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Montag, 24.02.2020

2 Termine gefunden

ICS Export
10:00 Uhr Datum: 24.02.2020

19. Parlamentarischer Untersuchungsausschuss

3. Sitzung
Magdeburg, Domplatz 6-9, Landtagsgebäude

u19003e7.pdf (PDF, 453 KByte)


10:00 Uhr Datum: 24.02.2020

Ausschuss für Finanzen

80. Sitzung
Landtag von Sachsen-Anhalt, Landtagsgebäude, Domplatz 6-9, 39104 Magdeburg

fin080e7.pdf (PDF, 472 KByte)


Plenarsitzung

Digitalisierung in der Medizin und Pflege

Empfehlungen an den Landesgesetzgeber und an die Landesregierung zu eruieren, um die Gesundheitsvorsorge und Pflege in Sachsen-Anhalt nachhaltig abzusichern, ist seit einigen Monaten Aufgabe einer Enquete-Kommission im Landtag. Digitalisierung in Medizin und Pflege war Thema der letzten Anhörung in diesem Gremium, die am Mittwoch, 5. Februar 2020, im Landtag abgehalten worden ist.

Symbolbild: Kugel mit @-Zeichen vor einer Tastatur.
Die Enquete-Kommission beschäftigte sich mit der Digitalisierung im Gesundheitssektor. Foto: Rainer Sturm/pixelio.de

Wortmeldungen aus der öffentlichen Anhörung

Er beschäftige sich unter anderem mit der Frage, wie das medizinische Handeln im Zuge der Digitalisierung verändert werden könne, erklärte Günter van Aalst von der Deutschen Gesellschaft für Telemedizin. Der Mensch stehe im Mittelpunkt des medizinischen Handelns, die Digitalisierung könne zu einem schnellen Zugriff auf Behandlungsdaten des Patienten und somit zu einer schnelleren und besseren Versorgung führen. Es gelte, Ärztenetze mit gemeinsamen Qualitätsmaßstäben bei knapper werdenden Ressourcen und weniger Personal zu schaffen und angepasste Honorierungsformen aufzustellen. Es bedürfe notwendigerweise Plattformen zur effektiven Ressourcen- und Datennutzung, die Telemedizin solle in einem weiteren Schritt als verbindlicher Bestandteil der Regelversorgung etabliert werden.

„Wir müssen Akteure der Digitalisierung werden und nicht nur Konsumenten sein“, betonte Prof. Dr. Michael Gekle von der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Mit versierten Fachfirmen solle man nicht in Konkurrenz treten, sondern in regen Austausch. Die Nutzung digitaler Möglichkeiten werde nicht zu einer kurzfristigen Überwindung des Mangels an Fachpersonal führen, stellte er klar. Man müsse eine Transformation der medizinischen Strukturen zulassen, denn diese sei im Zuge der Digitalisierung unumgänglich. Die Generierung einer bundes-, gar europaeinheitlichen elektronischen Patientenakte laufe schleppend, sei aber dringend notwendig. Das Personal müsse entsprechend geschult sein, um mit den neuen Medien im sich neu ergebenden Versorgungsnetzwerk auch umgehen zu können. Die Digitalisierung müsse hinsichtlich der technischen Entwicklung, der Untersuchung von deren Wirksamkeit und Nützlichkeit, der Nutzung evidenzbasierter Konzepte sowie der Anwendung und Weiterentwicklung der Ergebnisse in der Praxis beleuchtet werden, erläuterte Gekle.

Das Thema Digitalisierung müsse in ganz Deutschland gemeinsam vorangebracht werden, erklärte Steffi Suchant von der Techniker Krankenkasse. Manche bereits möglichen Leistungen könnten in Sachsen-Anhalt nicht angeboten werden. Ein guter Breitbandausbau sei die Voraussetzung – hier mangele es im Land noch, hinzu komme die Vernetzung der verschiedenen Akteure und die Selbstverantwortung beim Umgang mit den Daten. „Wir haben viele fähige Leute, die sich bisher aber nicht ausreichend untereinander austauschen.“ Ersetzen könne die Digitalisierung das analoge Medizinsystem aber nicht, beides werde parallel agieren, so Suchant. Sinnvoll wäre, die elektronische Patientenakte flächendeckend einzuführen – bisher sei diese nur als freiwillige Leistung geplant. Die Behandlung von Patienten könnte durch die gezielte Bündelung von Informationen sehr viel individueller gestaltet werden. Die TK biete zum Beispiel verschiedene Apps zur Vorsorge und Informationsergänzung an (zum Beispiel Tinnitus-, Pflege-, Migräne-App).

Die Digitalisierung im Gesundheitssektor biete große Chancen, sie könne ein Baustein für die medizinische Versorgung im ländlichen Raum sein, konstatierte Andreas Arnsfeld von der AOK Sachsen-Anhalt. Die Digitalisierung müsse mit Transparenz, Datenschutz, Datensicherheit und Anwenderfreundlichkeit einhergehen. Bislang seien manche Projekte aufgrund der mangelnden strukturellen Voraussetzungen (Breitband) noch gescheitert. Arnsfeld verwies unter anderem auf ein Projekt mit digitalen Assistenzsystemen, die – in der Wohnung installiert – zu einem selbstbestimmten Leben bis ins hohe Alter beitragen können.

„Dem demographischen Wandel und der Digitalisierung muss sich das Land widmen“, betonte Peter Löbus, Vorsitzender der Landesfachkommission Gesundheitswirtschaft des Wirtschaftsrats der CDU e. V. „Der Einsatz von Computern ist nicht einfach, es geht um komplexe Kommunikationsstrategien, künstliche Intelligenz und vieles mehr.“ Die digitale Zukunft sei nicht einfach da und entwickele sich willkürlich, sondern „wir müssen sie selbst entwickeln und ihr die von uns gewollte Richtung geben“, so Löbus. Es bedarf aber der technischen Voraussetzungen (Hochgeschwindigkeitsnetze!), um die digitalen Anwendungen überhaupt erst zu ermöglichen. Hier hinke Sachsen-Anhalt deutlich hinterher. „Wir brauchen die ressortübergreifende Koordination, eine nachvollziehbare digitale Zielplanung und die Durchsetzung allgemeingültiger Standards.“ Löbus wies auch auf den „Bildungsauftrag für digitale Kompetenz“ hin: Datensicherheit, Datenethik und die nötige Sensibilität, die für das Handling der Daten notwendig sei.

Die Rahmenbedingungen der Digitalisierung würden zwar von der Bundesebene gestaltet, aber die einzelnen Länder hätten großen Anteil an der Vorantreibung der Digitalisierung insgesamt, betonte Rainer Beckers vom ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH. Die Videokonferenztechnik stehe heute flächendeckend zur Verfügung, damit würden unter anderem flächendeckend Telekonsile unterschiedlicher Arten möglich. Erfolgreich laufe in Nordrhein-Westfalen beispielsweise auch der Tele-Notarzt, so Beckers. In diese Bereiche müsse ausreichend investiert werden – möglicherweise mithilfe einer Koordinierungsstelle. Er wies ebenfalls auf die notwendige Qualifizierung der Mitarbeiter/innen im Gesundheitsbereich, aber auch der Patientennutzer hin, wenn es um digitale Gesundheitsangebote gehe. 

Die Enquete-Kommission wird sich weiter mit der Thematik beschäftigen und die Erkenntnisse aus den thematisch breitgefächerten Anhörungen in ihre Überlegungen und Schlussfolgerungen einfließen lassen.

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