Frage 2
Position der Landesregierung zum „Masterplan Medizinstudium 2020“


Sie wird von der Abg. Frau Monika Hohmann gestellt. Sie haben das Wort. Bitte.


Monika Hohmann (DIE LINKE):

Danke schön. Ich frage die Landesregierung:

1.    Welche Kenntnisse hat die Landesregierung bezüglich des Verhandlungstandes zwischen Bund und Ländern zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen zum Masterplan? Insbesondere: Welche Kosten entstehen ggf. für Sachsen-Anhalt?

2.    Wie bewertet die Landesregierung die getroffenen Verabredungen zum „Masterplan Medizinstudium 2020", über deren Inhalte ja lange Zeit verhandelt wurde?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank. Die Antwort erfolgt wiederum durch Ministerin Frau Grimm-Benne für das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration in Vertretung für das Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung. Sie haben das Wort.


Petra Grimm-Benne (Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration):

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Ich beantworte die Fragen der Abgeordneten Frau Hohmann für die Landesregierung wie folgt.

Zu Frage 1: Zu Verhandlungen zwischen Bund und Ländern zur Finanzierung der geplanten Maßnahmen des Masterplanes ist der Landesregierung zurzeit noch nichts bekannt. Bund und Länder haben am 31. März 2017 den Masterplan Medizinstudium 2020 beschlossen. Die Kultusministerkonferenz hat dazu eine Erklärung abgegeben, in der hinsichtlich der Finanzierung unter anderem Folgendes ausgeführt wird:

Die Wissenschaftsministerinnen und Wissenschaftsminister der Länder kommen überein, die Maßnahmen des Masterplanes sobald als möglich mit den gegebenen Mitteln und Ressourcen umzusetzen. Der zusätzliche Finanzbedarf zur Umsetzung des Masterplans ist erst nach der Ermittlung der finanziellen und kapazitären Auswirkungen der Neustrukturierung des Studiums bestimmbar.

Diese Erklärung wurde auch so in den Masterplan übernommen.

Des Weiteren erwarten die Wirtschaftsministerinnen und -minister der Länder einen angemessenen Finanzierungsbeitrag des Bundes und die Übernahme der zusätzlich entstehenden Kosten insbesondere im Bereich der Einführung des ambulanten Quartals sowie der praxisnahen Prüfungen durch die für die ärztliche Versorgung verantwortlichen Träger. Diese Formulierung ist nicht in den Masterplan aufgenommen worden; über sie wird gegenwärtig noch diskutiert.

Nach dem Masterplan steht die vollständige Umsetzung des Planes unter Haushaltsvorbehalt.

Zeitgleich mit der Verabschiedung des Masterplanes setzten das Bundesministerium für Gesundheit und das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Expertenkommission ein, die auf dieser Grundlage einen Vorschlag zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte unter Darlegung der damit verbundenen finanziellen sowie kapazitären Auswirkungen erarbeiten soll. Nach ihrer Vorsitzenden wird sie als sogenannte Harms-Kommission bezeichnet.

(Minister Marco Tullner: Harms?)

- Harms. Frau Prof. Harms leitet diese Kommission.

(Minister Marco Tullner: MdL auch mal!)

Die Vorschläge der Kommission sollen innerhalb eines Jahres nach Beschluss des Masterplans erarbeitet und dem Bundesministerium für Gesundheit sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum 30. Juni 2018 vorgelegt werden.

Die Kommission wird, soweit es erforderlich ist, mehrere Varianten betrachten und gesondert bilanzieren. Dies betrifft insbesondere die verstärkte Einbeziehung von Lehrpraxen. Für konkrete Aussagen zu den anstehenden Kosten müssen daher die Ergebnisse der Harms-Kommission abgewartet werden.

Erste Schätzungen der Medizinischen Fakultäten Halle und Magdeburg gehen von zu erwartenden Kosten in Höhe von etwa 1,6 Millionen € pro Jahr und Hochschulmedizinstandort aus.

Zu Frage 2: Der Masterplan entspricht überwiegend den Bedürfnissen und Interessen des Landes Sachsen-Anhalt. Die Umsetzung des Masterplans wird daher durch das Land unterstützt. Die Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte in Deutschland ist anspruchsvoll und erfolgt auf hohem Niveau. Sie hat weltweit einen guten Ruf und ist für junge Menschen sehr attraktiv.

Gleichwohl sind auch im Medizinstudium Entwicklungen erforderlich, um die angehenden Ärztinnen wissenschaftlich und praktisch so gut wie möglich auf ihre künftige Tätigkeit vorzubereiten. Um dies zu erreichen, hat der Masterplan viele Anregungen aufgegriffen, nicht zuletzt des Wissenschaftsrates und des Sachverständigenrates zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen.

Der Masterplan modifiziert sowohl die Studienstruktur als auch Ausbildungsinhalte. Neben einem breiten Fachwissen sollen auch andere ärztliche Kompetenzen stärker vermittelt werden. Leitziel ist die frühzeitige Orientierung am Patienten. Angesichts der zunehmenden Spezialisierung in der Medizin muss der Blick auf den Patienten als Ganzen gewahrt bleiben. Besonders gestärkt werden soll die Allgemeinmedizin insbesondere im Hinblick darauf, dass eine primärärztliche Versorgung auch im ländlichen Raum künftig gewährleistet ist.

Dies kann nur durch ein umfangreiches Maßnahmenpaket gelingen, das am Studienanfang beginnt, die gesamte ärztliche Ausbildung durchzieht und ärztlichen Nachwuchs nach dem Studium zu gewinnen sucht. Dies ist nicht nur eine Aufgabe der Hochschulmedizin, die hier schon vieles auf den Weg gebracht hat, sondern auch der Wissenschafts- und Gesundheitsministerien. Gefordert sind auch Ärztekammern, Kassenärztliche Vereinigungen, ärztliche Berufsverbände und nicht zuletzt die Kassen.

In Sachsen-Anhalt gibt es hierzu schon gute Ansätze und Initiativen, zum Beispiel die Gründung der Allianz für Allgemeinmedizin. Die Stärkung der Allgemeinmedizin zielt zum einen darauf, landesweit mehr Hausärzte zu gewinnen. Zum anderen sollen aber auch künftige Spezialisten den ganzheitlichen Blick auf den Patienten erlernen. Dazu werden bereits im Studium, bei Prüfungen oder im praktischen Jahr die allgemeinmedizinischen Anforderungen hervorgehoben.

Die Partner des Masterplans Medizinstudium 2020 haben sich darauf verständigt, einer anders nicht zu behebenden ärztlichen Unterversorgung auch dadurch zu begegnen, dass künftig bis zu 10 % der Medizinstudienplätze in den Ländern vorab an Bewerberinnen und Bewerber vergeben werden können, die sich verpflichten, als Fachärzte in der Allgemeinmedizin in ländlichen Regionen tätig zu werden. Damit soll die Ausbildung der nächsten Medizinergeneration neuen Herausforderungen wie zum Beispiel in einer Gesellschaft des längeren Lebens und einer gesicherten ärztlichen Versorgung auch in ländlichen Regionen gerecht werden. Dies ist besonders für Sachsen-Anhalt ein wichtiges Ziel.