Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe mich bei dem Redebeitrag von Herrn Tillschneider gefragt, was in seinem Kopf vorgeht. Seine Angst vor einer systematischen Überfremdung, die schon in den Schulen anfängt, ist ungefähr so real wie seine Angst in der U-Bahn in Sachsen-Anhalt, die es nicht gibt.

(Zustimmung bei der SPD)

Deshalb kann ich mich an der Stelle nur den Ausführungen unseres Bildungsministers anschließen und darauf hinweisen, wie wichtig für uns sprachliche Bildung durch Sprachklassen, aber auch durch eine frühzeitige Integration von Migrationskindern in die ganz normalen Klassen ist.

Damit sind gute Erfahrungen gemacht worden. Ich habe Schulen in Sachsen-Anhalt erlebt, die sich mehr Sprachlehrer zur Unterstützung gewünscht hätten. Aber alle Schulen haben die Migrantenkinder als Bereicherung für den Schulalltag empfunden.

(Beifall bei der SPD und bei der LINKEN - Widerspruch und Lachen bei der AfD)

- Das ist so. Es ist tatsächlich so. - Gerade die Kinder aus Syrien kommen mit einem Bildungshunger nach Sachsen-Anhalt, nach Deutschland, weil sie Bildung in ihren Heimatländern gar nicht mehr kennengelernt haben.

Auch wenn Sie es nicht verstehen, Herr Tillschneider und meine sehr geehrten Damen und Herren von der AfD, ist es unsere Aufgabe und unsere Verantwortung, diesen Kindern zu zeigen, dass Bildung entscheidend dafür ist, dass solche Dinge wie in Syrien und in anderen Ländern der Welt in Zukunft nicht mehr passieren. - Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei der LINKEN)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Prof. Dr. Kolb-Janssen, Herr Farle hat eine Intervention oder eine Frage.


Robert Farle (AfD):

Ich habe eine Frage.


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Frau Prof. Dr. Kolb-Janssen, Herr Farle hat eine Frage. - Sie möchten nicht antworten. Dann wird das eine Intervention.


Robert Farle (AfD):

Das wird erst einmal eine Frage. Meine Frage lautet - -

(Zuruf von der LINKEN: Das macht keinen Sinn! - Zuruf von der AfD: Er kann doch erst einmal eine Frage stellen!)

Was wollt Ihr eigentlich? Die Geschäftsordnung aushebeln, weil das, was gefragt wird, Euch nicht passt? Oder was wollt Ihr eigentlich?

(Zuruf)

- Genau. Genau die Rufe hört man in Kiew: Wir wollen Euch nicht hören! Dann gehen die Abgeordneten aufeinander los. Das wollen Sie: Meinungsfreiheit beschneiden.

(Lebhafter Beifall bei der AfD)


Vizepräsident Willi Mittelstädt:

Herr Farle, kommen Sie jetzt zu der Frage.


Robert Farle (AfD):

Ich habe eine einfache Frage an meine Vorrednerin, Frau Kolb-Janssen. Ist Ihnen     

(Zuruf von der SPD: Kommen Sie nach vorne!)

- Sie hat sich ja da hingesetzt. - Ich habe schon vor mehr als 40 Jahren in meiner kommunalpolitischen Tätigkeit erlebt - in der Zechenstadt, in der ich gelebt habe, wo früher einmal sechs Zechen waren und jetzt keine mehr ist -, dass sich in einem Stadtteil nach dem anderen, Straße für Straße, immer mehr türkische Mitbürgerinnen und Mitbürger angesiedelt haben.

Dann habe ich eines erlebt: Sobald in einer Schulklasse mit 20 bis 25 Kindern mehr als sieben oder acht türkische Kinder waren, haben die deutschen Familien ihre Kinder abgemeldet und sie in den Norden der Stadt gebracht, teilweise mit eigenen Fahrgemeinschaften, damit sie noch etwas lernen. Denn die haben mitgekriegt, dass sie in solchen Klassen, in denen der Ausländeranteil so hoch ist, nichts mehr mitnehmen.

Jetzt stelle ich Ihnen die Frage. Ist Ihnen dieser einfache Tatbestand, dieser einfache Fakt, dass man in eine normale Schulklasse nur einen geringen Ausländeranteil haben kann, wenn die noch nicht richtig Deutsch können, ohne dass bei allen anderen Kindern, die Deutsch können, die in der Grundschule sind oder im Kindergarten waren, das Leistungsniveau so abgesenkt wird, dass am Ende die ganze Klasse nichts kann? Ist Ihnen das unklar?

(Lebhafter Beifall bei der AfD - Zurufe)