Tobias Krull (CDU):Sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Bevor ich zu meiner eigentlichen Rede komme, möchte ich noch eine kurze Vorbemerkung zu meinem Vorredner machen.(Sebastian Striegel, GRÜNE: Aber nur ganz kurz!)Unterschätzen Sie bitte nicht das Selbstbewusstsein dieses Hohen Hauses. Es gibt hier eine ganz klare Rollenverteilung: regierungstragende Fraktionen, konstruktive Opposition und weniger konstruktive Opposition.(Beifall bei der CDU und bei der SPD - Zustimmung bei der LINKEN)Meine sehr geehrten Damen und Herren der AfD-Fraktion, man kann eine Verwaltung auch mit Kleinen Anfragen lahmlegen, wenn man das möchte. Denn viele Ihrer Anfragen würden sich erledigen - zumindest ist das mein Eindruck -, wenn man einmal in das entsprechende Gesetz schauen würde. Bestimmte Punkte würden sich dann leichter erklären lassen und es wäre überflüssig, sich alles aufschreiben zu lassen.(Zustimmung bei der CDU, bei der LINKEN und bei der SPD)Aber gut. - Kommen wir zu dem Antrag der Fraktionen der CDU, der SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit dem Titel „Gute Fachkräfte braucht die Kita - Modellprojekt ‚Fachkraft in Kindertageseinrichtungen‘ weiterentwickeln“.Der Landtag hat im Oktober 2015 den Beschluss gefasst, ein Landesmodellprojekt mit einem dual orientierten Ausbildungsgang für die Fachkraft in Kindertageseinrichtungen einzurichten. Ziel war es, mehr Schülerinnen und Schüler mit Sekundarschulabschluss für diesen Berufszweig zu gewinnen.Mit dem Modellprojekt sollte eine Alternative aufgezeigt werden, um dem drohenden Fachkräftemangel in diesem Bereich entgegenzuwirken. Die Zahl wurde heute schon mehrfach genannt: rund 50 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas sind älter als 50 Jahre.Inzwischen liegt der Zwischenbericht des Kompetenzzentrums für Frühe Bildung an der Hochschule Magdeburg-Stendal vor. Die Ergebnisse dieses Zwischenberichts sind auch in diesen Antrag eingeflossen.Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich möchte nunmehr auf die einzelnen Beschlusspunkte eingehen. Bisher zahlen die Einrichtungen bzw. die Träger an die Auszubildenden sehr unterschiedliche Ausbildungsvergütungen. Deshalb ist es unser Anliegen im ersten Beschlusspunkt, dass dies entsprechend den Tarifverträgen erfolgen sollte.Bei dem Beschlusspunkt 2 handelt es sich um einen Prüfauftrag. Die Träger gewähren den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits ein entsprechendes zusätzliches Zeitbudget, aber es besteht noch Nachsteuerungsbedarf. Der Minister hat es in seiner Rede, die er sicherlich freundlicherweise von der Ministerin zur Verfügung gestellt bekommen hat, ausgeführt. Auf die Initiative des MS an dieser Stelle wurde bereits hingewiesen.Der Beschlusspunkt 3 - aus meiner Sicht mit der wichtigste in diesem Antrag - ist gerade für die künftigen Fachkräfte von größter Bedeutung. Nur wenn die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen auch als Fachkräfte im Sinne des Kinderförderungsgesetzes anerkannt werden, können diese bei der Berechnung des Personalschlüssels berücksichtigt werden. Ansonsten gelten sie möglicherweise als Hilfskräfte mit einer Quote von 1 : 2. Was das für Folgen für die betroffenen Personen hat, muss ich, glaube ich, nicht erklären.Es gab Zusagen aus dem politischen Bereich, was die Verwendung und Eingruppierung angeht. Würden wir das jetzt nicht in das Kinderförderungsgesetz aufnehmen, wäre das ein mehr als unfreundlicher Akt gegenüber den auszubildenden späteren Fachkräften.Zum Beschlusspunkt 4 ist zu bemerken, dass wir damit den Fachkräften die Möglichkeit eröffnen wollen, sich entsprechend fortzubilden und zu qualifizieren, um auch auf Berufsfeldern außerhalb der Kindertageseinrichtungen tätig werden zu können. Das sichert auch die persönlichen Entwicklungschancen der jeweiligen Personen; denn wir wollen ihnen auch die Chance geben, andere Berufsfelder für sich zu entdecken, mit dem klaren Ziel, dass sie hoffentlich wieder in die Kindertageseinrichtungen zurückkommen, weil wir sie dort auch brauchen.Das Problem der Gewinnung von Nachwuchskräften als Erzieherinnen und Erzieher existiert bundesweit. Mit der Etablierung des entsprechenden Ausbildungsgangs wäre es möglich, dass Sachsen-Anhalt wieder eine Vorbildrolle einnimmt. Das wäre aus meiner Sicht mehr als begrüßenswert.Die Etablierung einer solchen Ausbildung an weiteren Schulen - mit Ausnahme von Stendal und Halle, wo es bereits existiert - wäre problemlos möglich. Überall dort, wo bereits Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden, zum Beispiel in Dessau-Roßlau oder auch in Magdeburg, könnten entsprechende Klassen eingerichtet werden.Im letzten Beschlusspunkt geht es einfach darum, junge Menschen für diesen Beruf zu begeistern, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Bei 30 Auszubildenden pro Jahr ist die Zahl noch übersichtlich. Insbesondere möchte ich darauf hinweisen, dass es wünschenswert ist, mehr männliche Bewerber für diesen Beruf zu gewinnen.(Zustimmung bei der LINKEN und bei den GRÜNEN) Denn wer schon einmal die Situation in den Kitas erlebt hat, der weiß, dass Männer selten sind. Aber sie sind bei den Kindern und auch bei den anderen Mitarbeitern angesehen und auch sehr beliebt.Natürlich ändert dieses Modellprojekt nichts an der Tatsache, dass das Thema der Fachkräftegewinnung für den Beruf der Erzieherinnen und Erzieher uns weiter beschäftigen muss. Eine Reform auf der Bundesebene ist mehr als überfällig. Ich verweise auf den Beschluss der Jugend- und Familienministerkonferenz Mitte Mai dieses Jahres im schönen Quedlinburg zur Einrichtung einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Bund und Ländern.(Zustimmung von Ulrich Thomas, CDU)Unter Einbeziehung der zuständigen Bundesministerien, der Vertreter der Länder, der Arbeits- und Sozialministerkonferenz sowie der Kultusministerkonferenz sollen im Rahmen dieses Maßnahmenpakets neben einer Bedarfsanalyse verschiedene Punkte zur Steigerung der Attraktivität dieses Berufsbildes sowie der Ausbildung selbst erarbeitet werden.In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu diesem Antrag und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.(Zustimmung bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)Präsidentin Gabriele Brakebusch: Vielen Dank, Herr Abg. Krull. Es gibt keine Fragen.(Zuruf von Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD)- Doch, Entschuldigung. Herr Dr. Tillschneider möchte eine Frage stellen. Möchten Sie die beantworten? - Bitte, Herr Dr. Tillschneider.Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):Herr Krull, Sie haben zu Beginn Ihrer Rede gesagt, es gäbe hier im Landtag eine konstruktive und eine weniger konstruktive Opposition. Weshalb so unspezifisch? Wir haben hier zwei Oppositionsparteien, die AfD-Fraktion und die Fraktion DIE LINKE. Nun möchte ich von Ihnen gern wissen, welche arbeitet denn Ihrer Auffassung nach konstruktiver?(Lachen bei der LINKEN)Tobias Krull (CDU): Ich mache das nicht immer unbedingt von Fraktionsnamen abhängig, sondern es geht mir auch um Personen. Es gibt Personen in der Fraktion der AfD, die sind bereit, hier auch konstruktiv mitzuarbeiten. Es gibt Personen in der AfD, die offensichtlich nicht in der Lage sind, konstruktiv mitzuarbeiten.(Zustimmung von Monika Hohmann, DIE LINKE)Bei der LINKEN ist es ähnlich. Vielleicht ist dort die Verteilung der Verhältnisse etwas anders. Aber es ist meine persönliche Auffassung, wie es an der Stelle aussieht.(Lachen bei der LINKEN - Birke Bull-Bischoff, DIE LINKE: Gerade so!)Wie gesagt, ich habe mich auch darauf bezogen, dass Ihre Fraktion sehr fleißig ist, was Kleine Anfragen angeht. Aber viele Ihrer Kleinen Anfragen zeichnen sich dadurch aus, dass ein kurzer Blick in den Gesetzestext die Frage erledigt hätte.Präsidentin Gabriele Brakebusch:Herr Dr. Tillschneider, ich denke, es gehört nicht zu dem Thema, weil es eine Vorbemerkung war. Deswegen würde ich jetzt gern in der Reihenfolge weitergehen.Vielen Dank, Herr Krull.