Dr. Hans-Thomas Tillschneider (AfD):

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Der vorliegende Antrag der LINKEN trägt den Titel „Sozialer Spaltung durch Lehrkräftemangel konsequent entgegentreten!“. Das ist doch sehr irreführend. Der Titel „Gymnasiallehrer und Gymnasium abschaffen, Einheitslehrer einführen“ wäre ehrlicher gewesen.

Sie stellen fest, dass der Lehrermangel an Sekundarschulen stärker ist als an Gymnasien, nehmen dann aber diesen Befund, an dem keine Zweifel bestehen, zum Anlass, um das zu fordern, was das eigentliche Ziel Ihrer ganzen Bildungspolitik ist: die Abschaffung des Gymnasiums und die Einführung eines Einheitsschulwesens, wie es sich nur waschechte Kommunisten in ihren feuchten Träumen ausmalen können.

(Zustimmung - Zuruf: Zum Beispiel die Kommunisten in Finnland!)

Sie fordern mit Ihrem Antrag, die bisherigen Lehramtslaufbahnen für Sekundarschule und Gymnasium zugunsten einer einzigen Lehramtslaufbahn für alle Schulformen aufzuheben. Das wäre nicht nur das Ende des Gymnasiallehrers, sondern auch das Ende des Gymnasiums.

(Zuruf: Oh!)

Denn wie sollen wir ein Gymnasium als profilierte Schulform noch behaupten, wenn es keine speziell für diese Schulform ausgebildeten Lehrer mehr gibt?

(Thomas Lippmann, DIE LINKE: Sie armer Tor!)

Sie tun also Folgendes: Sie nutzen den Lehrermangel als billigen Vorwand, um Ihren kommunistischen Wahnideen zu huldigen.

(Zurufe: Oh!)

Ihre Wut auf das Gymnasium ist ein ganz billiger Reflex. Das Gymnasium ist Ausdruck der Idee des Bildungsbürgertums und zieht also gleich doppelt Ihren Hass auf sich. Denn Sie als LINKE hassen die Idee der Bildung und noch mehr hassen Sie das Bürgertum.

(Zustimmung)

Wissen Sie: Das Gymnasium ist durch die herrschende linke Bildungspolitik schon schwer angeschlagen. Sein Niedergang spiegelt den allgemeinen Niedergang unseres Bildungswesens wieder. Wollen wir den Niedergang des Bildungswesens aufhalten, dann müssen wir genau das Gegenteil von dem tun, was Sie wollen: Wir müssen das Gymnasium als Institution stärken.

(Zuruf: Alle Kinder ins Gymnasium!)

Das können wir erreichen, indem wir etwas tun, was auch die Gymnasiallehrerschwemme und den Mangel an Sekundarschullehrern beheben würde. Wir müssten nur die Anforderungen an die Ausbildung der Gymnasiallehrer erhöhen, die Ausbildung zum Gymnasiallehrer also ein wenig anstrengender machen. So reduzieren wir einfach, leistungsgerecht und leistungsstimulierend den Anteil der Lehramtsstudenten, die sich für das Gymnasium entscheiden, und erhöhen den Anteil der Studenten, die sich für die Sekundarschule entscheiden.

Sie sehen also: Nicht mehr Gleichheit, sondern mehr Differenzierung löst das Problem - ein Gedanke freilich, den Kommunisten nie verstehen werden, weshalb bisher auch alle kommunistischen Experimente auf dieser Welt gescheitert sind. Gott sei Dank, will man sagen.

(Beifall)