Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mir wurde gerade zugerufen, dass kriege ich jetzt nicht mehr getoppt. Das ist auch tatsächlich so. Vielleicht ist es aber auch richtig und wichtig, dass man die Diskussion einmal versachlicht.

Ja, es sind in der Vergangenheit Fehler gemacht worden. Aber sind wir einmal ehrlich. Wir haben Fehler auch wieder rückgängig gemacht.

(Zustimmung)

Wir haben in dieser Legislaturperiode beispielsweise die Möglichkeit eingeräumt, dass an der Universität in Magdeburg Mathematik- und Physiklehrerinnen ausgebildet werden können.

Aber was stellen wir jetzt fest? - Das Problem ist nicht, dass wir zu wenige Studienplätze haben, wie es jetzt mit dem Antrag der Fraktion DIE LINKE suggeriert wird. Das Problem ist, dass wir nicht mehr genügend junge Leute finden, die bereit dazu sind, sich für die Studienplätze zu bewerben. Daran müssen wir ansetzen.

(Beifall)

Ich erinnere mich noch an eine Weltenretterkampagne, Herr Minister. Damals haben wir geschmunzelt. Was mich aber noch viel mehr verwundert, das ist, dass ich davon nie wieder etwas gehört habe, geschweige denn, wie viele Weltenretter wir mit dieser Kampagne tatsächlich gewinnen konnten.

Ich glaube, die Idee war eigentlich, dass wir Studierende für das Lehramt für die Universitäten gewinnen bzw. dass wir Seiten- und Quereinsteiger gewinnen. Da das mit den Seiten- und Quereinsteigern auch immer schwierig war, kann solch eine Kampagne wenig bewirken.

Deshalb glaube ich, das, worüber wir heute hier diskutieren, sind tatsächlich strukturelle Probleme. Wir lösen die strukturellen Probleme nicht dadurch, dass wir mit einem Fingerschnipsen sagen, diese Maßnahme ist es: Wir brauchen mehr Studienplätze und das Problem ist gelöst.

Es braucht acht Jahre, bis die Absolventen fertig sind und dann tatsächlich vor den Klassen stehen. Wenn wir schon jetzt die Studienplätze nicht besetzen können, dann nützen uns auch mehr Studienplätze nichts.

Was die Frage betrifft, wir machen jetzt einen Einheitslehrer, einen Studiengang für Lehrer an allen Schulformen. Ich glaube, auch das löst das Problem nicht, dass hinterher alle Absolventen trotzdem wieder an die Gymnasien wollen. Das Problem ist das Image.

Die Sekundarschulen sind eben scheinbar nicht so attraktiv, was nicht stimmt. Wir haben an den Gemeinschaftsschulen mittlerweile auch die Möglichkeit, Sekundarschullehrer der Stufe II einzustellen, aber die meisten wissen das nicht bzw. kennen gar nicht die tollen Konzepte. Deswegen haben wir hierbei ein Vermittlungsproblem.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, es ist unser aller Aufgabe, an den Schulen dafür zu werben. Wir haben ganz tolle Beispiele dafür gefunden, etwa in Gardelegen. Dort wird schon am Gymnasium dafür geworben, später an dieser Schule Lehrer zu sein. Das hat auch funktioniert. Das hat nur dann nicht funktioniert, als sie tatsächlich fertig waren, das zweite Staatsexamen hatten und sich wirklich an dieser Schule beworben haben; denn sie sollten die Stelle erst nicht erhalten. Daraufhin haben wir sie unterstützt, damit das möglich wurde.

Ich glaube, es sind zum Teil kleinteilige Dinge, die wir tun müssen. Wir brauchen aber auch längerfristig noch andere Ideen für eine flexiblere Lehrerausbildung. Man muss die Themen Seiteneinstegerinnen und Seiteneinsteiger, Lehramtsausbildung und vielleicht auch die Kombination mit anderen Studiengängen noch einmal stärker miteinander verzahnen. Ja, dafür braucht man ein bisschen Flexibilität. Die habe ich in den Diskussionen mit den Rektoren der Universitäten manchmal auch vermisst. Ich bin aber optimistisch, dass es uns, wenn wir immer wieder in die Wunde piksen, in der nächsten Legislaturperiode gelingt, kluge Lösungen zu finden. - Vielen Dank.

(Zustimmung)