Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren! Gesunde Ernährung und die regionale Produktion und Vermarktung von Lebensmitteln haben in den letzten Jahren deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Viele Menschen ernähren sich bewusster und schauen genau hin, woher die Lebensmittel kommen und wie sie produziert werden. Viele beschäftigen sich intensiv mit den Folgen unserer Ernährung auf Umwelt und Klima.

Es wird Sie sicherlich nicht wundern, dass wir, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, uns über dieses gesteigerte Bewusstsein freuen, sind es doch viele grüne Ideen, die anfangs belächelt wurden und heute im Alltag vieler Menschen selbstverständlich sind.

Ob Food-Sharing gegen Lebensmittelverschwendung oder beispielsweise auch Lokalerzeugerinnenmärkte mit Beteiligung der Biohöfegemeinschaft, Direktvermarktung durch solidarische Landwirtschaft oder Milchtankstellen im öffentlichen Raum oder in Supermärkten - all diese Beispiele zeigen, der Zeitgeist ist grün. Und grüne Ideen sind gut, sowohl für die landwirtschaftlichen Betriebe als auch für die Konsumentinnen und Konsumenten.

Daher freut es mich besonders, dass sich ein Flächenzuwachs von 17 000 ha im Ökolandbau abzeichnet. Es wird weiterhin erstmals mehr Nachfrage für Biolebensmittel geben, als Sachsen Anhalt produziert. Von daher gibt es für uns noch viel zu tun.

Unsere grüne Position zum Thema Ernährung hat eine klare Vision. Unser Ziel ist eine Landwirtschaft, die ohne Gift, Gentechnik und Tierquälerei gesundes Essen für alle erzeugt,

(Zuruf von Bernhard Daldrup, CDU)

eine Landwirtschaft, die die Leistungen unserer Landwirtinnen und Landwirte würdigt und ihnen ein gutes Auskommen verschafft, die unsere Versorgung mit gesunden und bezahlbaren Lebensmitteln sichert.

Wie wichtig gesunde Ernährung für die Entwicklung von Kindern ist, ist unbestritten. Wie wir gutes Essen auf die Teller bringen, ist leider schon eine schwierigere Aufgabe. Dass uns als Koalition dieses Thema wichtig ist, zeigt die Formulierung im Koalitionsvertrag - ich zitiere -:

„Wir werden Bildungsinitiativen zur gesunden Ernährung unterstützen. Auch werden wir die Verpflegungsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in allen Schulen verpflichtend machen. Außerdem sollen alle Kinder am Schulessen teilnehmen können. Wir werden prüfen, ob und wie die Landesregierung die Finanzierung einer gesunden Schulspeisung unterstützen kann.“

Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie ist bereits aktiv. Ich verzichte jetzt darauf, die vom Ministerium vorgestellten Zahlen erneut auszubreiten. Die Ministerin hat die einzelnen Punkte ausführlich in ihrer Rede dargestellt. Daher in aller Kürze: Es gibt hier bereits Programme und ich finde es richtig, dass wir uns überlegen, wie wir sie weiter entwickeln können.

An dieser Stelle möchte ich zwei besondere Projekte kurz erwähnen, die uns allen Mut machen sollten. Das Gewinnerteam des diesjährigen Futurego-Schulwettbewerbs ging an das Schülerteam „Food for you“ von der Freien Schule aus Anhalt-Köthen. Dort haben die jungen Menschen in der Schule eine Cafeteria gegründet, die ausschließlich auf regionale und biologisch erzeugte Lebensmittel setzt. Zweimal pro Woche wird dort ein Schulessen zubereitet und in der Schule an die Schülerinnen und Schüler verkauft.

Ein zweites Projekt konnte ich im Rahmen des Freistil - Jugendengagementwettbewerbs auszeichnen. Zwei junge Ernährungswissenschaftler haben ein Projekt an der August-Hermann-Francke Schule initiiert, in dessen Rahmen sie gemeinsam mit den Grundschülerinnen und  schülern Essen kochen und über Ernährung sprechen.

Durch solche großartigen Projekte fühle ich mich umso mehr verpflichtet, Lösungen zu finden, wie wir gutes Essen an jede Schule bringen können. Denn solche Vorzeigeprojekte sind nicht selbstverständlich, gerade an den Schulen, an denen die Kinder am meisten davon profitieren würden.

Gesundes Essen gerade an die Brennpunktschulen zu bekommen, ist eine große Herausforderung. Ich bin bereit, mich dieser Herausforderung seitens der Politik zu stellen; denn jedes Kind hat ein Recht auf gesunde Ernährung, egal ob zu Hause, in der Schule oder in der Kita.

Wie wir diese Ziele unterstützen und besser verfolgen können, darüber werden wir in den Ausschüssen beraten, und wir werden erfolgversprechende Ansätze entwickeln bzw. weiterentwickeln. - Vielen Dank.

(Zustimmung von Olaf Meister, GRÜNE, und von Christina Buchheim, DIE LINKE)