Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Hier liegt schon wieder eine Brille.

(Heiterkeit - Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD, überreicht dem Vizepräsidenten eine Brille)

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! DIE LINKE spielt sich wieder mal als die Anwältin des Theaters auf.

(Herr Knöchel, DIE LINKE: Sind wir!)

Nichts verlogener als das; denn wer kritisiert, dass am Theater ein paar Millionen eingespart werden, während er gleichzeitig gut heißt, dass mit beiden Händen hunderte Millionen für Flüchtlinge herausgeworfen werden,

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Oh!)

den nenne ich einen Heuchler.

(Beifall bei der AfD - Swen Knöchel, AfD: Oh!)

Mit Ihrem Antrag jammern Sie halt wieder ein wenig. Wohlgemerkt, Sie melden keinen Widerstand an; Sie erheben keine kraftvollen Forderungen. Nein, Sie jammern über die Kürzungen.

Die Wahrheit ist, DIE LINKE bindet und neutralisiert das Protestpotenzial gegen die Einsparungen und begleitet diese Einsparungen so gewissermaßen sozialpädagogisch; sie ist also nicht gegen das neoliberale Spiel gerichtet, sondern ist Teil des neoliberalen Spiels.

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Oh!)

Wer dagegen echten Widerstand gegen neoliberalen Kahlschlag auf allen Gebieten will, der muss AfD wählen.

(Zustimmung bei der AfD - Hendrik Lange, DIE LINKE: Das sehen wir ausdrücklich anders!)

Wir sagen, wenn es gutes Theater wäre, was da in Halle gemacht wird, wären die ganzen Sparauflagen in der Tat eine unwürdige und kleinkarierte Beschneidung des kulturellen Lebens.

(Zuruf von Swen Knöchel, DIE LINKE)

Für das, was im Moment vor allem an der Oper und am neuen Theater gemacht wird, ist aber jeder Cent Steuergeld ein Cent zu viel. Sprechen wir also nicht über Verträge und finanzpolitische Konstrukte, sprechen wir über die Qualität des Theaters in Halle. Das Puppentheater und das Orchester nehme ich aus.

Aber was in Halle an der Oper und am Neuen Theater auf die Bühne gebracht wird, ist unter aller Kanone. Verantwortung dafür trägt neben anderen ein gewisser Florian Lutz, der im Jahr 2016 zum Intendanten der Oper gemacht wurde - eine gravierende Fehlentscheidung.

In seiner Tannhäuser-Inszenierung am Theater Lübeck im Jahr 2014 wurde - um Ihnen ein Beispiel seines Wirkens zu geben - Tannhäusers geliebte Elisabeth zu Angela Merkel, Zuschauer mussten auf der Bühne herumalbern und im Hintergrund hingen Logos von Dax-Unternehmen.

Und so verfährt dieser Florian Lutz mit allem. Er treibt die krampfhafte Aktualisierung bis zur unfreiwilligen Selbstkarikatur, je schwachsinniger, desto besser. Florian Lutz ist jemand, der unter Garantie jedes Opernstück, das ihm unter die Finger kommt, gnadenlos verhunzt.

(Zustimmung bei der AfD - Unruhe bei der LINKEN - Hendrik Lange, DIE LINKE: Das ist hier kein Kritikerforum!)

Das Erschreckende aber ist, dass er nicht trotzdem, sondern gerade deshalb eingestellt wurde. Und zwar waren es Politiker, die ihn ausgesucht haben, nämlich die Vertreter der Stadtratsfraktion von Halle im Aufsichtsrat der Theater GmbH.

(Dr. Katja Pähle, SPD: Dafür ist der da!)

Man merke sich also, wenn die AfD erklärt, dass sie von Oper und Theater eine positive Bezugnahme auf die deutsche Identität wünscht, ist das eine schändliche Einschränkung der Kunstfreiheit. Wenn aber die etablierten Parteien Intendanten einsetzen, die Oper und Theater systematisch zugrunde richten, dann ist das höchster Ausdruck einer unantastbaren Kunstfreiheit.

Gott seit Dank gibt es noch das Publikum, und das Publikum hat gesprochen. Erlöse und Besucherzahlen der Oper sind nicht ohne Grund um fast 50 % eingebrochen. Das Publikum will nämlich nicht mit sich experimentieren lassen. Genau das und nichts anderes ist der Grund dafür, dass die Theater-GmbH nun vor der Insolvenz steht.

Der Weg aus der Krise muss also eben dort ansetzen, beim Programm und der künstlerischen Leitung. Ich schlage vor, Florian Lutz wird entlassen, als Nachfolger wird ein Charakterkopf vom Format eines Attila Vidnyánszky gesucht. Dann muss die ganze Willkommenspropaganda aus dem Spielplan.

(Beifall bei der AfD)

Zurzeit spielt das Neue Theater in Halle „Angst essen Seele auf“,

(Zuruf von Hendrik Lange, DIE LINKE)

eigentlich ein Film der 68er-Ikone Fassbinder. „Angst essen Seele auf“ ist die bizarre Liebesgeschichte zwischen einem Marokkaner und einer 25 Jahre älteren deutschen Putzfrau.

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Was ist daran bizarr?)

Wer bitte schön will solche Abwegigkeiten sehen? - Hinfort damit!

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Das ist immer ausverkauft! - Zuruf von Hendrik Lange, DIE LINKE - Unruhe bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

Und die Aktion „Freier Eintritt für Flüchtlinge“ gehört auch sofort abgeschafft.

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Das ist das Allerletzte!)

Das Theater ist nämlich nicht mehr in der Lage, Plätze zu verschenken.

Fazit: Würden zeitgemäße und gediegene, stolze und intelligente Werkinterpretationen geliefert statt hohler Experimente und statt dümmlicher Willkommenspropaganda - ich bin mir sicher, wir würden die Krise des Theater, und zwar nicht nur die finanzielle, überwinden. - Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD)

Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Fragen sehe ich nicht. Dann fahren wir fort. Für die   

(Swen Knöchel, DIE LINKE, meldet sich)

- Entschuldigung.


Swen Knöchel (DIE LINKE):

Sie haben Recht, Herr Präsident, es ist sicherlich keine Frage,

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Da kann man nichts mehr fragen!)

sondern eine Anmerkung. Der Herr Abg. Tillschneider hat sich hier als Kunstkritiker versucht mit einem Niveau, was man höchstens im „Stürmer“ wiederfinden konnte. Er hat sich geriert als ein Feind

(Zuruf: Lesen Sie so was?)

der Freiheit von Kunst und Kultur. Er hat sich sogar als Regisseur und Theaterintendant versucht.

Jetzt, Herr Präsident, meine Damen und meine Herren, kann ich dem Umstand, dass die AfD in diesem Haus sitzt, doch etwas Gutes abgewinnen; denn so wird unsere Kunst- und Kulturszene wenigstens vor solchen Typen bewahrt. - Vielen Dank.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Tillschneider.


Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Also, das war jetzt billig. Einmal

(Beifall und Heiterkeit bei der AfD - Unruhe bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

der Vergleich „Stürmer“ - das ist Ihr     Wenn Sie keine Argumente mehr haben, dann kommen Sie mit einer Nazi-Analogie - Punkt 1.

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Dann lesen Sie bitte noch einmal!)

Punkt 2. Natürlich sind politische Entscheidungen Wertentscheidungen. Und da darf man doch einmal über den Wert und Unwert von bestimmten Kunstrichtungen und von bestimmten Inszenierungsstilen sprechen. Dieser Florian Lutz wurde ausgewählt, nicht sozusagen blind, sondern weil er das macht, was er macht. Und da sage ich, suchen wir mal einen anderen aus, der es anders macht.

(Zustimmung bei der AfD - Herr Knöchel, DIE LINKE: Gott sei Dank machen Sie das nicht! - Zurufe von der AfD)