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Montag, 17.12.2018

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Plenarsitzung

„Landtag im Dialog“: Im Zeichen der Medizin

Naumburg war am 17. Oktober 2018 die vierte Station der Dialogreihe des Landtags. Mittelpunkt der Diskussion zwischen Bürgerinnen und Bürgern sowie Abgeordneten aus den Fraktionen des Landtags bildete die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Aus dem Landtag stellten sich auf Einladung von Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch die Abgeordneten Dagmar Zoschke (DIE LINKE), Dr. Verena Späthe (SPD), Cornelia Lüddemann (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Bernhard Bönisch (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD). Durch den Abend führte als Moderator Stephan Schulz.

Was muss die Politik leisten, um mehr medizinisches Personal im ländlichen Raum anzusiedeln? Hören und sehen Sie die Meinungen von Abgeordneten aller Fraktionen im Videostatement. Youtube


Eröffnungsstatements der Abgeordneten

Ein ganzes Bündel von Ursachen ist für den personellen Mangel im medizinischen und pflegerischen Bereich verantwortlich, sagte Dr. Verena Späthe. Die medizinische Ausbildung sei in Sachsen-Anhalt an sich sehr gut abgesichert. Die demographische Entwicklung habe den Bedarf an medizinischer Hilfe jedoch exorbitant gesteigert.

Sachsen-Anhalt habe das Problem, dass es quasi eine ganze Generation – insbesondere junge Frauen – durch Abwanderung verloren habe, konstatierte Cornelia Lüddemann. Ein Medizin-Studienplatz koste das Land rund 200 000 Euro, es werde also viel Geld in Studenten investiert. Es sei jedoch zu oft nicht gelungen, die jungen Mediziner im Land zu halten, die sich vor allem als Hausärzte niederließen. Abhilfe soll hier in Zukunft eineLandarztquote schaffen.

Die Ursachen für die Mangelversorgung seien sehr vielschichtig, erklärte Dagmar Zoschke. In die Niederlassung zu gehen, bedürfe viel ökonomischen Wissens, das werde in der Ausbildung aber nicht ausreichend vermittelt. Der niedergelassene Arzt sei nicht nur Mediziner, sondern auch Arbeitgeber, der Abrechnungen oder Bestellungen machen müsse. Zu viele Abwanderungen in andere Bundesländer oder auch ins Ausland, wo es attraktivere Arbeitsbedingungen gebe, habe zum Ärztemangel geführt.

Anfang der 1990er Jahre habe schon festgestanden, dass wenige junge Menschen viele ältere Menschen zu versorgen haben würden, erklärte Ulrich Siegmund. Er kritisierte die extreme Bürokratie, der Ärzte ausgesetzt seien. Das System der privaten und öffentlichen Krankenkassen führe zu einem extremen Ungleichgewicht von Ärzten- und Patientenzahlen.

Das numerische Verhältnis von Privat- und Kassenpatienten sei nicht ausgeglichen, bedauerte Bernhard Bönisch. Zudem sei das Bedürfnis nach Forschung unter den Medizinern sehr groß, die Behandlung von Menschen fiele bei der beruflichen Ausrichtung zu oft hinten runter.

Aus dem Diskussionsforum

Landärzte seien oftmals Einzelkämpfer; deren Ansiedlung falle schwer, weil es in den ländlichen Regionen zu viele infrastrukturelle Schwächen gebe, die man dringend beheben müsse – so eine Anmerkung aus dem Publikum. Eine Lösung könnte hier die Gründung von medizinischen Versorgungszentren oder Arztgenossenschaften sein, schlug Cornelia Lüddemann vor. Ließe man mehr Medizinstudenten aus Sachsen-Anhalt zu (insbesondere aus dem ländlichen Raum), sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie auch hier im Land blieben, meinte Ulrich Siegmund. Mehr Studienplätze und eine bessere Strukturierung medizinischer Leistungen könne zur Problemlösung beitragen.

Ungleiche Bezahlung von Medizinern

Für gleiche Leistung weniger Bezahlung in Sachsen-Anhalt: Es sei kein Wunder, dass Mediziner beispielsweise nach Bayern abwandern, wenn sie zuhause für 100 Prozent Leistung nur 80 Prozent Bezahlung erhielten. – So eine Wortmeldung aus dem Publikum. Den Menschen sei nicht klar, wie teuer ärztliche Leistungen seien. In Belgien gingen Leute durchschnittlich viermal im Jahr zum Arzt, in Deutschland ganze 18 Mal, so ein niedergelassener Arzt aus dem Publikum.

Fachleute sollen an Lösungen mitarbeiten

Der Landtag hat kürzlich eine Enquete-Kommission über die Ist-Situation und die Zukunft der medizinischen Versorgung in Sachsen-Anhalt eingerichtet. Mit Fachexpertise sollen hier Lösungsvorschläge erarbeitet werden – gemeinsam mit den medizinischen Akteuren vor Ort und den Verantwortlichen der Krankenversicherungen, der Ärztekammer, der kassenärztlichen Vereinigung und anderen. Insgesamt müsse das Land für mehr Attraktivität auf dem medizinischen Sektor sorgen, sagte Cornelia Lüddemann: Mehr Mut, Dinge anzugehen und die voranbringen, die es schon gebe, regte sie an. Ulrich Siegmund hofft derweil, dass die Enquete-Kommission nicht zu viel Zeit koste; Ziel müsse es sein, in kurzer Zeit konkrete Lösungen zu finden.

Zugang zum Medizinstudium vereinfachen

Eine Bürgerin regte an, dass erfolgreich ausgebildete Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger ein Medizinstudium aufnehmen könnten, um mehr Fachkräfte zu gewinnen. Solche Möglichkeiten gebe es bereits, erklärte Dagmar Zoschke. Die absolvierte Ausbildung könne in Teilen auch im Studium angerechnet werden. Verena Späthe könnte sich vorstellen, Medizinstudienplätze für ausgelernte Krankenpfleger freizuhalten – momentan sei dies allerdings rechtlich nicht möglich. Die Zulassungsbestimmungen zum Medizinstudium in Sachsen-Anhalt müssten auch noch einmal unter die Lupe genommen werden, wenn 1,0-Schüler den Eignungstest in Magdeburg und Halle nicht bestünden, wohl aber in der Berliner Charité ihr Studium aufnehmen könnten, so Cornelia Lüddemann.

Die Reihe „Landtag im Dialog“ wird am 29. November 2018 in Köthen mit dem Thema Cannabislegalisierung fortgesetzt. Weitere Informationen dazu folgen in Kürze.