Hannes Loth (AfD):Genau, wir teilen uns die Zeit. - Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Er kam heimlich, still und leise, besiedelte Truppenübungsplätze und Tagebaufolgelandschaften und wurde mehr als ein Jahrzehnt frenetisch als Erfolg des Artenschutzes gefeiert. Doch nun hat der Wolf den Bogen der Toleranz offenbar weit überspannt und vorbei ist die Willkommenskultur;(Zustimmung bei der AfD)denn nicht nur Rehe, Hirsche und Wildschweine stehen auf seinem Speiseplan, es trifft jetzt auch Schafe, Kälber und Gehegewild.(Zuruf von der CDU: Rotkäppchen!) - Rotkäppchen ist heute nicht anwesend. (Heiterkeit - Zuruf: Warum nicht?)Mit zunehmender Bestandsgröße erkunden die Wölfe auch menschliche Siedlungen und fördern damit die Ängste von Teilen der Bevölkerung. Zum Beispiel fürchtet sich Herr Aldag beim Joggen vor dem Wolf; das kann mir nicht passieren.(Heiterkeit)Es ist kein Geheimnis, dass Wölfe als intelligent und anpassungsfähig gelten und damit typische Kulturfolger darstellen, insbesondere wenn diese Tiere noch vom Menschen angefüttert, sozusagen domestiziert werden. Damit überschreitet der Isegrim nach 17 Jahren Anwesenheit in Deutschland im wahrsten Sinne des Wortes die Grenzen, und zwar nicht nur die der abgeschirmten Truppenübungsplätze und zerstörten Tagebaulandschaften, sondern offenbar auch die der Toleranz vieler Bürger gegenüber Wildtieren und ihren vermeintlichen Taten.Was für den einen eine vermeintliche Romantik ungestörter Natur darstellt, überschreitet für den anderen bereits die Grenzen der Zumutbarkeit. Dabei scheinen das Wildschwein im Friseursalon, das Reh im Swimmingpool und der Elch im Bürohaus die Gemüter längst nicht so zu erhitzen wie der Wolf, der durch die Ortschaften streift. Interessant ist, dass wir hier über etwas diskutieren, was wir so nicht quantifizieren können und bisher anscheinend nicht richtig quantifizieren wollten; denn die Anzahl der Rudel bzw. der Gesamtbestand schwankt von einer Meldung zur nächsten oder von einer Interessenvertretung zur anderen. Offenbar können verschiedene Stellen je nach Bedarf den europäischen Wolf in diverse Phantasiepopulationen einordnen. Seine Zugehörigkeit zu den einheimischen Arten kann durch Vermengung mit anderen ökologischen Fakten wie invasive Arten oder Auswilderungstheorien wild durcheinandergewürfelt werden.Es werden Bestandsgrenzen gefordert, es wird über Problemwölfe diskutiert und es werden Jagdfreigaben gefordert, allerdings ohne konkrete Zahlen zu nennen. Darüber müssen wir uns unterhalten. Geradezu genüsslich wird über jeden Wolfsriss in den Gazetten berichtet. Das Wort „Hysterie“ ist an dieser Stelle eigentlich nicht übertrieben. Tatsächlich fehlt aber die Aufklärung im Umgang mit Isegrim und zum Verhalten beim Zusammentreffen mit ihm fast völlig.In 17 Jahren Anwesenheit von Wölfen in Deutschland gab es bisher zum Glück noch keinen einzigen Fall tatsächlicher Bedrohung, Verletzung oder gar der Tötung eines Menschen durch Wölfe.Aufklärung und Information sind staatliche Aufgaben, die beim Thema Wolf entweder bisher nicht wahrgenommen wurden oder ihr Ziel verfehlten und damit eigentlich noch größere Teile der Bevölkerung verunsicherten. Ein geordneter Meinungsaustausch findet zudem nicht statt; denn die tatsächlich vom Wolf Betroffenen, die Hobby-, die Gehege- und die Weidetierhalter, wurden so lange vertröstet, bis zu dem ungelösten Problem der Finanzierung der Weidehaltung und der Landschaftspflege nun auch noch der Wolf weitaus energischer Lösungen für diese Form der Nutztierhaltung fordert. Die finanzielle Entschädigung wäre dabei nur das kleinere der zu lösenden Probleme. Schwerwiegender ist eigentlich der ideelle Verlust, den der Tierhalter verarbeiten muss, wenn er auf seine Weide kommt und die Heidschnucke zerfetzt dort liegt.Der Unmut der Weidetierhalter betrifft ganz klar definierte Punkte. Sie wollen Sicherheit für ihre Herde. Das heißt zum einen Prävention, die natürlich auch wirksam sein muss, und zum anderen klar geregelter, bezahlter, barer Versicherungsschutz, der Schadensausgleich sowie die Bezahlung der landschaftspflegerischen Leistungen. Auf jeden Fall gibt es keine Diskussion darüber, dass Wölfe, die Spielregeln verletzen, der sogenannte Problemwolf, das heißt, die auffällig werden und eine permanente Bedrohung für Mensch und Nutztier darstellen, schnell und waidgerecht aus der Natur entnommen werden müssen.(Beifall bei der AfD)