Prof. Dr. Angela Kolb-Janssen (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich glaube, bei dem Thema Berufsbildung kann man der Koalition nicht vorwerfen, dass sie sich nicht intensiv darum bemüht habe, die Probleme, die Schwachstellen, die es in diesem System noch gibt, zu lösen, und zwar - das möchte ich auch noch einmal betonen - in Zusammenarbeit mit dem Bildungsministerium, bei dem die Hauptverantwortung liegt, und dem Sozialministerium, bei dem eine Vielzahl von Programmen, beispielsweise das Programm Brafo, angesiedelt ist.

Es gab in dieser Woche gerade eine Bilanz der Chefs der Industrie- und Handelskammern, die nicht positiv ausfällt, die aber feststellt, dass die Einbrüche bei den Azubi-Zahlen zumindest nicht so stark sind wie befürchtet. Man muss das natürlich differenzieren, weil es das Frisörhandwerk oder die Gastronomie ungleich härter trifft als die Unternehmen, in denen unter Coronabedingungen weitestgehend weitergearbeitet werden kann.

Deshalb, glaube ich, müssen wir uns jetzt gerade, was die praktischen Ausbildungsbedingungen betrifft, um die Branchen kümmern, in denen die Azubis eben nicht die Möglichkeit haben, eine normale praktische Ausbildung zu machen. Wenn die Frisörlehrlinge nur an einem Puppenkopf arbeiten können, dann ist das etwas anderes, als wenn sie ganz normal im Salon an unseren Köpfen die Dinge so lernen können, wie es notwendig ist.

Ich glaube, was das Brafo-Programm betrifft, haben wir gute Arbeit geleistet. Obwohl die Finanzmittel aufgestockt werden können, damit es ausgeweitet wird, reicht es noch nicht für alle Schulen. Aber wir bemühen uns, das in Zukunft noch auszuweiten.

Ein Programm ist noch nicht angeführt worden, von dem ich denke, dass es noch einen wesentlich besseren Vernetzungseffekt vor Ort hat, nämlich Rümsa. Das sind die Netzwerke vor Ort, die den Übergang zwischen Schule und Beruf gewährleisten, in denen wirklich alle aktiven Bildungsträger einer Region zusammenarbeiten und genau das machen, was Sie fordern, nämlich Übersichten über die Programme, die es tatsächlich schon gibt, zu erstellen.

Ich glaube, wichtig ist auch, dass die Regionen die Übersichten haben, welche Programme dort existieren. Dass wir das auch landesweit brauchen, ist zu bezweifeln. Mir erschließt sich ehrlich gesagt nicht, worin der Mehrwert liegt. Denn die regionalen Bedingungen sind eben manchmal doch unterschiedlich. Deshalb ist die Zusammenarbeit vor Ort aus meiner Sicht am wichtigsten.

Ich finde es gut, dass der Bund das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ aufgelegt hat, dass mit der Ausbildungsprämie tatsächlich eine Motivation geschaffen wird auszubilden. Man kann immer behaupten, das komme jetzt zu spät. Hinterher ist man immer schlauer und weiß, dass man das hätte früher machen können. Aber denjenigen, die das nutzen können, hilft das auch.

Insoweit bitte ich um Zustimmung zu unserem - wenn auch etwas unkonkreten - Antrag. Aber da ich auch von DER LINKEN gehört habe, dass das zustimmungsfähig ist, bin ich ganz optimistisch. - Vielen Dank.

(Beifall)