Rüdiger Erben (SPD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Meine Herren von der AfD, sie brauchen sich jetzt überhaupt keine Hoffnung zu machen. Ich springe auch diesmal nicht über Ihr Stöckchen: kein Vergleich mit dem Reichsarbeitsdienst.

(Zurufe von der AfD)

Wenn ich jetzt etwas vom Heimatdienst erzähle, werden Sie mir sicherlich sagen, dass das vor 1933 und nach 1945 in völlig in anderen Zusammenhängen verwandt worden ist.

(André Poggenburg, AfD: Recht hat er!)

Das lasse ich auch weg.

Ich muss mich auch überhaupt nicht für Abschaffung oder Aussetzung der Wehrpflicht rechtfertigen. Sie werden, wenn Sie sich das einmal anschauen, von mir ausreichend Aussagen aus der Zeit von 2010 und 2011 finden. Ich war damals einer derjenigen, die die Aussetzung der Wehrpflicht entschieden abgelehnt haben.

(Zuruf von der AfD)

Aber, Sie haben Ihr Thema nicht zu Ende gedacht. Denn was stellen Sie sich vor, welches Signal das für Europa wäre, wenn in Deutschland die Entscheidung gefällt würde, dass die Wehrpflicht wieder eingeführt, wieder scharfgeschaltet wird. Das ist doch völlig undenkbar.

(Oh! bei der AfD)

Deswegen will ich die verbleibende Redezeit von zwei Minuten darauf verwenden, sie unter die Überschrift zu stellen: An ihren Taten sollst du sie messen.

Ich habe mir einmal die veröffentlichten Lebensläufe der verbliebenen 21 Männer der AfD-Fraktion angesehen.

(Zuruf von der AfD: 21?)

- Es sind doch nur noch 21 Männer. Oder? - Ich habe ja gesagt, die 21 Männer.

Ich habe mich einmal denjenigen gewidmet, die in meinem Alter und jünger sind, die zum Beispiel in der Wendezeit durchaus eine Chance gehabt hätten, irgendwie drum herum zu kommen. Das sind 18 von Ihnen. Es stellt sich die Frage, wie viele von den 18 haben wohl Wehrdienst oder Zivildienst geleistet?

(Zuruf von der AfD)

Sechs. Ich glaube, das ist nicht gerade eine berauschende Zahl. Sie werden sich vermutlich nicht alle haben ausmustern lassen. Denn so gesund und stramm, wie Sie aussehen, wird das wohl nicht der Grund gewesen sein.

(Lachen und Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zurufe von der AfD)

Ich habe mir auch einmal angesehen, wie viele Ihrer Abgeordneten nach der Aussetzung der Wehrpflicht ihre erste Berufsausbildung abgeschlossen oder das Abitur gemacht haben. Das sind vier. Das wären ja welche gewesen, die freiwillig hätten Wehrdienst leisten oder in den Bundesfreiwilligendienst hätten eintreten können. Wie wäre es denn, meine Herren Rausch junior, Schmidt, Siegmund oder Spiegelberg mit Freiwilligendienst am Vaterland gewesen?

(Heiterkeit und Beifall bei der SPD - Zuruf von der AfD)

In den restlichen 30 Sekunden zu Ihnen, Herr Poggenburg. Ausweislich Ihres Lebenslaufes haben Sie weder Wehr- noch Zivildienst geleistet.

(Zuruf: Was? - Oh! bei der LINKEN)

Wie wäre es denn mit Wehrersatzdienst im Katastrophenschutz gewesen? - In der Feuerwehr in Stößen gibt es nämlich einen Katastrophenschutzzug. Ich glaube, das Naumburger THW hätte sich vermutlich auch für Sie interessiert.

(Zuruf von André Poggenburg, AfD)

Lassen Sie mich zum Schluss kommen. Meine Herren von der AfD, gemessen an Ihren eigenen Maßstäben sind Sie eine Ansammlung von Drückebergern, die hier versuchen, großspurig herum zu schwadronieren. - Herzlichen Dank.

(Starker Beifall bei der SPD, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Zurufe)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Abg. Erben, Herr Schmidt hat eine Frage. - Herr Schmidt, Sie haben das Wort.


Jan Wenzel Schmidt (AfD):

Herr Erben, ich gehöre zu denen, bei denen die Wehrpflicht abgeschafft worden ist. Ich selbst habe mich auch bei der Bundeswehr beworben, wurde auch T-2 gemustert     

(Lachen bei der LINKEN - Zuruf von der LINKEN: Sie wollten Sie nicht! - Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Nicht einmal die haben Sie genommen!)

- Bleiben Sie einmal ganz ruhig. Das ist doch alles nachweisbar, kein Problem. - Ich bin auch sonst sportlich aktiv und habe mir beim Fußball einen Kreuzbandriss zugezogen. Das war genau in der Zeit. Damit hat sich das erledigt. So ist das im Leben.

(Zurufe von der SPD und von den GRÜNEN - Oh! bei der LINKEN)


Rüdiger Erben (SPD):

Ich glaube, in Ihren Kreisen gibt es Leute - um bei der spaßigen Tour zu bleiben -, die das mit dem Fußball vermutlich als Verstümmelung bezeichnet hätten. - Herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Erben, Herr Siegmund möchte noch eine Frage stellen.


Rüdiger Erben (SPD):

Ja, kann er, gern.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Siegmund, Sie haben das Wort.


Ulrich Siegmund (AfD):

Sehr geehrter Herr Erben, ich lasse mir in keinem Fall von Ihnen absprechen, welchen Dienst ich in unserem Land getan habe. Ich habe im Gegensatz zu Ihnen vorher wertschöpfend gearbeitet.

(Lachen und Zurufe von der SPD)

- Krakeelen Sie doch nicht immer so laut herum, Mensch.

(Zuruf: Vorbildwirkung!)

- Ja, Vorbildwirkung - Ich habe dieses System mit Steuereinnahmen mit finanziert. Sie hingegen haben seit dem Studium permanent vom Staat gelebt und im Verwaltungsbereich nie wirklich Wertschöpfung für dieses Land betrieben. Das heißt, ich spreche mir einen wesentlich höheren Dienst an diesem Vaterland zu als Ihnen.

(Beifall bei der AfD - Oh! bei der LINKEN)


Rüdiger Erben (SPD):

Wenn es Ihr Verdienst am Vaterland gewesen ist, Geld zu verdienen, dann ist das vielleicht auch ein Zeichen für die Einstellung in der AfD. - Herzlichen Dank.

(Beifall bei der SPD, bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)