Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die Reformation endete eben nicht mit dem Thesenanschlag 1517, sondern sie war Anstoß für weitere Entwicklungen, die lange nachwirken, denen wir heute noch bestimmte Werte und Verständnisse verdanken.

Tatsächlich ist eines dieser Ereignisse die Fürstenpredigt von Thomas Müntzer, die sich 2024 zum 500. Mal jährt. Das ist für uns Anlass, an die positiven Erfahrungen mit Jubiläen aus der Vergangenheit anzuknüpfen. Der Herr Staatsminister hat schon die Lutherdekade erwähnt. Wir haben im vorletzten Jahr „100 Jahre Bauhaus“ gefeiert. Wir haben dieses Ereignis nicht nur gefeiert, sondern es ist uns gelungen, mit diesen Highlights tatsächlich auch Menschen aus anderen Bundesländern, ja sogar aus anderen Ländern Europas und der Welt nach Sachsen-Anhalt zu holen.

Ich glaube auch, dass das Jubiläum der Fürstenpredigt - ich nenne auch ganz bewusst das Jubiläum der Fürstenpredigt; denn darüber, ob man bei einem Bauernkrieg von einem Jubiläum sprechen kann, muss man tatsächlich noch einmal nachdenken und diskutieren - ist ein guter Anlass, auch die Rolle Müntzers in der Geschichte noch einmal neu zu bewerten.

Bisher gibt es das Konzept gar nicht. Im Gegensatz zu den Jubiläen um Luther und das Bauhaus mussten wir die Staatskanzlei beim Thema Müntzer und Bauernkrieg ein Stück weit zum Jagen tragen. Mit der Anhörung im Ausschuss für Bildung und Kultur haben wir zumindest erreicht, einmal darzustellen, was die Aktiven vor Ort tatsächlich schon an Ideen und an konkreten Projekten auf den Weg gebracht haben. Aber dafür brauchen sie eben noch Hilfe und Unterstützung.

Es bedarf insbesondere einer zentralen Koordinierung. Deshalb haben wir mit diesem Antrag, um dessen Unterstützung ich Sie bitte, darauf hingewiesen, dass es tatsächlich eines zentralen Projektbüros in der Staatskanzlei für die Vorbereitungen des Jubiläums bedarf. Damit sind nicht nur Jubelfeiern, sondern tatsächlich auch die Debatten über das Thema Müntzer und Bauernkrieg gemeint. Dafür müssen auch die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt werden. Es ist auch in Aussicht gestellt worden, dass wir vonseiten des Bundes zusätzliche Gelder bekommen. Auch das ist ein Anlass dafür, noch einmal tiefgründig eine gute Konzeption zu entwickeln, bei der sich alle Akteure eingebunden fühlen und mit der wir 2024 gut gerüstet in unser nächstes Jubiläum gehen können. - Vielen Dank.

(Zustimmung)