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Samstag, 16.01.2021

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Plenarsitzung

Wolf sorgt mitunter für echte Existenzängste

Der Nebel steht über den Feldern rund um die kleine Gemeinde Uthmöden (nahe der Colbitz-Letzlinger Heide) und es ist nasskalt. Vor einem großen grauen Stall im LPG-Stil warten Schäfer Torsten Kruse und sein Sohn Christian auf Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch. Die langjährige Vorsitzende des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten will dem kleinen Familienunternehmen und damit symbolisch allen Schäfern in Sachsen-Anhalt zeigen, dass der Landtag ihre Sorgen und Ängste ernst nimmt. Und die Angst hat einen Namen, sie heißt Wolf.

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch im Gespräch mit zwei Schäfern.
Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch vor dem Schafstall von Torsten (l.) und Christian Kruse in Uthmöden (Ortsteil von Haldensleben). Foto: Stefanie Böhme

„Schafe wissen was los ist“

Anders als manchmal im Landtag gibt es hier draußen kein langes Geplänkel. Nach der Begrüßung kommt Schäfer Kruse gleich zur Sache: „Wir haben einen Teil unserer  Suffolk-Schafe gerade geschoren und anders als üblich, wollten sie alle gleich von alleine in den Stall – die wissen was da draußen los ist“. Es müsse endlich etwas passieren, sonst könnten die Schäfer bald einpacken, schimpft Kruse.

Der Schäfer mit Leib und Seele hat in den letzten Wochen und Monaten traurige Berühmtheit erlangt. Innerhalb eines Jahres hat der Wolf bereits fünf Mal in seiner Schafherde gewütet, zuletzt Anfang Januar als er zehn seiner 170 Lämmer tötete und einige weitere teils so schwer verletzte, dass sie später eingeschläfert werden mussten. Das alles passierte trotz 1 Meter 20 hohem Elektrozaun.

Regelungen müssen verbessert werden

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch erklärte, als Tochter eines Schäfers können sie natürlich nicht verbergen, dass ihr Herz für die Schäferei schlage. Aber auch wenn dies nicht so wäre, stehe für sie außer Zweifel, dass bessere Regelungen im Umgang mit dem Wolf gefunden werden müssten. „Ich bin mir sicher, die Abgeordneten des Landtags werden alles tun, was möglich ist, um Ihnen und den anderen Schäfern im Land zu helfen“, betonte Brakebusch.

Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch und Abgeordneter Bernhard Daldrup in einem Schafstall.
Auch Bernhard Daldrup (l.) der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses war im Schäferbetrieb Kruse in Uthmöden vor Ort. Seine Fraktion, die CDU, hat für die kommenden Landtagssitzung eine Aktuelle Debatte zum Thema Wolfsmanagement beantragt. Foto: Stefanie Böhme

Betroffene Schäfer finden keine Ruhe mehr

Dabei geht es den Schäfern nicht nur um bessere finanzielle Unterstützung, wenn sie Verluste durch den Wolf erleiden, sondern viele von ihnen haben blanke Existenzängste. So erzählt Christian Kruse beispielsweise, dass er unbedingt Schäfer werden wollte, die Familie den Betrieb deswegen extra vergrößert habe und nun stünde man vor dem Aus, wenn das so weiter ginge. „Jedes Mal, wenn das Handy piept, habe ich sofort ein schlechtes Gefühl und Angst, dass wieder etwas mit den Schafen passiert ist, insbesondere abends und nachts!“ Aber noch will er die Hoffnung nicht aufgeben, dass die Landespolitiker eine Lösung finden, mit der alle Beteiligten leben können.

Konflikt zwischen Natur- und Artenschutz

Beim Vorsitzenden des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bernhard Daldrup (CDU) stößt er damit auf offene Ohren. „Es geht uns nicht darum, den Wolf auszurotten, sondern darum, dass alle damit leben können.“ Er sagte weiter, Artenschutz sei durchaus sinnvoll, habe aber auch seine Grenzen, spätestens wenn Existenzen auf dem Spiel stünden und die Sicherheit in Gefahr sei.

Daldrup führte weiter aus: Beim Thema Wolf handle es sich um einen „klassischen Zielkonflikt zwischen Natur- und Artenschutz“. Denn einerseits habe sich das Land in den letzten Jahren sehr dafür eingesetzt, dass Schäfer verstärkt bei der Landschaftspflege insbesondere auf Deichen eingesetzt würden, andererseits sei der Wolf nun mal eine geschützte Art. Dennoch sieht Daldrup derzeit keine andere Lösung als die Zahl der Wölfe langfristig auf eine erträgliche Zahl zu begrenzen.