Matthias Lieschke (AfD):

Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Der Landtag hat in der 42. Sitzung am 25. Januar 2018 den Beschluss gefasst, nach dem Auslaufen des EU-Förderprogramms Brafo dieses fortzusetzen. Das ist die Beschlusslage. Alles, was Sie jetzt fordern, entstammt der Sichtweise von Lehrern und wird nicht funktionieren, werte LINKE. Sie fordern, berufliche Orientierung online durchzuführen. Schüler vor einen Bildschirm zu setzen und dann zu sagen „Mach mal!“, das wird nicht funktionieren.

Sie fordern Übersichten zur Berufsorientierung. Was machen wir denn mit den Übersichten, die es übrigens schon gibt? Ein tolles Archiv aufbauen, in welches niemand hineinschaut, oder vielleicht neues Personal in einer neuen Behörde einstellen? Keine Ahnung, was das soll.

Digitale Lernmethoden in der Berufsschule. Viele Schüler gehen in die Berufsausbildung, um eben nicht vor dem PC zu sitzen. Sie wollen Handwerker sein und mit den Händen arbeiten. Sie sind deswegen nicht den anderen Bildungsweg gegangen und studieren. Sie wollen Handwerker sein. Das hat die Fraktion DIE LINKE überhaupt nicht verstanden.

Dementsprechend ist es ein Antrag, der die Probleme, die vorhanden sind, gar nicht löst. Ich weiß, vielen von Ihnen fällt es schwer, die Sichtweise von Handwerkern zu erfassen. Aber versuchen Sie es trotzdem. Wir brauchen Handwerk zum Anfassen. Die Zielgruppe sind alle Schüler - Punkt  , ja, auch Schüler, welche in Richtung Studium tendieren; denn oftmals sind vorgeprägte Meinungen das Problem. In den Schulen und im Elternhaus darf es nicht heißen: Du musst aber studieren, sonst bist du zweiter Klasse.

Den jungen Menschen muss man die Möglichkeit geben, sich handwerklich zu betätigen. Ich sage nicht „informieren“, sondern „betätigen“. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Auch die Studenten müssen erkennen, dass sie nicht den besseren Weg eingeschlagen haben, sondern nur einen anderen Weg. Ein oder mehrere Praktika über mehrere Wochen können eine optimale Lösung sein. Aber die Unternehmen sollten über die Handwerkskammer die Unterstützung erhalten, um dies auch sicherstellen zu können; denn aktuell ist im normalen betrieblichen Ablauf eine strukturierte Arbeit mit den Schülern oftmals nicht möglich. Oftmals werden die Schüler nur zum Hoffegen genutzt. Ja, das ist ein Problem der Unternehmen, die hier dringend umdenken müssen. Wir wollen und wir brauchen Lösungen, um die Zukunft unseres Handwerks, unseres unternehmerischen Mittelstands abzusichern. Die Attraktivität des Handwerks muss endlich aufgewertet werden.

Die Lehrer betreiben oftmals Lobbyarbeit für Abitur und Studium. Schließlich sind sie ja denselben Weg gegangen. Doch wo ist die Lobby der Handwerker? Sie stehen vor den Schulen und können nicht auf die Schüler einwirken.

Ja, es gibt schon Praktika. In der Praxis sieht es aber so aus: Die Schüler bekommen einen Zettel und den Hinweis, sich einen Praktikumsbetrieb zu suchen. Hier wird dann oft etwas in der Nähe des Elternhauses gesucht oder eben, was gerade so passt. Das ist besonders im ländlichen Raum enorm schwierig. Findet man nichts, dann geht mal halt weiter in die Schule.

Die Wirkung vom Handwerk zum Anfassen ist nicht zu unterschätzen. Wenn man statt der Theorie in der Schule plötzlich vor einem Schweißgerät steht und selbst Dinge miteinander verschweißt, ist dies ein prägendes Erlebnis. Kaputte Dinge zu reparieren, statt etwas Neues zu kaufen, ist vielleicht auch für viele eine neue Erfahrung. Genau dieses Erlebnis bringt oft ein Umdenken zum Einstieg in den Beruf. Dafür sind die entsprechenden Angebote erforderlich.

Der Antrag der LINKEN ist in meinen Augen nicht mehrheitsfähig, weil er einfach am Ziel vorbeigeht. Den Antrag der Koalitionsfraktionen halte ich für vernünftig. Er sollte durchaus weiterbearbeitet werden. - Vielen Dank.

(Beifall)