Thomas Lippmann (DIE LINKE):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Ich will zunächst dem Bildungsminister insofern recht geben, als unsere Meinungen bei der Suche nach Wegen aus der Pandemie für die Schulen etwas weniger weit auseinandergehen, als es bei anderen Themen der Fall ist. Ich gebe ihm allerdings auch darin recht, dass es dennoch einen grundsätzlichen Dissens gibt, nämlich in der Frage, ob dem Prüfen in der derzeitigen Situation die Rolle zukommen kann, die wir ihm sonst zuweisen. - Lieber Minister Tullner, das hat nun wirklich nichts mit Wahlkampf zu tun, sondern einfach mit den E-Mails, die nicht nur wir, sondern sicherlich auch die Koalition, die anderen und Sie auf dem Tisch haben.

Ich habe in meiner Rede erwähnt, dass es wirklich Hinweise gibt, wie absurd das in den Schulen zum Teil gehandelt wird. Es gibt insgesamt - das ist möglicherweise auch ein Dissens in der Beurteilung - sehr wohl eine grundlegende Tendenz zu einem „Teaching for the test“. So nenne ich es einmal, um die anderen beiden Begriffe, die Sie kritisiert haben, nicht zu wiederholen. Zu diesem „Teaching for the test“, also sozusagen der Überbewertung von Prüfungen, den Über-Prüfungen - von dem Druckgerede von Herrn Tillschneider will ich gar nicht erst sprechen - gehen die Meinungen auch aus pädagogischer Sicht auseinander. Nur besteht in der jetzigen Situation die Tendenz, dass es zu einem Missverhältnis zwischen der Bewertung von Lernen und der Bewertung von Prüfen kommt.

Die Koalition hat das in ihrem Alternativantrag dankenswerterweise aufgegriffen - wenn auch abgeschwächt, aber es war durchaus zu bemerken. Ich gehe davon aus, ohne Sie jetzt fragen zu können, dass es einen Brief des Ministers nicht nur an die Schulleitungen, sondern an die Schulen insgesamt geben wird. So etwas gibt es hin und wieder und erscheint im Amtsblatt. Ich unterstelle jetzt einmal oder wünsche mir an dieser Stelle zumindest, dass der Minister sich gerade in dieser Frage an die Lehrkräfte und Schulleitungen wenden und klare Worte finden wird.

Angenommen, es gäbe einen solchen Brief des Ministers an die Schulen, dann würde ich mir einfach zusätzlich wünschen, dass das, was in unserem Antrag steht, berücksichtigt wird: die Schulen dazu zu ermutigen und dabei zu unterstützen, die Möglichkeiten aus dem Bildungs- und Teilhabepaket intensiv zu nutzen. Sie sollen auf die Eltern zugehen und sie bei der Antragstellung unterstützen. Die Schulen sollen vor allem dann, wenn sie bescheiden müssen, ob das notwendig ist, ihre Entscheidung nicht etwa an eine Versetzungsgefährdung binden, sondern wirklich großzügig sein, um den Defiziten Rechnung zu tragen.

Das wären ausdrückliche Erwartungen - Schrägstrich: Wünsche  , wie gegenüber den Schulen agiert wird.

Last, but not least richte ich die Forderung an die Landesregierung, an die Koalition, sich die Programme in Bayern anzuschauen und auch an dieser Stelle Geld in die Hand zu nehmen, um es den Schulen in Form eines Personalkostenfonds auszureichen oder für die Unterstützung von Lernangeboten in den Ferien zu verwenden, wenn sie denn gewünscht werden.

Wir haben Erfahrungen mit solchen Sommercamps, die gar nicht besonders gut sind. Wir haben das nur deswegen aufgegriffen, weil man in der derzeitigen Situation nicht weiß, ob es unter den jetzigen Gegebenheiten bei den Eltern und den Schülerinnen und Schülern nicht doch durchaus einen Bedarf gibt, sich auch in den Ferien hinzusetzen. Ansonsten stehen wir dazu, dass die Kinder und die Familien die Wochenenden genauso wie die Ferien brauchen, um sich sozusagen von der Schule zu erholen. Die Möglichkeiten der Familien müssen unterstützt werden, damit nicht alles mit Schule zugetextet wird.

Wenn wir uns in den Punkten, die ich jetzt genannt habe, noch ein Stückchen bewegen, dann könnte es sein, dass wir in der Beurteilung, wie die Schulen aus der Krise herauskommen, noch ein kleines Stückchen näher zusammenrücken. - Vielen Dank.

(Zustimmung)