Marco Tullner (Minister für Bildung):

Lieber Präsident oder Vizepräsident, vielen Dank für die nette Anmoderation. Ich werde mich einmal bemühen. Ich könnte jetzt eine Rede halten über die pädagogisch-didaktischen Konzepte. Das mache ich aber nicht. Ich fange einmal anders an.

Mein lieber Kollege Tillschneider, ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass die Rede besser beim Karneval aufgehoben wäre als in der Realität unserer Schulpolitik.

(Zustimmung von Rüdiger Erben, SPD)

Ich akzeptiere aber schon, dass man sich über Schule, auch über pädagogisch-methodische Konzepte trefflich streiten kann.

(Oliver Kirchner, AfD: Muss!)

Natürlich bin ich nicht ganz überrascht darüber, dass Sie jetzt mit Ihrem Antrag kommen. Ich habe auch wahrgenommen, dass es in Hamburg, in Baden-Württemberg und auch in Nordrhein-Westfalen durchaus grundsätzliche Diskussionen über diese konkrete Methode gibt. Sie haben natürlich den Bogen, wenn ich es richtig verstanden habe, ganz weit gespannt, der irgendwo beim Niedergang des Abendlandes endet. Man brauche mehr Einheitlichkeit, mehr Konformität an den Schulen. Das ist, glaube ich, ein Ziel, das man haben kann. Ich glaube aber nicht, dass es in Deutschland im 21. Jahrhundert mehrheitsfähig ist. Wenn es das wäre, dann würde ich mich dagegen verwahren, und zwar klar und eindeutig.

(Zustimmung bei der CDU, bei der LINKEN, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Wir leben in einer Gesellschaft, die sehr stark von Persönlichkeitsbildung und konkreten, individuellen Persönlichkeitsstrukturen geprägt ist. Ich glaube, es ist auch gut so, dass wir die ganze Kreativität und die ganzen Ideen, die in unseren Menschen ruhen, so zum Tragen bringen können, dass man eine bestmögliche Entwicklung in der Zukunft in diesem Land haben kann. Das Thema Konformität wähnte ich eigentlich mit 1989 überwunden.

Dass diese Debatte in anderen Ländern aber dennoch Früchte trägt, kann ich ein Stück weit nachvollziehen. Wenn ich mir anhöre, was dort gemacht wird, dann bin ich persönlich auch nicht euphorisch, muss ich sagen. Es gehört aber dazu, dass viele Wege nach Rom führen.

Wenn wir die freien Schulen in den Blick nehmen, wenn wir auch die konkreten Schulprofile unserer einzelnen Schulen nehmen - wir haben mehr als 540 Grundschulen im Land -, dann hat man einen ganzen Strauß an pädagogischen Konzepten. Ich zumindest maße mir nicht an, das eine in den Orkus der Geschichte zu werfen und das andere als das allein selig machende zu werten. Bei Waldorf tanzt man seinen Namen. In einigen wenigen Schulen in diesem Land - im Übrigen weniger als zehn in diesem Land - wird eben diese Methode angewandt.

Wir konnten neulich - ich glaube, es war die „Volksstimme“ - nachlesen, dass bestimmte Voraussetzungen bei den Kindern da sein müssen, damit es funktioniert. Man ist an der einen Schule, wie es beschrieben wurde, wieder davon abgegangen, weil sozusagen zu viele Migrantenkinder nach dieser Methode gar nicht richtig lesen und schreiben konnten.

Am Ende ist es mir wichtig, dass die Kinder in den Grundschulen das lernen, was sozusagen in den Lehrplänen verankert ist. Ob es von rechts oder von links passiert, darüber mögen die Schulen gemeinsam mit den Eltern entscheiden. Wenn es Schulen gibt, die diesen Weg gehen, der von den Eltern getragen wird, der auch den Lernerfolg hat, dann ist es doch am Ende richtig, dass es so sein soll.

Jetzt will ich doch noch - ich weiß nicht, ob es jeder kennt - ein paar Ausführungen zu dieser Methode machen.

Lesen durch Schreiben ist weder eine Leselehrmethode noch eine Schreib- und Rechtschreiblehrmethode. Lesen durch Schreiben verfolgt lediglich das Ziel, den Kindern viele Möglichkeiten für Sprachanlässe zu geben und ihre Mitteilungen auch in Worten festzuhalten. Festzustellen ist, dass eben nur ein geringer Teil - unter zehn - der öffentlichen Grundschulen und Grundschulen in freier Trägerschaft diese Methode favorisiert. Die meisten Grundschulen wählen andere Verfahren und Methoden.

Die Fibeln und Lesewerke, die für den Unterricht zugelassen sind, folgen meist einem Grundverfahren, das sie mit anderen Verfahren kombinieren, und nehmen darüber hinaus zunehmend auch Sprachanlässe auf.

Für den Anfangsunterricht haben nahezu alle Lehrbücher Anlauttabellen als ergänzendes Material, die für die phonologische Bewusstheit herangezogen werden. Früher hatte man dafür die Viererfenster. - So geht die ganze Rede. Deswegen erspare ich Ihnen den Rest, weil es sehr abstrakt und theoretisch ist.

Ich sage Ihnen nur. Unsere Menschen sind verschieden. Die pädagogischen Konzepte sind verschieden. Wichtig ist, dass der Lernerfolg da ist, und der ist in Sachsen-Anhalt mehr als gewährleistet.

(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)