Thomas Lippmann (DIE LINKE):Frau Präsidentin, vielen Dank. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mal sehen, auf welche Seite wir uns jetzt schlagen.Liebe Kolleginnen und Kollegen von der Koalition! Wir sind zunächst froh, dass Sie diesen Antrag einbringen, bedauern aber gleichzeitig, dass er etwa zwei Jahre zu spät kommt.Wir freuen uns, dass die Themen, die auch in dem Evaluationsbericht stehen und die wir auch schon seit längerer Zeit nicht nur auf dem Schirm haben, sondern auch diskutiert haben, unter anderem in den Ausschussberatungen in der letzten Legislaturperiode, jetzt auf den Schild kommen, zwar spät, aber nicht zu spät.(Zustimmung bei der LINKEN)Ich erspare mir die Hinweise auf die lange Vorgeschichte. Herr Krull hatte ja gestern in seiner Rede zur KiFöG-Novelle schon darauf hingewiesen, dass es hier einen Kontext zu diesem Antrag gibt.Das war vor fünf Jahren im Prinzip ähnlich. Der Antrag zur Reform der Erzieherinnenausbildung ist damals auch parallel diskutiert worden. Zwischendurch hat es einen intensiven Arbeitsprozess gegeben, an dem die GRÜNEN, wir als LINKE, die GEW, das damalige MAS und das Kultusministerium beteiligt waren.Etwas überraschend kam dann auf einmal schon ab dem Schuljahr 2015/2016 dieses Landesmodellprojekt „Fachkraft in Kindertageseinrichtungen“. Wir hatten es ein bisschen so wahrgenommen, dass es als Alternative zu der Nichtbeteiligung an einem parallel laufenden Bundesprojekt gedacht war, fast wie eine Entschuldigung.(Zustimmung von Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE)Ich sage es einmal so: Es ist der Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen. Mit dem Antrag heute und auch aufgrund dessen, was sich zwischendurch getan hat, könnte das durchaus gelingen.Das, was uns jetzt hier beschäftigt, ist, dass dieses Modellprojekt eine Sturzgeburt war und sozusagen ohne Vorlauf schnell zusammengezimmert wurde. Aber - das sage ich auch dazu - das Kind erwies sich durchaus als lebensfähig.Wir sind nach unserer Einschätzung damit grundsätzlich auf dem richtigen Weg. Das hat auch die Befassung mit dem Thema im März im Ausschuss für Bildung und Kultur im Prinzip bestätigt, auch wenn ich mir dort eine aktivere Beteiligung der Koalition an der Diskussion gewünscht hätte.Letztlich hat Sachsen-Anhalt mit diesem Landesmodellprojekt völliges Neuland betreten, weshalb dieser Modellversuch noch eine Reihe von Kinderkrankheiten hat, die jetzt dringend beseitigt werden müssen. Denn - deswegen auch der Verweis auf die zwei Jahre - die erste Kohorte, die diese Ausbildung macht, ist jetzt am Ende des zweiten Ausbildungsjahres und steht vor dem dritten Ausbildungsjahr. Also alles, was wir jetzt klären, hätte eigentlich vor zwei Jahren erledigt werden müssen. Aber es ist so, wie es ist. Das sollte uns aber jetzt beflügeln und dazu bringen, wie man so sagt, Nägel mit Köpfen zu machen und schnell voranzukommen.Ich weise auch gern noch einmal darauf hin, dass mehrere Punkte nicht nur das Sozialministerium betreffen, für das Herr Prof. Willingmann gesprochen hat, sondern ausdrücklich auch das Bildungsministerium. So sind auch die Debatten gelaufen. Im Ausschuss ist auch der Eindruck vermittelt worden, dass es hierbei durchaus eine gute Zusammenarbeit zwischen beiden Häusern gibt.Ich will darauf hinweisen, dass mit unserer KiFöG-Novelle - Herr Krull, Sie werden es bemerkt haben - zwei der sechs Punkte in dem Antrag gelöst worden sind. Wir haben selbstverständlich die Gesamtheit dieser Sachverhalte, mit denen wir uns auch seit fünf Jahren intensiv beschäftigen, auf dem Schirm. Wir werden also schauen, dass das dann in dem angekündigten Gesetzentwurf der Landesregierung adäquat geregelt wird; denn zwei Dinge müssen darin geregelt werden.Sie hatten es gestern so ein bisschen ultimativ eingefordert: Wenn wir mit unserer KiFöG-Novelle die 3 000 zusätzlichen Fachkräfte haben wollen, müssten wir uns konstruktiv zu diesem Antrag verhalten. Das werden wir also tun. Wir wollen diesem Antrag zustimmen, damit es diese klare Positionierung des Landtages gibt, damit sich etwas tut.Da der Antrag keine Berichterstattung vorsieht und wir auch nicht daran herumbasteln wollten, werden wir also gucken - das sage ich an dieser Stelle -, wie der KiFöG-Entwurf der Landesregierung aussieht und wir werden uns auf jeden Fall im Rahmen der Selbstbefassung in beiden Ausschüssen spätestens im Oktober damit befassen. Wir hoffen, dass wir Haken an die Geschichten kriegen und keine Verschiebebahnhöfe haben.(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Richtig so!)Last but not least, liebe Kolleginnen und Kollegen, will ich meinem Optimismus Ausdruck verleihen und sagen - Frau Lüddemann hat es ähnlich ausgedrückt -: Wenn wir etwas gut machen, wenn wir - ich sage einmal - die Ausputzarbeiten, die hier noch zu machen sind, jetzt gemeinsam voranbringen, dann bin ich davon überzeugt, dass dies künftig auf längere Sicht der Hauptweg für die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern wird. Ich bin davon überzeugt, dass es auch ein Muster für andere Länder wird. - Vielen Dank.(Beifall bei der LINKEN)