Jürgen Barth (SPD):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Feldhamster ist gemäß Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie eine streng zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse. Anhang IV der FFH-Richtlinie ist heute schon des Öfteren erwähnt worden. Es ist übrigens dieselbe Richtlinie, die den Wolf betrifft.

Natürlicher Lebensraum der Feldhamster sind vorzügliche Ackerbaustandorte mit einer Bodenwertzahl ab 70 Bodenpunkten. Damit sind wir in Mitteldeutschland, insbesondere die Börde prädestiniert und natürlich auch das Thüringer Tieflandbecken, wenn ich es so richtig bezeichnen darf.

Das mittlere und südliche Sachsen-Anhalt gehört historisch mit seinen guten Böden zu dem Hauptverbreitungsgebiet des Feldhamsters, woraus sich eine besondere Verantwortung für die Art ableitet.

Es stellt sich also die Frage, welche konkreten Ursachen dazu geführt haben, dass sich die Population des Feldhamsters von einem gefürchteten Schädling zu einer vom Aussterben bedrohten Art entwickelt hat, und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um dem entgegenzuwirken.

Auf die Ursachen ist hier schon mehrfach hingewiesen worden: intensive Landwirtschaft etc. Darauf will ich in meiner Rede gar nicht weiter eingehen.

Wir müssen auf jeden Fall Gegenstrategien entwickeln, damit er nicht ausstirbt.

Die Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage macht Hoffnung; denn sie verdeutlicht, dass es eine ganze Menge an Bemühungen gibt, den Feldhamster als heimische Art in Sachsen-Anhalt zu erhalten.

Diese Bemühungen sind, was zum Beispiel die Einrichtung der Feldhamsterzuchtstation in Sangerhausen zeigt, sehr weitreichend. Auch wenn nach überschlägiger Einschätzung der derzeitige Erhaltungszustand der lokalen Population als schlecht eingeschätzt wird, hoffen wir, dass die Umsetzung der Maßnahmen Wirkung zeigt und uns die lokale Population der Feldhamster in Sangerhausen erhalten bleibt.

Meine Damen und Herren! Ansätze zur Verbesserung der Situation bedrohter Arten wie des Feldhamsters gibt es eine ganze Reihe im Rahmen der Agrar-Umwelt-Maßnahmen. Ich denke, das ist der richtige Ansatz. Es sollte versucht werden, diesen Ansatz weiter auszubauen.

Für den Feldhamster muss es also in erster Linie darum gehen, die Förderung hamstergerechter Bewirtschaftungsmaßnahmen in der Landwirtschaft auszubauen, um damit die Erhöhung der Kapazität seines Lebensraums zu erreichen. Dies hilft nicht nur dem Feldhamster, sondern hat auch für das Leben anderer Arten eine ausschlaggebende Bedeutung.

Auch Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen können wesentlich dazu beitragen, die Situation für die Population zu verbessern. Die Umsiedlung von Feldhamstern, wie bei Frageblock 3 ausgeführt, ist sicher eine wichtige und notwendige Maßnahme. Entscheidend jedoch dürfte die langfristige Sicherung der hamstergerechten Bewirtschaftung sein, welche als produktionsintegrierte Maßnahme erforderlich ist.

Würdigen möchte ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Bemühungen der Deutschen Wildtierstiftung und der am Feldhamsterprojekt teilnehmenden Betriebe.

Meine Damen und Herren! Der Feldhamster steht exemplarisch für eine ganze Reihe von Arten, die wir vor dem Aussterben bewahren müssen. Die Koalitionsfraktionen haben sich darauf verständigt, die Biodiversitätsstrategie und den Aktionsplan des Landes weiterzuentwickeln. Wir erwarten von der Ministerin die intensive Einbindung des Parlaments.

Artenschutz ist eine wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur gemeinsam zum Erfolg führen können. In diesem Sinne wird sich der Umweltausschuss sicherlich intensiv einbringen. - Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der SPD)