Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Auch ich habe mich gefreut, als ich im Juli in der „Volksstimme“ gelesen habe, dass der Ministerpräsident jetzt ein großes Augenmerk auf die Tatsache gelegt hat, dass er für die Aussage der Caritas-Studie zu Sachsen-Anhalt, was die Zahl der Schülerinnen und Schüler betrifft, die die Schule ohne Schulabschluss verlassen, Lösungen finden will, dass ihn das nicht ruhen lässt und dass er sich an diesen Parametern auch messen lassen wird.

Mich freut weniger, dass er es zur Chefsache macht. Ich glaube, dass wir als Bildungspolitiker gemeinsam mit dem Bildungsministerium dafür die notwendigen Lösungen finden.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Mich hat es vor allen Dingen gefreut, weil er erkannt hat, dass dieses Thema, dass wir es nicht schaffen, dass alle Schülerinnen und Schüler, die bei uns in Sachsen-Anhalt die Schule besuchen, auch wirklich in die Lage versetzt werden, die Schule mit einem Schulabschluss zu verlassen und damit auch die Voraussetzung zu haben, im Arbeitsleben zu bestehen, tatsächlich eines der Zukunftsthemen für unser Land ist.

Es ist richtig: Wir haben hier in diesem Hohen Haus schon über viele Themen von guter Bildung diskutiert, über die Verbesserung der Unterrichtsversorgung, die Weiterbeschäftigung der Sprachlehrkräfte. Wir haben mehr Einstellungen von Lehrerinnen und Lehrern gefordert.

Es hat mich im Übrigen gewundert, Herr Lippmann, dass Sie feststellen, dass 1 500 Lehrerinnen und Lehrer fehlen. Die sind ja im Antrag gar nicht enthalten, sondern nur 600, wobei ich - mit Verlaub - der Begründung nicht entnehmen kann, woher diese Zahl kommt.

(Angela Gorr, CDU: Genau!)

In der Tat liegt dem Bildungsausschuss zu den Themen Schulsozialarbeit und Förderschule eine Vielzahl von Papieren vor. Ich glaube, es ist notwendig, dass wir die Diskussionen jetzt tatsächlich zusammenführen und Lösungen finden, die tatsächlich auch kurzfristig aufzeigen, welche Instrumente geeignet sind, damit wir die Schülerinnen und Schüler dahin bringen, dass sie die Schule mit Erfolg abschließen.

Denn allein ein Schulsozialarbeiter wird nicht sicherstellen können, dass wirklich alle Schüler dieser Schule einen Schulabschluss erreichen. Das ist nicht seine Aufgabe. Seine Aufgabe ist es, in schwierigen Situationen auch mit dem Elternhaus eine soziale, emotionale Stabilisierung hinzubekommen.

Aber ausschlaggebend für den Schulerfolg ist Motivation. Dazu gehören pädagogische Konzepte. Dafür gibt einen großen Baukasten an Instrumenten, an Projekten, die wir in den letzten Jahren in diesem Land durchgeführt haben. Es gab Projekte, die eine Erfolgsquote von 80 % hatten, beispielsweise die Lerncamps. Die sind wieder abgeschafft worden, weil sie so viel Geld gekostet haben. Über diese Dinge sollten wir diskutieren.

Ich würde mir für das Programm „Schulerfolg sichern“, das ausdrücklich - das betone ich hier noch einmal - mehr ist als Schulsozialarbeit, so etwas wie eine Evaluation wünschen, um festzustellen, wo wir wirklich erfolgreich waren. Darin lohnt es sich, tatsächlich weiter zu investieren. Wir sollten die Diskussion nicht nur auf die personellen Ressourcen beschränken. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)