Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Man hätte den Antrag der AfD-Fraktion noch ernst nehmen können, wenn es tatsächlich um eine Methode des Lesenlernens gegangen wäre, zu der es durchaus unterschiedliche Ansichten und mit der es durchaus unterschiedliche Erfahrungen gibt, was auch damit zusammenhängt, dass Kinder unterschiedlich lernen und dass ein Kind von einer Lernmethode profitiert und ein anderes Kind von einer anderen Lernmethode.

Der Beitrag von Herrn Tillschneider hat gezeigt, dass es ihm um etwas ganz anderes geht. Er hat das auch ganz deutlich gesagt. Ihm geht es darum, dass bestimmte Methoden verboten werden. Er möchte, dass das Bildungsministerium Methoden vorgibt, nach denen Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen lernen.

(Tobias Rausch, AfD: Na was denn sonst!)

Die Frage, die sich für mich stellt, ist: Wer soll das entscheiden. Auch das haben Sie in dieser Rede ganz deutlich mitbekommen. Natürlich möchte die AfD-Fraktion entscheiden, nach welchen Methoden Schülerinnen und Schüler in unseren Schulen lernen.

(André Poggenburg, AfD: Wir entscheiden?)

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich setze nach wie vor auf die Freiheit, auf die Verantwortung und vor allen Dingen auch auf die gute Ausbildung unserer Pädagoginnen und Pädagogen. Auch das wurde in einem Nebensatz gesagt, dass sie infolge ihres Studiums - Sie machen wirklich eine langjährige Ausbildung über sieben bis acht Jahre - die individuellen Stärken und Defizite der Schülerinnen und Schüler erkennen können - das wurde ihnen abgesprochen - und genau daraus ableiten können, welche Lehrmethoden erfolgreich sind.

Schule ist bunt, weil die Lebenswelten ganz bunt sind, weil wir Schülerinnen und Schüler haben, die zunehmend heterogen sind.

Ich bin stolz darauf, dass wir Schulen haben, die in Schulkonferenzen sehr verantwortungsbewusst festlegen und auch immer wieder reflektieren und überprüfen, nach welchen Lernmethoden sie vorgehen.

Im Übrigen, wenn Sie sich den IQB-Ländervergleich anschauen, den die Kultusministerkonferenz regelmäßig zur Überprüfung der Bildungsstandards in Auftrag gibt, dann stellen Sie fest, dass Sachsen-Anhalts Schüler im Bundesvergleich wie im Übrigen in allen neuen Bundesländern gute bis sehr gute Ergebnisse gerade in den Kompetenzen Lesen und Schreiben aufweisen, was wahrscheinlich auch damit zu tun hat, dass die Reichen-Methode in Sachsen-Anhalt an keiner Schule in reiner Lehre praktiziert wird. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der SPD)