Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Meine Damen und Herren! Sport hat viele wichtige Funktionen: die Gemeinschaft zu stärken, sich durchzusetzen, miteinander gewinnen und verlieren zu können, einen gesunden Lebensstil zu führen, soziale Beziehungen zu stärken oder Integration zu fördern. Kurzum: Sport kann Werte vermitteln.

Leistungs- und Spitzensportlerinnen und Spitzensportler nehmen in der Vermittlung dieser Werte eine hervorgehobene Stellung ein und gelten für viele Menschen als Vorbilder. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir für junge Talente die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, um einerseits die sportliche Leistungsentwicklung zu stärken und andererseits zu ermöglichen, dass sie sich zu gut ausgebildeten und charakterlich gefestigten Persönlichkeiten entwickeln können.

Meine Damen und Herren! Es gibt keinen einzigen Vorgang in der Datenbank des Landtages zu Eliteschulen des Sports in der letzten Legislaturperiode. Zuletzt befasste sich der Ausschuss für Inneres und Sport in seiner Sitzung am 10. November 2016 mit dem Selbstbefassungsantrag der CDU-Fraktion zur Sportförderung und zum Erhalt der Olympiastützpunkte. Eine parlamentarische Auseinandersetzung zum Thema Sportschulen hat in den letzten Jahren nicht stattgefunden. Umso mehr ist es an der Zeit, dass wir uns diesen widmen und uns ihrer Anliegen annehmen.

Zum Ende der letzten Legislaturperiode - Herr Lippmann erwähnte es - fand auf Einladung des Landessportbundes ein Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen im Landtag statt. Das Ziel dieses nach mehreren Jahren wieder aufgenommenen Dialogs war es, auf die bestehenden strukturellen und organisatorischen Verbesserungsbedarfe hinzuweisen. Deshalb ist dieser Antrag grundsätzlich zu begrüßen, und ich freue mich ausdrücklich, dass die Fraktion DIE LINKE wieder einmal ein Thema aus dem Koalitionsvertrag aufgreift und hier im Plenum auf die Tagesordnung setzt.

(Swen Knöchel, DIE LINKE: Wir lesen ihn!)

Die Eliteschulen des Sports haben eine Sonderstellung in unserer Bildungslandschaft. Insofern sollten wir Sonderregelungen für diese Schulen finden.

Herr Minister, ich denke, wir sollten hierbei nicht so zögerlich sein. Den Antrag braucht es schon; denn die Bedingungen an den genannten Schulen sind im Vergleich zu anderen Schulformen wie Sekundarschule oder Gymnasium anders. Wir sollten darüber reden, ob wir dafür nicht Sonderregelungen finden müssen. Zudem beklagen sich teilweise schon die Eltern über die Schul- und Unterrichtsorganisation. Hierfür möchte ich zwei Beispiele nennen, die im Antrag nicht erwähnt wurden.

Erstens. Die Nachhilfe an den Sportschulen funktioniert nicht wirklich. Die Leistungsstufen der an der Nachhilfe teilnehmenden Schülerinnen und Schüler sind unterschiedlich. Das führt dazu, dass auch die Lehrkräfte zum Teil überfordert sind, da sie nicht die Ausbildung für jede Leistungsstufe mitbringen.

Zweitens. Die Ernährung spielt bei Leistungssportlerinnen und Leistungssportlern eine wichtige Rolle. Die Mittagspausen sind so kurz, dass vom Warten in der Schlange bis zur Einnahme der Mahlzeit den Schülerinnen und Schülern meistens maximal zehn Minuten von der Pause übrig bleiben. Ähnlich verhält es sich mit der Frühstückspause, die lediglich eine Viertelstunde beträgt. Ich glaube, dass das Verschlingen von Mahlzeiten für die Sportlerinnen und Sportler grundsätzlich nicht sonderlich gesund ist.

Auch das sind wichtige Anliegen, die zwar kein Bestandteil des Antrages sind, die wir aber sicherlich im Rahmen der inhaltlichen Auseinandersetzung werden besprechen müssen. Es ist notwendig, dass wir uns neben der unterrichtlichen Organisation das Ernährungskonzept genauer anschauen und gegebenenfalls anpassen.

Meine Damen und Herren! Die bündnisgrüne Position ist klar: Eliteschulen des Sports sind wichtige Pfeiler des Nachwuchsleistungssports. Erfolgreiche Sportlerinnen und Sportler - ich habe das bereits am Anfang erwähnt - gelten für viele Menschen als Vorbilder und sind wichtige Botschafter für unser Land. Wenn wir als Gesellschaft diese wollen, müssen wir folgerichtig für die entsprechenden Voraussetzungen sorgen.

Wir haben gerade gehört, dass es in den einzelnen Punkten zum Teil erheblichen Diskussionsbedarf gibt. Darüber hinaus gilt es auch, darüber zu diskutieren, ob dem Elitegedanken, wie es der LSB, der Landessportbund, formuliert, in einem ausreichenden Maße an beiden Schulen Rechnung getragen wird.

Insofern lassen Sie uns uns inhaltlich und sachlich darüber austauschen. Unsere Fraktion unterstützt den Vorschlag einer Überweisung zur federführenden Beratung in den Ausschuss für Bildung und Kultur und, nicht zuletzt aufgrund der Initiative zur Gründung einer Arbeitsgruppe Spitzensport durch das Ministerium für Inneres und Sport, zur Mitberatung auch in den Ausschuss für Inneres und Sport. Wir plädieren dafür, ein Fachgespräch oder eine Anhörung im Ausschuss durchzuführen, entweder noch vor oder erst nach der parlamentarischen Sommerpause. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Vielen Dank, Herr Aldag. - Es gibt eine Nachfrage vom Abg. Herrn Tullner. Bevor aber Herr Tullner seine Frage stellt, habe ich die ehrenvolle Aufgabe, Damen und Herren des Landesverbandes BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Hohen Hause begrüßen zu dürfen. - Herzlich willkommen!

(Beifall im ganzen Hause - Swen Knöchel, DIE LINKE: Willkommen!)

Herr Abg. Tullner, Sie dürfen Ihre Frage jetzt stellen.


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Mal gucken, ob ich die beantworten kann.


Marco Tullner (CDU):

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Die Anwesenheit der politischen Heimat des Kollegen Aldag hat mich motiviert, ihm die Gelegenheit einer Plattform zu geben, um zu zeigen, dass die Basis mit ihm zufrieden sein kann.

Nein, im Ernst. Lieber Kollege Aldag, ich stimme Ihnen in nahezu allem zu, würde Ihnen aber eine Frage stellen wollen. Wenn Sie auf Probleme der Essensversorgung in Sportschulen abstellen, dann ist es nach meiner Kenntnis, die ich bis 2011 im Landtag hatte, wohl so, dass wir für die Schule zuständig sind, aber die Aspekte von Wohnheim und Mensa in der Trägerschaft des Sports liegen.

Deshalb wollte ich Sie mit der Frage konfrontieren, ob Sie mit mir darin übereinstimmen, dass wir uns als Bildungspolitiker auf die wesentlichen Punkte konzentrieren sollten und mit den Fragen der Essensversorgung die Profis vom Landessportbund betrauen sollten. Das wäre meine Frage.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Aldag, bitte.


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Das kann ich mit Ja beantworten.

(Zustimmung bei den GRÜNEN)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Okay, vielen Dank. - Herr Kollege Aldag, es gibt noch eine weitere Frage vom Kollegen Herrn Schmidt. - Ja, Sie möchten antworten. - Herr Schmidt, Sie sind dran.


Dr. Andreas Schmidt (SPD):

Der Minister ist möglicherweise beauskunftet worden, der Sport sei für das Wohnheim und die Essensversorgung der Sportschulen zuständig. Das mag der Landessportbund vielleicht gerne so haben. In Wirklichkeit sind es die beiden Kommunen.

(Minister Marco Tullner: Nein, nein, nein! - Eva von Angern, DIE LINKE: Das stimmt wirklich nicht! - Swen Knöchel, DIE LINKE: Die Trägerschaft der Schulen!)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Die Anfrage ging an den Abg. Herrn Aldag.

(Minister Marco Tullner: Erfahrung im Landtag macht es manchmal möglich!)

- Herr Minister Tullner, ich denke, hier sollten wir unterscheiden.


Dr. Andreas Schmidt (SPD):

Die Trägerschaft der Schulen liegt bei den Städten.

(Minister Marco Tullner: Der Schulen ja!)

Und die Essensversorgung spielt sich in Form einer Vertragsgestaltung zwischen Eltern und dem Essensanbieter ab.

(Minister Marco Tullner: LSB!)

Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus. Herr Aldag, würden Sie mir darin zustimmen, dass es eine sinnvolle Sache wäre, wenn diese Schulen in ihrer Trägerschaft nicht kommunalisiert werden, sondern in der Trägerschaft des Landes wären und dann in Kooperation mit dem Landessportbund betrieben werden könnten?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Bitte, Herr Aldag


Wolfgang Aldag (GRÜNE):

Ich bin nicht ganz sicher, ob das Sinn macht. Soweit ich es in kurzer Zeit recherchiert habe, hat es erst in der letzten Zeit diese Umstrukturierung gegeben, dass die Schulen in die kommunale Trägerschaft gegangen sind. Ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich Sinn macht, das nach so kurzer Zeit wieder umzukehren.

(Hendrik Lange, DIE LINKE: Mit der Drohung der Schließung!)