Bernhard Daldrup (CDU): Herr Präsident! Meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen! Herr Farle, das war eine Rede von gestern.(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)Wenn das die Meinung der Fraktion ist, dann ist die Fraktion auch von gestern. (Zustimmung von Ulrich Thomas, CDU - André Poggenburg, AfD: Besser als von vorgestern!)Die Energiewende ist in Deutschland unumkehrbar; das ist so. Die CDU hat von Anfang an darauf hingewiesen, dass sie aber gesellschaftspolitisch Akzeptanz finden muss. (André Poggenburg, AfD: Das ist sie aber nicht!) Deshalb hat die Koalition in ihrem Koalitionsvertrag auch ziemlich eindeutig geregelt, dass genau dieser Punkt wichtig ist. Deswegen haben wir alle Maßnahmen, die wir in diesem Land durchführen, auch daraufhin überprüft, dass sie gesellschaftspolitisch akzeptabel sind und dass sie für die Menschen erträglich bleiben. Ja, das EEG war zu Anfang ein Vertrag zu Lasten Dritter; das muss man so sagen. Aber wir haben dadurch auch einen wahnsinnigen Innovationsschub gehabt. Jetzt kann man darüber diskutieren, ob die Geschwindigkeit, mit der wir die Energiewende betrieben haben, richtig war oder nicht. Der Weg und die Richtung waren aber richtig. Das muss man eindeutig sagen. Energiewende besteht nicht nur aus dem EEG. Energiewende besteht aus der Einsparung von Primärenergie, aus Wärmedämmung, (Zuruf von Robert Farle, AfD)- natürlich ist das so - aus der Umstellung von Kohle und von stofflicher Nutzung, also aus ganz vielen Bereichen in dieser Gesellschaft, die Sie gar nicht genannt haben. Sie haben nur einen vermeintlichen Missstand beschrieben. Ich habe in Ihrer Rede nicht einen Satz dazu gehört, wie Sie es besser machen wollen. Ich habe nicht einen Satz dazu gehört, wie Sie die Ziele von Paris erreichen wollen. Ich habe nicht einen Satz dazu gehört. (Zuruf von Robert Farle, AfD)- Gar nichts haben Sie dazu gesagt. Ich habe sehr genau zugehört. - Ich habe nicht einen Satz dazu gehört, wie Sie dieses Land in die internationalen Vereinbarungen, die wir getroffen haben, einbinden wollen. Nichts, einfach nur ein Aufzählung, was alles schlecht ist. Wie nennt man so etwas? - Populismus!(André Poggenburg, AfD: Opposition!)- Populismus!(Zustimmung bei der CDU - André Poggenburg, AfD: Fundamentalopposition!)- Nein, dann schauen Sie einmal in der Verfassung nach, was Opposition ist. Die CDU hat damals darauf bestanden, die Sonderregelungen für Unternehmen einzuführen, weil das für uns ein ganz wichtiger Punkt ist.(Zustimmung von Eva Feußner, CDU, und von Guido Heuer, CDU)Denn aus der Energiewende darf natürlich nicht entstehen, dass wir im Wettbewerb wirtschaftlich benachteiligt werden. Das kann es nicht sein. Das wollen wir nicht. Dazu haben wir auch eine ganz klare Meinung gehabt.Wir haben auch gesagt, auch Braunkohle brauchen wir noch eine Zeit lang. Deswegen steht auch im Koalitionsvertrag kein Datum für den Braunkohleausstieg, sondern darin steht, unter welchen Bedingungen wir wann zumindest aus der energetischen Nutzung der Braunkohle aussteigen.(André Poggenburg, AfD: Da sind wir dabei) - Da sind wir dabei, genau. Das steht auch darin und das ist auch vernünftig. Aber wir brauchen die Braunkohle noch als Übergangstechnologie.(Beifall bei der CDU)Ich war immer schon der Meinung, dass es irgendwie keinen Sinn macht, fossile Energieträger einfach zu verbrennen. Das ist eigentlich ziemlicher Schwachsinn, weil es ein endlicher Faktor ist, und für diesen endlichen Faktor muss aus unserer Sicht und aus meiner Sicht zumindest eine Kaskadennutzung organisiert werden. Das gilt übrigens auch für Gas, auch wenn Gas im Moment im Überfluss da ist. Auch Gas ist ein endlicher Faktor. Zumindest in der Form, wie wir ihn jetzt verbrauchen, verbrauchen wir mehr, als nachwächst, um das mal ganz deutlich zu sagen.(Beifall bei der CDU)Als Land- und Forstwirt sage ich jetzt mal mit Blick auf die Frage der Nachhaltigkeit, dass wir da schon ganz schön auf dem falschen Dampfer sind.Wir haben also eine ganze Menge Aufgaben. Wir haben vorhin gehört - die Ministerin hat völlig recht  , dass es bei den Energienetzen, die wir haben, Probleme gab. Bei den Netzausbaukosten habe ich auch nie verstanden, warum die auf politischer Kulisse, also auf der Kulisse der politischen Einheiten, organisiert worden sind. Fachlich hätten sie auf der Kulisse der Versorgungsnetze organisiert werden müssen. Das ist doch logisch. Ich habe nie verstanden, warum in Harbke ein anderes Netzentgelt bezahlt wird als in Helmstedt, obwohl die das gleiche Netz haben. Das hat mich nicht wirklich überzeugt. Deswegen bin ich dem Ministerpräsidenten (Beifall bei der CDU) an dieser Stelle sehr dankbar dafür, dass er sich so dafür eingesetzt hat, dass wir an dieser Stelle jetzt eine vernünftige Regelung bekommen haben.(Beifall bei der CDU)Wir sind bei diesen Punkten durchaus auf dem richtigen Weg.Jetzt dürfen wir in der Zukunft aber ein paar Fehler nicht machen. So schön - das haben Sie richtigerweise, wie ich finde, gesagt - Elektromobilität auch ist, wir müssen vor die Elektromobilität die Netze setzen. Das heißt, wir müssen die Infrastruktur schaffen, damit die Autos diese Energie auch nehmen können. Unser Niederspannungsnetz ist dafür im Moment in keiner Weise geeignet. Das muss man sehr deutlich sagen. Auch hierbei stellt sich die Frage der Kosten und der gesellschaftlichen Akzeptanz. Vizepräsident Willi Mittelstädt: Herr Daldrup, die Redezeit bitte. Bernhard Daldrup (CDU): Sie haben recht. Das tut mir leid. Vizepräsident Willi Mittelstädt: Es gibt aber noch zwei Fragen seitens der AfD.Bernhard Daldrup (CDU):Leider Gottes ist das Thema so umfassend und so wichtig in diesem Land, dass wir gesagt haben, wir wollen darüber im Ausschuss auch diskutieren. Das werden wir dann auch tun. - Vielen Dank.(Beifall bei der CDU)Vizepräsident Willi Mittelstädt: Es gibt zwei Fragen. Frau Funke hat eine Frage. - Frau Funke, Sie haben das Wort.Lydia Funke (AfD):Danke schön. - Herr Daldrup, ich habe eine Frage an Sie. Wie stehen Sie persönlich als Landwirt, aber auch die CDU-Fraktion des Landes Sachsen-Anhalt, zum Süd-Ost-Link? - Danke.Bernhard Daldrup (CDU):Ja, das kann ich Ihnen sagen. Im Rahmen des Netzausbaues ist das durchaus notwendig. Aber wir können natürlich nicht nur einseitig die Kosten und den Nutzen verteilen. Auch dabei haben Landeigentümer und Grundeigentümer einen Anspruch auf eine vernünftige und langfristige Entschädigung. Wir müssen uns auch in die Frage des Flächenverbrauchs einordnen. Natürlich, das ist doch klar. Hier haben wir noch ein bisschen Arbeit.(Zustimmung bei der CDU - Ulrich Thomas, CDU: Richtig!) Vizepräsident Willi Mittelstädt: Herr Daldrup, Herr Farle hat noch eine Frage.Robert Farle (AfD):Das ist eine Kurzintervention. Bernhard Daldrup (CDU): Das war klar. Robert Farle (AfD): Der erste Satz betrifft die Frage, ob das eine Rede von gestern ist, so, wie Sie das abqualifiziert haben. Nein, ich sage Ihnen, das ist eine Rede von morgen und übermorgen, weil Sie noch nicht verstanden haben, dass unter dem Begriff Energiewende vieles subsumiert wird, was da gar nicht drunter gehört. Die eigentliche Energiewende - die ist von der Bevölkerung unterstützt worden - war die Abkehr von der Kernenergie. Das hat keine Zukunft mehr. Niemals hat unsere Bevölkerung einmal darüber abstimmen können, ob man jetzt nicht mit Gas weitermacht. Und die Behauptung, die Gasvorräte sind endlich, stimmt in dieser Absolutheit natürlich. In 1 000 Jahren ist das Gas sicherlich zu Ende. Wir leben aber in einem Zeitalter, in dem praktisch in jedem Jahr neue Gasfelder entdeckt werden und in dem wir gerade aus Russland das Angebot bekommen haben, die Nordstream-Pipeline erweitern zu können. Darauf wollte ich Sie nur hinweisen. Wenn dieses Angebot angenommen würde, könnten die Gaspreise bei uns eingefroren werden und wir könnten Autos mit Gas betreiben. Das ist das, was Sie noch nicht verstanden haben. Es geht um Hunderte von Milliarden, die den kleinen Leuten aus den Taschen gezogen werden für eine zurzeit völlig sinnlose und verfehlte Energiepolitik.(Beifall bei der AfD)Vizepräsident Willi Mittelstädt: Herr Daldrup, möchten Sie noch einmal antworten? - Dann haben Sie das Wort.Bernhard Daldrup (CDU):Herr Farle, Sie wissen, dass wir in diesem Jahr den 300. Geburtstag von von Zanthier in Wernigerode feiern. Der hat etwas für den Wald in Wernigerode und für den Harzer Wald gemacht, was sich Nachhaltigkeit nennt. Insofern ist das, was Sie gesagt haben, völlig widersprüchlich zu dem, was die Menschen schon vor 300 Jahren erkannt haben. - Vielen Dank. (Beifall bei der CDU - Siegfried Borgwardt, CDU: Genau so ist es!)