Lydia Funke (AfD):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Werte Kollegen! Mein geschätzter Kollege Hannes Loth hat zu Beginn der Debatte bereits den Themenreigen analysiert, der für die Begründung dieser Aktuellen Debatte aufgestellt wurde, und in seiner Rede eingangs auf die Stellung des Bibers im Ökosystem hingewiesen sowie die Bedeutung des Nagers für die Entstehung von Gewässern und die natürliche Habitatbildung als Lebensgrundlage für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten hervorgehoben.

Diese natürliche Tätigkeit des Elbebibers in historischer Zeit auf dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt wird mit als Grundlage für die Entstehung des Gewässernetzes in seiner jetzigen Ausprägung angesehen. Den Erhalt des Elbebibers als autochthone, bodenständige Unterart des europäischen Bibers über das Populationsziel von 180 Tieren in den 50er-Jahren gilt zu Recht als beispielhafte Erfolgsgeschichte vor allem des ehrenamtlichen Naturschutzes auf dem Gebiet des Landes Sachsen-Anhalt.

Daher hatten wir die aktuelle öffentliche Diskussion, die den Elbebiber in der Wahrnehmung auf den Schadensverursacher und Problembiber reduziert, folgerichtig im Umweltausschuss thematisiert und mit einem Fragezeichen hinter der Erfolgsstory versehen.

Die Schäden an Deichen - damit sind wir beim Hochwasserschutz - wurden nach einer Anfrage der GRÜNEN im Jahr 2014 im „Fokus“ unter dem Titel „Biber kosten Sachsen-Anhalt viel Geld“ für die Jahre 2011 bis 2013 auf jährlich 100 000 € beziffert. Im Jahr 2013 waren zudem Reparaturen mit Kosten von einer Viertelmillion Euro an Gewässern notwendig, die allein die Unterhaltungsverbände aufbringen mussten.

Besonders hervorgehoben wurden in einer vorangegangenen Beschlussfassung des Landtags in der 63. Sitzung die Modellprojekte im Landkreis Wittenberg zum Management und im Naturpark Drömling zum Biberkonfliktmanagement. Diese Projekte dürfen wohl vor allem im Landkreis Wittenberg als gescheitert betrachtet werden; denn die Stadt Kemberg hat Frau Ministerin Dalbert mehrmals aufgrund von zunehmenden Schäden durch die Problembiber zu Aktivitäten aufgefordert.

Die „MZ“ berichtete am 29. Januar 2017 über die Probleme der Biberschwämme im Landkreis Wittenberg. Es scheint offenbar eine erhebliche Diskrepanz in der Wahrnehmung und Bewertung einer Verantwortungsart des Landes Sachsen-Anhalt zu geben.

(Zustimmung bei der AfD)

Auch über die Wirkung und Realisierung der nach dem genannten Beschluss anzulegenden geeigneten Anpflanzung von Weichholz als Futter finden sich keine Informationen außer einer Maßnahme für den Naturpark Drömling im Umweltsofortprogramm. Der zuständige Wasserunterhaltungsverband versucht seit Langem medienwirksam, das Land Sachsen-Anhalt an den Biberschäden zu beteiligen. Derartige Negativpresse dürfte für ein Schutzgebiet, das für den Titel „UNESCO-Biosphärenreservat“ vorgesehen ist, natürlich abträglich sein.

Nun kommen wir zur gestrigen Schöpfungsgeschichte und schauen einmal, wer nach dem vorher gelobten Erfolg im Biberschutz eine andere Zukunft schaffen will, da der Biber auch erhebliche Schäden in Land- und Forstwirtschaft verursacht. Der Abg. Heuer hat hier klare Gestaltungsideen entwickelt. Zum einen müsse der Biber grundsätzlich in seiner Populationsentwicklung reguliert werden und zum anderen müsse in den Lebensraum des Bibers eingegriffen werden können. - Aha!

(Guido Heuer, CDU: Habe ich gesagt!)

Nun kennen wir also zumindest die moderne praktische Umsetzung der Schöpfungstheorie: regulieren und eingreifen. Schöpfer stehen aber bekanntlich über den Dingen und Ihre Jagdambitionen stellen eine wunderbare Überleitung zu den Ursachen und zur Motivation für derartige Ideen dar.

Damit, Frau Ministerin, sind eigentlich Sie gefordert, Ihrem Koalitionskollegen zu erklären, dass sich der Biber tatsächlich nicht auf einmal so stark vermehrt hat; denn Ihre Bestandszahlen von gestern gleichen den Schätzungen aus dem Jahr 2011 und den Zahlen aus dem Jahr 2014. Das heißt also, seit sechs Jahren stagniert der heraufbeschworene enorme Bestandszuwachs auf einem Stand von 3 300 Bibern mit ca. 1 000 besetzten Revieren und ca. 270 bekannten und nicht besetzten Revieren.

Jetzt als Denkanstoß für alle Regulierungsfreunde unter uns: Eine Nagetierart hat es also seit den geringsten Bestandswerten von 200 Bibern um das Jahr 1890 herum und dann wieder von 1952 bis jetzt, also in 65 Jahren geschafft, die Population auf 3 000 Tiere zu entwickeln.

Das sind sagenhafte 1,4 % pro Jahr. Man muss, Frau Ministerin Dalbert, keine Begriffe aus der Motivationsanalyse auf die Bestandsökologie ummünzen, sondern diese Bestandsentwicklung rechtfertigt keinerlei Eingriffe, aus welcher Motivation heraus auch immer. Sonst ist schnell wieder der genetische Flaschenhals von 200 Tieren erreicht.

(Zustimmung bei der AfD)

Bei dieser Problemlage war es zudem sicherlich nicht hilfreich, die Biberranger zu Wolfsrissbegutachtern umzuwidmen und sie nach Iden zu delegieren, zumal es diverse andere Rissbegutachter gab und gibt. Zudem sollten zumindest nach der letzten Anfrage des Abg. Daldrup vom 5. Oktober 2016 die Empfehlungen zum Konfliktmanagement beim Umgang mit dem Biber Ende 2016 veröffentlicht werden. Seit gestern wissen wir: Es wird Ende 2017.

Somit, Frau Ministerin, wäre es erforderlich, dass einmal klar und deutlich zum Biber Stellung bezogen wird und das Konfliktmanagement sofort wiederhergestellt und entstandene Schäden ausgeglichen werden.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Abg. Funke, Ihre Redezeit ist zu Ende. Bitte den letzten Satz.


Lydia Funke (AfD):

Den letzten Satz. - Was nehmen wir denn da?

(Heiterkeit bei den GRÜNEN - Sebastian Striegel, GRÜNE: Das ist politische Beliebigkeit!)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Das überlasse ich Ihnen.


Lydia Funke (AfD):

Abschließend noch einmal die Forderung an die Frau Ministerin, endlich das Thema ernst zu nehmen auch hinsichtlich von Neophyten und Neozoa und tatsächlich das Problem in die Hände zu nehmen. - Danke.

(Beifall bei der AfD)