Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrten Damen und Herren! Nach einer Prognose der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt werden im Jahr 2025 acht Landkreise und zwei kreisfreie Städte einen zahnmedizinischen Versorgungsgrad von unter 100 % aufweisen. Im Jahr 2030 werden alle Landkreise und kreisfreien Städte des Landes eine Unterversorgung aufweisen.

Dieser, in seiner Dringlichkeit unmissverständliche Befund stammt aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage meiner Fraktionsvorsitzenden Frau Lüddemann vom April des vorigen Jahres. Natürlich besteht an dieser Stelle dringender Handlungsbedarf. Daran besteht überhaupt kein Zweifel.

Sowohl in der Antwort auf die angeführte Kleine Anfrage als auch in dem Bericht der Landesregierung zum Landtagsbeschluss „Situation der zahnärztlichen und kieferorthopädischen Versorgung im Land Sachsen-Anhalt“ vom 28. Februar 2020 werden verschiedene geplante und auf den Weg gebrachte Projekte und Vorhaben zu dieser Problemstellung benannt: von neu anlaufenden Beratungsangeboten, diskutierten Stipendienprogrammen   dazu wurde bereits etwas gesagt   bis hin zu ersten Diskussionen mit den Kassen über eine zahnärztliche Ständevertretung sowie über die Einrichtung eines Strukturfonds nach § 105 Abs. 1 SGB V. Hierzu einen aktuellen Sachstand zu erhalten   bereits heute durch die Ministerin geschehen und dann auch im Ausschuss  , ist sicherlich sinnvoll.

Zum Ausbau der Studienplätze hat die Landesregierung der siebenten Legislaturperiode bereits auf die zu treffenden investiven Förderungen sowie die nötigen Baumaßnahmen und die damit verbundenen Kosten verwiesen. Wenn wir gleichzeitig wissen, dass weniger als 50 % der hierzulande Studierenden als Zahnarzt oder Zahnärztin in Sachsen-Anhalt tätig werden, scheint es mir doch viel wichtiger, in Maßnahmen zu einer Erhöhung dieser Quote zu investieren.

Es scheint so, als ob die Erhöhung der Zahl von Studienplätzen eben nicht die alleinige und vielleicht nicht einmal die wirksamste Maßnahme in der Frage der Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Sachsen-Anhalt ist. Viel wichtiger ist, die Arbeit von Ärzten und Zahnärzten in Sachsen-Anhalt attraktiver zu machen.

Dass etwa Angestelltenverhältnisse im ärztlichen Bereich, insbesondere bei der jungen Generation, auf hohen Zuspruch treffen, haben wir in der Diskussion zum ambulanten Versorgungsbereich schon oft gehört. Es liegt auf der Hand, solche Angebote auch im Bereich der Zahnmedizin auszubauen. An dieser Stelle sind dann auch die Kommunen gefragt, als Träger von potenziellen MVZ.

(Zustimmung)

Land, Kommunen und die kommunale Selbstverwaltung müssen hierfür gemeinsam innovative Modelle entwickeln. Auch wenn das Land in der Verantwortung formal nicht an erster Stelle steht   denn der Sicherstellungsauftrag liegt nun einmal bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung  , so steht natürlich außer Frage, dass wir bei dieser zentralen Frage der Daseinsvorsorge nicht die Hände in den Schoß legen können.

Wir bitten um die Überweisung dieses Antrages in den Sozialausschuss, um dort zusammen mit den angesprochenen Akteuren ins Gespräch zu kommen und geeignete, gemeinsame Maßnahmen zur Sicherung der zahnmedizinischen Versorgung zu entwickeln. - Vielen Dank.

(Zustimmung)