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Dienstag, 20.11.2018

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Plenarsitzung

Gedenken an die Opfer der Reichspogromnacht

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten die Synagogen in Deutschland. Es war die Nacht, in der organisierte Schlägertrupps unzählige jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten, Tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Im sechsten Jahr an der Macht demonstrierten die Nationalsozialisten ganz unübersehbar, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord Teil der staatlichen Politik geworden waren.

„Vor dem Hintergrund unserer Geschichte nehmen wir alljährlich den 9. November zum Anlass, innezuhalten, der vielen Opfer zu gedenken und gleichzeitig auf künftige Generationen mahnend zu wirken. Deutschland ist ein christlich-jüdisch geprägtes Land. Wir bekennen uns zur jüdischen Kultur als Teil der Geschichte unseres Landes“, erklärt Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch anlässlich des Gedenktags.

Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes

Bis zum 23. November 2018 zeigt der Landtag anlässlich des Gedenktags zur Reichspogromnacht (80 Jahre) eine Wanderausstellung (Eröffnung am Freitag, 9. November 2018, 17 Uhr), die das Justizsystem zur Zeit des Nationalsozialismus das dem Rechtsstaat in der Demokratie gegenüberstellt. Sie klärt auf und leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Justizgeschichte in Sachsen-Anhalt.

Den Besuchern wird vor Augen geführt, zu welchen Exzessen die Justiz in einem totalitären System fähig sein kann. Im Mittelpunkt steht die Beteiligung der NS-Justiz an der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Thematisiert wird insbesondere das Vorgehen der Justiz und Verwaltung bei Vorgängen im Rahmen von „Arisierungen“ und sogenannten Rasseschande-Fällen.

Die Ausstellung kann von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr kostenfrei im Landtag besucht werden. Voranmeldungen für Gruppen sind unter 0391 560 1258 undprotokoll@lt.sachsen-anhalt.de möglich.

Dokumentation über die Reichspogromnacht (gesendet im ZDF). Youtube


Die verharmlosende Bezeichnung „Reichskristallnacht“ für die Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938, deren Herkunft nicht definitiv geklärt ist, bezieht sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen.

Das Pogrom wurde am Abend des alljährlichen Treffens der NSDAP-Führerschaft anlässlich des gescheiterten Hitler-Putsches am 9. November 1923 nach Zustimmung Hitlers von Propagandaminister Joseph Goebbels durch eine Hetzrede ausgelöst. Goebbels verwies auf die bereits stattgefundenen Pogrome in den NSDAP-Gauen Kurhessen und Madgeburg-Anhalt und machte die Bemerkung, dass die Partei antijüdische Aktionen zwar nicht organisieren, aber auch nicht behindern werde.

„Wenn wir Gedenken ernst nehmen, so müssen wir jeder Zeit, jeder Generation zugestehen und zumuten, eigene Fragen zu stellen und ein jeweils eigenes Gedenken zu entwickeln – stets neues Mitfühlen und Mitdenken, kein Vergessen, sondern Erinnern, anstatt Schuldeingeständnisse und Sühne nachfolgender Generationen“, betont Landtagspräsidentin Brakebusch.

Dokumentation über die Reichspogromnacht in Magdeburg (Material: Offener Kanal). Youtube


Hintergrund: Ein Attentat als Rechtfertigung

Das Attentat am 7. November 1938 auf den Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath, durch den 17-jährigen polnischen Juden Herschel Grynszpan wurde zum Anlass für ein gegen die Juden gerichtetes und angeordnetes Pogrom genommen – eine Mord-, Brandstiftungs- und Plünderungs-, in letzter Konsequenz auch Raub- und Vertreibungsaktion bisher nicht gekannten Ausmaßes.

SS und Gestapo organisierten die Verschleppung von bis zu 30 000 jüdischen Jugendlichen und Männern in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen. Viele von ihnen kamen dort infolge von körperlichen und psychischen Schikanen, von Medikamentenentzug und anderen Umständen ums Leben. Vielen wurde der Verzicht auf Eigentum abgezwungen. Im Anschluss an die Pogromnacht wurden fast alle jüdischen Organisationen aufgelöst und die jüdische Presse verboten. Zudem hatte der jüdische Teil der Bevölkerung die sogenannte Judenvermögensabgabe von mehr als einer Milliarde Reichsmark als „Sühneleistung“ für an sie selbst verübte Verbrechen zu leisten.

Die Reichspogromnacht auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt; ZwischenRuf 3|2013 (PDF)