Hannes Loth (AfD):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Kollegen! Du musst ein Schwein sein in dieser Welt, sangen die Prinzen und spielten damit auf das völlig falsche Vorurteil an, dass diese Tiere egoistisch und unsozial seien. Das Gegenteil ist der Fall. Kein Tier ist sozialer und nur wenige sind cleverer als unser gemeines Hausschwein.

Das eigentlich egoistische Tier ist der Mensch. Wir wünschen uns die glücklichsten Tiere in den besten Ställen mit den schönsten Haltungsverfahren. Geht es allerdings an das Bezahlen, denken wir nur an das Sparen und die Forderung nach einer tiergerechten Haltung wird schnell vergessen.

Geht es um das Thema Tierhaltung wie hier heute im Landtag, zeigen sich schnell die Grenzen der menschlichen Toleranz. Viele Bauern, die Schweine halten, betreiben dies schon lange nicht mehr aus wirtschaftlichen Gründen, sondern vielmehr nur noch aus übergebliebenem Idealismus. Sie geben sich die größte Mühe, um die gesetzlichen und gesellschaftlichen Anforderungen zu erfüllen, werden dabei aber immer wieder von neuen Aufgaben überrascht.

Das sind Aufgaben, die immer schwerer zu erfüllen sind, die obendrein zeitraubend und praxisfern sind und die sich ein angeblich mündiger Verbraucher wünscht. Leider hat der Durchschnittsverbraucher eine völlig andere Vorstellung vom sogenannten Tierwohl als der Bauer und Fachmann.

Ein kleines Beispiel: In einem Heimatfilm ist es immer beliebt, die im Stall angebundene Kuh zu filmen, während der Almbauer Alois dort ausmistet. Diese Haltung ist aber nicht tiergerecht, da die Kühe fixiert sind, ähnlich wie die Sau im Kastenstand.

(Zustimmung bei der AfD)

Allerdings ist dies vor allem in der ökologischen Haltung mit Ausnahmen erlaubt. Dennoch verbindet der mündige Verbraucher dieses Bild mit einem glücklichen Tier.

Dieses Beispiel hat noch eine andere Komponente. Almbauer Alois kennt seine 20 Milchkühe mit Namen, ist mehrmals täglich im Stall und seine Kühe leben schon seit Jahren bei ihm, während in der Agrargenossenschaft „Flottes Euter“ die 500 Milchkühe über Transpondernummern im tiergerechten Lauf- und Liegeboxenstall verwaltet werden und dort eher den Menschen in mobiler Technik sehen, Probleme mit dem Betonboden und möglicherweise harten Liegeflächen haben und aufgrund mangelnder Leistung nach drei Laktationen zum Schlachthof geführt werden.

Da haben wir auch schon das grundlegende Probleme: Die Realität, die wissenschaftliche Praxis und die Wunschvorstellungen der Verbraucher klaffen einfach zu weit auseinander. Darum brauchen wir mehr Bildung für die Verbraucher. Tierwohl kostet - das muss auch der Verbraucher einsehen.

Kommen wir damit zu Punkt 1 des Alternativantrags der Kollegen von der Linksfraktion. Das Förderprogramm tiergerechte Haltung in Form von zinsverbilligten Krediten der Landwirtschaftlichen Rentenbank wurde von der Bundesregierung bereits für den Ausstieg aus der Käfighennenhaltung aufgelegt und mangels Nachfrage für die gesamte Nutztierhaltung weitergeführt - mit leider nur mäßigem Erfolg. Wenn Sie ein derartiges Programm fordern, dann müssen Sie dazu auch einen alternativen finanzfähigen Vorschlag erbringen.

Zu Punkt 2. Sie wollen EU-weite Standards. Dann sollten Sie sich vielleicht einmal den International Food Standard als freiwillige Qualitätsvereinbarung der Fleischindustrie anschauen. Studieren Sie ihn und nehmen Sie am besten noch an einem Audit teil. Nehmen Sie auch gleich die Tierhalter mit; denn die ahnen noch gar nicht, was im Rahmen der Eigenkontrolle dort auf sie zukommen wird.

Punkt 3 wäre bei einem einheitlichen Tierschutzlabel überflüssig, da wir dann neben dem QS-System, das, nebenbei bemerkt, schon weltweit einmalig ist und sich über das IQS-System in Europa von selbst verbreitet, eine zweite verbindliche Kennzeichnungsnorm hätten. Was erwarten Sie von einer EU, die der Meinung ist, ein Verbraucher könnte eine Ampel-Kennzeichnung bei Lebensmitteln nicht lesen?

Zu Punkt 4. Es gibt keine wissenschaftliche Untersuchung, die den Einfluss einer Bestandsobergrenze auf die Tiergerechtigkeit des Tierbestandes nachgewiesen hätte. Sie müssen erst einmal erklären, wo eine Obergrenze ist und wie das Beispiel sein soll.

Und noch ein Beispiel, Kollegin Frederking: Die grüne Partei strebt die 100 % ökologische Tierhaltung an. Nun gibt es aber auch in Sachsen-Anhalt Sauenbestände mit mehr als 2 500 Sauen, die trotzdem nach Öko-Verordnung ökologisch produzieren. Jetzt ist die Frage: Ist Ihnen das dann auch suspekt und nicht tiergerecht oder ist das eine tolerierbare Obergrenze für den Bestand?

Zu Punkt 5. Genau das mahnen wir an. Sie benötigen Sauenhaltungsverfahren, die den Kastenstand ersetzen, die bezahlbar sind und die von Ihnen in den nächsten 20 Jahren eben nicht wieder kritisiert werden. Die Schweinehalter leben noch immer von ihren Schweinen und wollen auch Planungssicherheit haben.

In Bezug auf Punkt 6 stimmen wir Ihnen zu. Wir sollten dann aber nicht nur den Berichten lauschen, sondern auch über das Für und Wider im Ausschuss diskutieren.

Zusammenfassend stelle ich fest: Klären Sie die Fragen bei sich in Ihrer Fraktion, liebe Linkspartei. Gehen Sie noch einmal in medias res. Stimmen Sie unserem Antrag zu. Es tut Ihnen nicht weh und den Schweinen wird es gut tun. - Danke schön.

(Beifall bei der AfD)