Detlef Radke (CDU):

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Obwohl ich eine Redezeit von zwölf Minuten habe, möchte ich mich doch sehr kurz fassen und mich auf das Wesentliche beschränken. Alle Reden werden ähnliche Inhalte haben.

Der Schutz des Feldhamsters scheint ein überaus umfangreiches und intensives Thema zu sein, wenn die AfD dazu eine Große Anfrage stellt. Es freut mich daher, dass Ihnen, liebe Mitglieder der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, dieses kleine flauschige Tierchen so am Herzen liegt.

Die Anfrage lässt vermuten, dass es Ihnen in erster Linie um die Interessenkonflikte zwischen Wirtschaft und Tierschutz geht. Aber wir wollen uns keinen Spekulationen hingeben. Daher haben wir hier den Schutz des Feldhamsters zu diskutieren.

Noch in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Feldhamster als Schädlinge angesehen und bekämpft. Ihre Felle wurden zum Ausfüttern von Jacken und Mänteln benutzt. Das muss man sich einmal vorstellen; es ist schon irgendwie pietätlos.

Das bunteste Pelztier Europas ist allerdings ein Zugereister; er ist zugewandert. Der Feldhamster ist ursprünglich in den Steppen Osteuropas beheimatet. Nur durch die Intensivierung und Ertragssteigerung der Landwirtschaft kam der Feldhamster nach Westeuropa. Zugegeben, das älteste gefundene Hamsterskelett ist gut 2 000 Jahre alt.

Mittlerweile gilt der Hamster, wie wir alle wissen, als eine vom Aussterben bedrohte Tierart. Dieser Status ist an sich auch unumstritten. Der Europäische Hamster, wie der Feldhamster auch genannt wird, steht somit im Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und er wird auch in der Berner Konvention im Anhang II gelistet. Irgendwie kommt einem das bekannt vor.

Dieser Schutzstatus führt dazu, dass die Planung, der Bau und/oder die Erschließung zum Beispiel von Gewerbegebieten und Straßen immer wieder verzögert werden. Frau Ministerin erwähnte die Verantwortung Sachsen-Anhalts, das Nagetier weiterhin zu schützen, da, ich zitiere, große Arealflächen der bundesdeutschen Verbreitung im Land liegen.

Wenn wir uns einmal die Verbreitung in Deutschland ansehen, so liegt laut des FFH-Berichtes des Bundesamtes für Naturschutz und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit aus dem Jahr 2013 das Hauptverbreitungsgebiet des Feldhamsters mit einem Anteil von 64 % der Verbreitungsfläche in Niedersachsen. In Sachsen-Anhalt befindet sich ein Anteil von 24 % der Verbreitungsfläche.

Meine Damen und Herren! Obwohl in Sachsen-Anhalt nur ein Viertel der gesamten Verbreitungsfläche Deutschlands liegt, machen genau diese Flächen im Land immer wieder Probleme. Die in der Großen Anfrage angesprochenen Umsiedlungsprojekte scheinen nicht besonders vielversprechend zu sein.

Ja, meine Damen und Herren, nun komme ich doch zurück auf dem Interessenkonflikt. Trotz allem kann das wirtschaftliche Allgemeinwohl nicht ausnahmslos unter den Schutzinteressen des Feldhamsters stehen. Auch an dieser Stelle funktioniert der Artenschutz nur zusammen mit dem Verständnis der Menschen. Es bedarf der Aufklärung und der Mitnahme der betroffenen Menschen. Das gilt für den Hamster, aber erst recht für Natura 2000. Es gilt für alle Pflanzen und Tiere auf der sogenannten Roten Liste. - Ich danke.

(Zustimmung bei der CDU)