Prof. Dr. Claudia Dalbert (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie):

Danke, Frau Präsidentin. - Liebe Kollegen und Kollegen! Die zur Diskussion stehende Große Anfrage bezieht sich, wie wir gehört haben, auf den Status und den Schutz des Feldhamsters, Cricetus cricetus, in Sachsen-Anhalt.

Der Feldhamster ist eine typische Art der offenen Kulturlandschaft und besiedelt bei uns in Sachsen-Anhalt bevorzugt Ackerflächen mit guter Bonität vor allem in der Börde. Als Opfer der intensiven Landwirtschaft ist der Feldhamster heute eines der am meisten gefährdeten Säugetiere Westeuropas und daher nach deutschem und europäischem Recht streng geschützt.

Als Säugetierart des Anhangs IV der FFH-Richtlinie ist er mit höchster Priorität für Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen einzustufen. Die Bewertung des Erhaltungszustandes der Populationen im Rahmen des FFH-Berichtes 2019 wird für den Feldhamster aller Voraussicht nach sowohl deutschlandweit als auch für Sachsen-Anhalt nach wie vor den Status unzureichend schlecht - und damit sprichwörtlich rot - ausweisen. Diesen Status erhält er auch in der Roten Liste; er ist also vom Aussterben bedroht.

Sachsen-Anhalt hat für den Feldhamster eine hohe Verantwortung, da große Arealflächen der bundesdeutschen Verbreitung eben genau hier bei uns in Sachsen-Anhalt liegen.

Der Feldhamster kann mit seiner Fortpflanzungsstrategie eine große Vermehrungsrate erreichen, wenn die Qualität seines Lebensraumes für ihn optimal ist. Sind die Bedingungen für die Hamster hinsichtlich Wohnbauten, Nahrungsquellen und Artgenossen sehr gut, kann sich die Population sehr schnell aufbauen. Wenn die Kapazitäten seines Lebensraumes erreicht sind und weiterhin gegeben sind, stabilisiert sich die Population.

Ebenso schnell kann aber eine Population mit unzureichenden Habitatqualitäten bis auf wenige Tiere zusammenbrechen. Dazu enthält die Antwort auf die Große Anfrage weitere Ausführungen.

Schutzmaßnahmen müssen sich daher langfristig an den für die Art erforderlichen und zu erhaltenden Lebensraumqualitäten ausrichten. In Sachsen-Anhalt orientieren sich Schutzmaßnahmen deshalb in erster Linie auf die Förderung hamstergerechter Bewirtschaftungsmaßnahmen in der Landwirtschaft. Damit können den Feldhamstern Lebens- und Vermehrungstätten, Nahrung und die Möglichkeit, Wintervorräte einzutragen, eingeräumt werden.

Bei der artenschutzrechtlichen Bewältigung von Planungsvorhaben bzw. Eingriffen ist der Maßstab der Absenkung von Beeinträchtigungs- bzw. Tötungsrisiken anzulegen. Die Kapazität der Lebensräume muss dabei mindestens erhalten werden. Das ist schon deshalb notwendig, weil, wie gesagt, die Population bei mangelnder Habitatqualität in nur kurzer Zeit zusammenbrechen kann.

Die Antworten auf die Große Anfrage gehen umfassend auf den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zur Hamsterpopulation in Sachsen-Anhalt ein. Zu den davon in mehreren Abschnitten abgeleiteten Fragen, zu konkreten Einzelprojekten, zu eingriffsbezogenen Ausgleichsmaßnahmen sowie zu artenschutzrechtlichen Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen gibt die Landesregierung umfassend Antworten.

Der Abschnitt V der Großen Anfrage nimmt Bezug auf die Teilpopulation bei Sangerhausen. Diese war durch das Vorhaben eines Projektes mit Namen „Charlottes Garden“ zu Jahresbeginn 2017 in den Fokus geraten. Die artenschutzrechtliche Abarbeitung der Verfahren zu dem Projekt durch den Landkreis war aber offenbar mangelhaft. Der BUND als anerkannter Naturschutzverband hatte gegen erteilte Ausnahmegenehmigungen erfolgreich Rechtsmittel bis zum Oberverwaltungsgericht eingelegt.

Der Vorgang zeigt, dass die artenschutzrechtlichen Belange einen hohen Stellenwert bei allen Vorhaben einnehmen müssen, insbesondere dann, wenn Konflikte von vornherein abzusehen sind und vermieden werden sollen. Nach meiner Kenntnis gibt es derzeit keinen neuen Sachstand zu dem Vorhaben im Bereich der Stadt Sangerhausen, die im Zusammenhang oder, um es besser zu sagen, im Konflikt mit der Feldhamsterpopulation stehen.

Bei einer Neu- oder Weiterentwicklung von Vorhaben in dem Bereich sind die artenschutzrechtlichen Belange und bisher getroffene Entscheidungen zur lokalen Hamsterpopulation bei Sangerhausen selbstverständlich zu berücksichtigen. - Herzlichen Dank.

(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)