger Hinsicht diskutieren kann. Ich glaube, der Aspekt der Digitalisierung - ich will ihn an dieser Stelle noch einmal kurz einwerfen, weil Herr Willingmann gerade hereingekommen ist - wird uns da auch ganz andere Möglichkeiten zeitnah bieten, sofern dann Breitband und die ganzen Dinge geklärt sind. Deswegen sagen wir ja: Wir müssen, damit gerade der ländliche Raum eine gleichberechtigte und auch die gleichen Chancen habende Bildungspolitik hinsichtlich der Begabtenförderung erreichen kann, diese Angebote hinterfragen und stärker in die Breite ausrollen. Das ist in dem Fall eben nicht passiert. Ich hatte beschrieben, wie wenig Schulen sich daran im Endeffekt beteiligt haben.

Deswegen sage ich immer - das hat Herr Lippmann ein bisschen als einen Vorwurf unter mehreren in seinem Redebeitrag gemacht -:

(Zuruf)

Wenn wir immer nur fortschreiben, was da ist, werden wir hier nie Innovationen erzeugen können. Wir müssen uns immer mal auch kritisch reflektieren und bezüglich der Maßnahmen überlegen, ob deren Zielorientierung noch so ist, wie wir uns das vorstellen können.

Dazu lade ich ausdrücklich ein. Wenn Politik immer nur die ausgelatschten Trampelpfade weiter läuft, die da sind, werden wir in diesem Lande unseren Entwicklungsvorsprung vor anderen Ländern der Welt nicht halten können. Gerade bei Bildung sollten wir bereit sein, innovativ und gemeinsam neue Wege zu beschreiten. Dazu lade ich insbesondere die Fraktion DIE LINKE herzlich ein.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Minister Tullner, die Frau Hildebrandt hat noch eine Nachfrage. - Frau Hildebrandt, Sie haben das Wort.


Doreen Hildebrandt (DIE LINKE):

Danke, Herr Vizepräsident. - Herr Minister, wären Sie denn bereit, diese ausgelatschten Trampelpfade noch nicht zu verlassen, bis Sie grünes Licht vom Wirtschaftsminister bekommen, dass der Breitbandausbau auf sämtlichen weißen Flecken im Land abgeschlossen ist?

(Zustimmung bei der LINKEN)


Marco Tullner (Minister für Bildung):

Ich bin mir ganz sicher, dass dieser Minister in die Geschichte des Landes als der Minister eingeht, der Digitalisierung hier endlich zum Laufen gebracht hat.

(Oh! bei der LINKEN)

Denn das wird die Koalition in dieser Wahlperiode erreichen. Da bin ich mir ganz, ganz sicher.

(Zurufe von der LINKEN)

Der andere Punkt ist, dass wir nicht nur auf Digitalisierung als Goldenes Kalb warten, sondern wir werden vorher auch die anderen Instrumentarien in den Blick nehmen. Digitalisierung allein ist kein Selbstzweck, sondern sie wird uns helfen können. Aber so viel Engagement, wie Minister Willingmann an der Stelle an den Tag legt, dazu ich nur sagen, da wird die Post abgehen. - Danke.