Prof. Dr. Claudia Dalbert (Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie):

Danke. - Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen! Der ländliche Raum umfasst mehr als 80 % der Fläche des Landes Sachsen-Anhalt. Viele Gewerbegebiete liegen im ländlichen Raum, die meisten Rohstoffabbaue, die Windräder usw. Und der überwiegende Teil unserer Bürger und Bürgerinnen ist im ländlichen Raum zu Hause.

Aufgrund des großen Flächenpotenzials und einer vorteilhaften Naturraumausstattung leistet der ländliche Raum in unserem Land insbesondere für die Produktion von Nahrungsmitteln und nachwachsenden Rohstoffen einen wesentlichen Beitrag zur Gesamtentwicklung des Landes.

Wenn es in unserem Land weiter bergauf gehen soll, muss und kann der ländliche Raum nachhaltig dazu beitragen. Dazu brauchen wir Strategien, um die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu steigern und um die vorhandenen Möglichkeiten zu nutzen. Wertschöpfung ist nicht alles, aber soziale und ökologische Aufgaben lösen sich leichter, wenn Geld verdient wird; das ist klar.

Eine solide Einschätzung der Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen des ländlichen Raumes ist der Grundbaustein für jede realistische Strategie. Deshalb unterstütze ich ausdrücklich die in dem ersten Punkt des Antrags aufgestellte Forderung nach einer fundierten Erhebung der Potenziale der ländlichen Räume. Die in den nachfolgenden Punkten des Antrags enthaltenen Aufträge an die Landesregierung beziehen sich auf die Land-, die Forst- und die Nahrungsgüterwirtschaft. Adressat Ihres Auftrages ist somit zuallererst mein Haus.

Da es im Antrag aber auch um die Steigerung der Wertschöpfung insgesamt geht, werde ich die anderen relevanten Landesressorts natürlich einbeziehen. Dazu werden wir uns in der nach unserem Koalitionsvertrag im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr angesiedelten Steuerungsgruppe „Nachhaltige Landesentwicklung“ verständigen.

Die Themen Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte, Förderung der touristischen Infrastruktur, Marketingmaßnahmen und Fragen der Daseinsvorsorge ländlicher Regionen werden in Sachsen-Anhalt bereits mit Landesmitteln flankiert. Dabei setzen wir Landes-, Bundes- und EU-Geld ein.

Regionale und ökologische Produkte liegen im Trend. Die Verbraucher und Verbraucherinnen besinnen sich zunehmend auf ihre Heimat, den Landwirt, den sie vor Ort kennen, die Vermarktungsunternehmen, die Produkte in und aus der Region verarbeiten und bearbeiten. Diese Entwicklung ist gut. Das stärkt nicht nur die Wertschöpfung vor Ort, sondern schont wegen der kürzeren Wege auch das Klima.

Wir in Sachsen-Anhalt haben gute Produkte, die es wert sind, auch außerhalb unserer Region Beachtung zu finden. Wir haben auch qualifizierte Menschen, die diese Produkte erzeugen, verarbeiten und vermarkten können. Wir haben gute Standorte für die Produktion. Wir haben eine logistisch vorteilhafte Lage mitten in Deutschland, mitten in Europa. Sachsen-Anhalts Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft sind ein starkes Fundament für gesellschaftlichen Wohlstand in unserem Land.

Ich unterstütze die Forderung, den Bekanntheitsgrad unserer regionalen Produkte zu erhöhen. Das schließt natürlich auch das digitale Marketing ein. „Typisch Harz“ ist ein Beispiel für ein digitales Projekt, das die Landesregierung erfolgreich unterstützt.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Im Juni dieses Jahres findet im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine Fachtagung zur Nahversorgung im ländlichen Raum statt. Meine Verwaltung ist Mitveranstalter. Dort soll es im Kern um einen Austausch zur Versorgung mit Lebensmitteln im ländlichen Raum gehen. Es sollen gute Beispiele vorgestellt und diskutiert werden. Wir werden im Ergebnis der Tagung prüfen, was für unser Land adäquate Lösungen sein können, um eine nachhaltige Versorgung ländlicher Räume zu gewährleisten. Dazu werden wir Ihnen berichten.

Wir werden auch den Dialog mit den Handelsketten suchen. Für regionale Produkte steigt die Nachfrage. Ein Interesse der Handelsketten an einem Austausch zu Fragen der Nahversorgung im ländlichen Raum darf vorausgesetzt werden. Gute Beispiele für Kooperationen sind ja bekannt. Ich werde die Handelsketten also umfassend einbeziehen. Dazu werden wir sie zu einem Auftaktgespräch noch vor der Sommerpause einladen.

Wir sind zu vielem, was im Antrag angesprochen wird, schon aktiv geworden, aber man kann sich immer auch verbessern und dafür geben Sie uns hier einen wichtigen Anstoß. Ich nehme den Auftrag, unsere Arbeit bei der Steigerung der Wertschöpfung im ländlichen Raum zu intensivieren, gern an. Ich bin mir sicher, dass Sie mich dabei unterstützen werden, auch bei den Haushaltsverhandlungen. - Herzlichen Dank.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und von Angela Gorr, CDU)