Lydia Funke (AfD):

Danke sehr. - Werte Präsidentin! Meine Damen und Herren! Werte Abgeordnete! Die ersten Assoziationen, die sich unweigerlich heutzutage mit dem Internationalen Frauentag verbinden, scheinen von den Schlagworten einer verfehlten Politik geprägt zu sein.

Genderisierung, Sexismus-Debatte, Femen-Aktivismus und schließlich die Frauenquote, Begrifflichkeiten, die den Grundzügen der Frauenbewegung nicht einmal im Ansatz gerecht werden können und die historische Bedeutung des Tages überspitzt zu interpretieren versuchen.

Einem Tag, der zuweilen als Kampftag der Frauen heroisiert wird, obwohl jegliche Art der Übertreibung unvernünftig erscheint, wenn man in der Lage ist, das Recht der Frauen dort zu verorten, wo es geboren ist: in der Mitte der Gesellschaft.

(Beifall bei der AfD)

Besinnen wir uns zurück. Bereits 1910 rief die Kommunistin Clara Zetkin die Bedeutung des Gedenktages aus; ich zitiere:

„Im Einvernehmen mit den klassenbewussten politischen [und gewerkschaftlichen] Organisationen der Arbeiterschaft [des Proletariats] in ihrem Lande veranstalten die sozialistischen Frauen aller Länder jedes Jahr einen Frauentag, der in erster Linie der Agitation für das Frauenwahlrecht dient.“

Die Geschichte lehrte uns, dass das Frauenwahlrecht in Deutschland aber erst ab dem 19. Januar 1919 erstritten werden konnte. Vorangegangen war die Gleichberechtigung der Geschlechter. Denn obgleich bereits im Vorfeld proklamiert, Etablierung und Wertschätzung erfuhr die Gleichberechtigung von Frau und Mann dieser Tage - so die traurige Wahrheit - erst in den europäischen Rüstungsfabriken des Ersten Weltkrieges.

Doch wie kann man in Anbetracht jenes europäischen Geburtsfehlers, des Ersten Weltkrieges, die Gleichberechtigung und damit die Stärkung der Frauenrechte etablieren, wenn sie doch scheinbar aus der Not geboren war? Die Antwort ist denkbar einfach: Indem man kein Geschlecht zu erhöhen versucht und um Ausgleich bemüht ist.

(Beifall bei der AfD - Frau Lüddemann, GRÜNE: Genau das ist die Idee!)

Meine Damen und Herren, dies ist in der Zeit beider deutschen Staaten seitens der BRD sträflich vernachlässigt worden. Im Grunde bedarf es keines heutigen Frauenkampftages um Gleichberechtigung, hätte man die Geschlechterrollen damals ab Anfang der 50er-Jahre in ihrem Kontext zueinander als Einheit gestärkt.

Hier erweist sich der Blick in die Geschichte, der Blick abseits der damaligen Bundesrepublik Deutschland, als aufschlussreicher Seitenhieb. Dabei geht es um das Frauenbild in der ehemaligen DDR und um die Frauenpolitik mit allen ihren Implikationen von der geschlechtergerechten Erziehung, über die Mutterschaft, bis zur Rolle der Frau im Wirtschaftsleben.

Die ostdeutsche Frau war und ist Avantgarde. Es gibt einen nahezu unhinterfragten, mittlerweile gesamtdeutschen Wunsch, zu diesem Ideal aufzuschließen. Niemand hat dieses Leitbild öffentlich zur Ikone erhoben. Wertverschiebung und Rollenwechsel geschahen so subkutan wie sukzessiv.

(Beifall bei der AfD)

Wer Avantgarde ist, ist viel mehr als ein Trendsetter. Moden können jäh in ihr Gegenteil umschlagen. Die Avantgarde hingegen gibt die Richtung an, die fortan beschritten wird. Es gibt ungezählte Punkte im Bereich der Frauen- und Familienpolitik, in denen der Westen der Ostzone hinterherhinkte. Die heute populären Idealvorstellungen vom Frauendasein, ob als Arbeitstätige oder als Konsumentin oder als Mutter, sind im Osten gelebte Wirklichkeit.

(Zustimmung bei der AfD)

Fast alles, was wir heute an frauenpolitischen Bestrebungen und Leitbildern vorfinden, hatte die DDR mustergültig vorexerziert. Ohne Skandaldebatten, ohne Genderinstitute, ohne entblößte Brüste, ja überhaupt ohne Feminismus.

(Beifall bei der AfD)

Weggefallen ist in der vergrößerten BRD der Rahmen, in den die Frauenpolitik des Ostteils eingespannt war und der Werte und Leitmotive stramm zurrte, die heute scheinbar obsolet sind, nämlich Patriotismus, Bevölkerungspolitik und ein gesundes Bewusstsein für die Familie.

(Beifall bei der AfD)

Ein eng bedruckter DDR-Schinken aus der Feder eines Autorenkollektivs mit dem schlichten Titel „Kleine Enzyklopädie - Die Frau“ bringt es auf den Punkt und geht von einer vierfachen Bestimmung der Frau aus, ohne dass diese Aufgabenfelder als Belastung apostrophiert worden wären: Mutter, Hausherrin, Gefährtin des Mannes und Erwerbstätige. Die Avantgarde der Ostfrau wird an ungezählten Punkten deutlich, in Nebenschauplätzen allemal.

So wurde die Anrede unverheirateter Frauen als Fräulein schon in frühen DDR-Jahren als inadäquate und diskriminierende Anrede gebrandmarkt.

(Frank Scheurell, CDU: Das ist schade!)

Westdeutschland zog Jahrzehnte später nach. Bei Eheschließungen steht mittlerweile selbstverständlich neben dem Nachnamen des Mannes der Name der Frau oder ein Doppelname als Familienname zur Verfügung. Die Ausweitung auf den Frauennamen war in der DDR bereits 1965 rechtskräftig, in der BRD erst 1976.

Einer der markanten Punkte, in denen die DDR dem heutigen BRD-Leitbild mustergültig voranschritt, ist die Frauenerwerbstätigkeit. Die weibliche Berufstätigkeit unterlag in der DDR der alleinigen Entscheidung der Frau und löste die Verpflichtung des Ehepartners aus, in kameradschaftlicher Rücksichtnahme und Hilfe das Vorhaben zu unterstützen.

Oft wird kritisiert, dass die hohe Frauenerwerbsquote der DDR wenig mit emanzipatorischen Leitbildern zusammenhing, sondern mit barer wirtschaftlicher Notwendigkeit. Allein Schelme behaupten das Gleiche von der bis heute jährlich steigenden Frauenerwerbsquote auch in den alten Bundesländern.

(Beifall bei der AfD)

Festzuhalten ist aber: Erwerbstätigkeit und Mutterschaft waren in der DDR untrennbar verbunden. Die Aufziehung von Kindern erforderte restlose Hingabe und das Zurückstellen egoistischer Wünsche.

Noch in jüngeren Ausgaben der Kleinen Enzyklopädie „Die Frau“ wurde als Notwendigkeit gefordert, dass zu Erhaltung des Volkes in jeder Ehe mehr als zwei Kinder geboren werden. Kinderreiche Familien erfahren in besonderem Maße die Fürsorge des Staates.

(Beifall bei der AfD)

Die Ostfrau, ohne Babypausen auskommend und seit je im Beruf ihren Mann stehend, hat zu 94 % des Männerverdienstes aufgeschlossen, während Westfrauen noch auf 76 % des männlichen Gehaltsniveaus arbeiten. Die Tendenz des wirtschaftspolitischen und medial vermittelten weiblichen Westwillens weist stark nach oben. Mütter an die Schreibtische, an die Kassen, Maschinen und Managerpositionen!

Der Frauenanteil im Osten beträgt auf der Führungsebene privater und öffentlicher Unternehmen 30 % und in der zweiten Führungsebene 44 %, und dies ohne Quotenpropaganda. Ein Bestand, von dem die im Schnitt größeren und international ausgerichteten Westunternehmen nach politischer Maßgabe nur träumen.

(Beifall bei der AfD)

Frau tut, was sie kann, und zwar ohne emanzipatorisches Sendungsbewusstsein, Genderismusdebatten oder feministische Befindlichkeitsstörungen.

(Beifall bei der AfD - Zustimmung bei der CDU)

Alsbald ertappt man sich, die übersteigerten Emanzipationsvorstellungen als eine Ursache des zunehmenden Bevölkerungsrückgangs auszumachen; denn die Stärkung der Frauenrechte muss gleichzeitig die Stärkung und positive Ausstaffierung der Familienpolitik bedeuten. Die Diskussionen um Bevölkerungsrückgang, Überalterung und Fertilitätsquote benennen viel zu schnell Kinderfeindlichkeit, Familienarmut oder insgesamt schlechte Bedingungen als Ursache für den demografischen Kollaps.

Umso interessanter ist die Innensicht jener Emanzipationsfalle, für die die „Zeit“-Redakteurin und ehemalige SPD-Politikerin Susanne Gaschke weit tiefer schürft, als es sämtliche Klischees von Krippenmangel und Vereinbarkeitswunsch leisten können.

Der Bevölkerungsschwund, so Gaschkes unerhörte These, gehe auch auf das Konto der deutschen Frauenbewegung. Jene emanzipatorische Umwälzung vor 35 Jahren habe mit all ihren Freiheiten und der Eröffnung einer multioptionalen Lebensführung für Frauen dieselben eben auch unter einen gesellschaftlichen und ökonomischen Druck gesetzt, der die Entscheidung für ein Kind zu einer komplizierten Kopfgeburt werden lasse.

(Beifall bei der AfD)

Der Ausblick erscheint klar: Eine beständige, zukunftsweisende Politik muss sich von der Überhöhung eines Geschlechts und der damit verbundenen Diskriminierung des anderen abkehren.

(Oh! bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Eine konsequente Stärkung der Frauenrechte bedarf einer verbindlichen Familienpolitik als Unterbau, um die Frau weiterhin als in allen Teilen ebenbürtiges Mitglied der Gesellschaft neben dem Manne zu etablieren; denn in ihrem Schoße liegt das Schicksal einer Welt, das Glück kommender Generationen und das Schicksal des deutschen Volkes.

(Beifall bei der AfD)

Die AfD fordert eine Stärkung der Familien, eine Stärkung des Frauen- und Mutterbildes, aber eben nicht durch die Diskriminierung des anderen Geschlechts, übersteigerten Heroismus des Internationalen Frauentages oder die Etablierung von Gender-Maßnahmen oder eben Frauenquoten.

Wie muss sich wohl die Managerin eines mittelständischen Unternehmens fühlen - diese Frage werfe ich jetzt einfach in den Saal -, die sich ihren Platz hart erarbeitet hat, Familie und Beruf unter einen Hut gebracht hat, in dem Bewusstsein, dass ihre Nachfolgerin womöglich minderqualifiziert nachrücken kann, um lediglich eine Quote zu erfüllen? - Vielen Dank.

(Beifall bei der AfD)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Abg. Funke, es gibt zwei Nachfragen. Möchten Sie sie beantworten? - Frau Feußner, Sie können Ihre Frage stellen. Danach spricht Frau Prof. Dr. Kolb-Janssen. - Bitte.


Eva Feußner (CDU):

Frau Funke, Sie haben eben dargestellt, dass sich die kompetente, selbstbewusste Frau im gesellschaftlichen Leben durchsetzt und man deshalb keine Quote braucht. Ich möchte Sie fragen: Gibt es in Ihrer Partei keine kompetenten, selbstbewussten Frauen, wie sich das in Ihrer Fraktion darstellt, oder kann es sein - das können nur Sie mir beantworten -, dass Frauen das Bild Ihrer Partei ablehnen und deshalb der Frauenanteil in Ihrer Partei so gering ist, wie er sich darstellt?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Funke, bitte.


Lydia Funke (AfD):

Zu Frage 1. Ich sehe schon, dass wir sehr kompetente Personen, Frauen in unserer Partei haben, die hochgebildet sind. Man sieht es an uns, man sieht es an Frau Sauermann in unserer Fraktion. Wir sehen es auf der Bundesebene und überall in den Landesverbänden. Das will ich nicht sagen und in Abrede stellen.

Zu der Frage, ob die Frauen die Positionen der AfD ablehnen, würde ich sagen, dass das nicht so ist. Vielleicht liegt es eher daran, dass sich Männer wahrscheinlich medial oder insgesamt mehr mit Politik beschäftigen.

(Beifall bei der AfD - Oh! bei der LINKEN, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Das Interesse ist bei dem männlichen Teil der Bevölkerung einfach etwas größer. Ich interessiere mich für Politik; deswegen stehe ich hier.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Feußner, Sie haben eine Nachfrage? - Bitte.


Eva Feußner (CDU):

Zu der letzten Anmerkung möchte ich keinen Kommentar abgeben. Das erübrigt sich.

(Heiterkeit und Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Ich habe eine Nachfrage. Wie erklären Sie sich den niedrigen Frauenanteil in Ihrer Partei, wenn Sie, wie Sie eben dargestellt haben, kompetente Frauen in Ihrer Partei haben?

(Ulrich Siegmund, AfD. Das ist bei euch genauso! - Daniel Roi, AfD: Von 30 CDU-Abgeordneten sind drei Frauen!)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Funke, bitte.


Lydia Funke (AfD):

Möglicherweise haben sie Anstellungen, die sie eher bevorzugen, als politisch an vorderster Front zu stehen.


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Kolb-Janssen, Sie haben jetzt das Wort.


Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Es gibt Publikationen, die eindeutig belegen, dass die einzige Personengruppe, die nicht diskriminiert ist, weiße Männer mittleren Alters normaler Bildung sind.

(Zurufe von der AfD-Fraktion)

Gegen welche vermeintliche Diskriminierung von Männern will Ihre Partei Maßnahmen ergreifen?


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Frau Funke, bitte.


Lydia Funke (AfD):

Darauf antworte ich jetzt nicht.

(André Poggenburg, AfD: Richtig! - Unruhe)