Tobias Krull (CDU):

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Überalterung ärztlicher Fachkräfte in Sachsen-Anhalt ist ein Phänomen, das nicht nur den Kreis der Haus- und Fachärztinnen und  ärzte betrifft, sondern auch den Kreis der Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung sowie die Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt haben die Thematik auf unterschiedlichen Wegen in die Öffentlichkeit und auch in die Politik getragen. Als Reaktion darauf ist im Koalitionsvertrag der CDU, der SPD und der FDP verankert worden, dass auch Maßnahmen wie die Landarztquote analog für diesen Bereich ergriffen werden sollen. Aber auch die Einführung einer solchen Quote allein wird nicht dazu führen, dass die bestehenden Defizite abgebaut werden. Dafür sind aus der Sicht meiner Fraktion eine ganze Anzahl unterschiedlicher Maßnahmen erforderlich.

Diejenigen, die dem Landtag schon länger angehören, werden sich an die Diskussion um den baulichen Zustand der alten Zahnklinik des Uniklinikums der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale) erinnern.

(Zuruf: Richtig!)

In diesem Fall war es mit viel bürgerlichem Engagement und politischer Unterstützung, allen voran die CDU, möglich, die neuen Räumlichkeiten auf den Weg zu bringen und im Jahr 2017 mit einer Topausstattung zu eröffnen. Damit wurden optimale Rahmenbedingungen dafür geschaffen, das Zahnmedizinstudium in Sachsen-Anhalt zu absolvieren.

(Zuruf: Ja! - Zustimmung)

Leider bleiben nicht all diejenigen, die ein entsprechendes Studium in Halle (Saale) absolvieren, auch dem Land Sachsen-Anhalt treu. Genauso wie Landeskinder für ein Studium unser Land verlassen, kommen Menschen aus anderen Teilen Deutschlands für ein Studium zu uns. Es gilt also, Maßnahmen zu ergreifen und aktiv Werbung für den Standort Sachsen-Anhalt als Lebens- und Arbeitsort zu betreiben. Hierfür leistet aus meiner Sicht die Kassenzahnärztliche Vereinigung bereits sehr gute Arbeit.

Auf das Zahnforum Halle wurde bereits verwiesen. Dies ist ein Ort, an dem sich Studentinnen und Studenten nicht nur untereinander verständigen, sondern vor allem auch Beratung und Unterstützung erfahren, auch was die eigene berufliche Karriere in Sachsen-Anhalt angeht, z. B. durch die Vermittlung entsprechender Praktika und die Kontaktvermittlung von Praxisinhabern und Praxisinhaberinnen, die nach Nachfolgerinnen und Nachfolgern suchen.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung geht aber noch einen Schritt weiter. Es wurde auf das Stipendienprogramm verwiesen. Darüber hinaus stellen auch verschiedene Kommunen Überlegungen dazu an, Stipendienprogramme selbst aufzulegen oder diese zu unterstützen.

Weitere Anstrengungen zielen darauf, dass junge Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden erst einmal im Angestelltenverhältnis tätig sind, um ihnen eine Perspektive zu geben und ihnen einen gewissen Geschmack auf die Selbstständigkeit zu machen, ohne dass sie gleich von Anfang an mit einer gewissen finanziellen Belastung in ihre berufliche Karriere starten.

All diese Maßnahmen sind richtig und wichtig. Vermutlich werden wir nicht darum herumkommen, weitere zusätzliche Studienplätze im Bereich der Zahnmedizin einzurichten. Dafür müssen aber auch die richtigen Rahmenbedingungen vorliegen, also neben den faktischen Möglichkeiten, räumlich wie personell das Studium zu absolvieren, auch dessen Finanzierung. Die Verantwortung allein beim Land zu sehen, überfordert die bestehenden finanziellen Ressourcen des Landes; denn diese sind begrenzt bzw. ein knappes Gut.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Genau wie Ihre Redezeit, Herr Krull. Deswegen jetzt ein letzter Satz.

(Lachen und Zustimmung)


Tobias Krull (CDU):

Daher fordern wir auch die Ampel-Koalition im Bund auf, ihrer Verantwortung nachzukommen; denn der Ärztemangel ist kein Problem des ländlichen Sachsen-Anhalts, sondern eines in ganz Deutschland. - Vielen Dank.

(Beifall)