Jürgen Barth (SPD):

Vielen Dank. - Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Das Thema Wald ist ein wichtiges Thema. Es interessiert jeden Bürger in unserem Land. Vor allen Dingen der Zustand des Waldes, die Gesundheit des Waldes ist, denke ich, ein wichtiges Anliegen der Gesellschaft.

Vielen Dank, Frau Ministerin, für Ihre Regierungserklärung zum Thema Wald. Ich denke, es ist gut und richtig, dass wir auch in der Pandemie andere Krisen nicht vergessen. Die Klimakrise ist immer der Gefahr ausgesetzt, kleingeredet zu werden. Dabei konnten wir die ersten Auswirkungen schon spüren. Die letzten Hitzejahre haben nicht nur der Landwirtschaft zugesetzt, sondern auch unserem Wald. Wir werden auch davon ausgehen müssen, dass solche Hitzejahre eher zur Regel werden als Ausnahme bleiben.

Wenn wir über den Wald reden, dann sollten wir uns zunächst seine wichtigen Funktionen noch einmal vor Augen führen. Ich denke, man kann es nicht oft genug wiederholen. Der Wald ist ein Erholungs- und Rückzugsort für Menschen und ein Lebensraum für Wildtiere und andere Lebewesen. Er erfüllt wichtige Funktionen für das Klima, aber der Wald ist auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 90 % des Waldes sind Wirtschaftswald. Ich denke, niemand in diesem Hohen Haus möchte dies abschaffen. - Herr Daldrup, so lege ich die Rede der Frau Ministerin nicht aus. Aber, wie gesagt, der Wahlkampf hat begonnen. Vor diesem Hintergrund kann ich Ihre Worte nachvollziehen.

(Zustimmung)

In Sachsen-Anhalt haben wir ca. 50 000 Waldbesitzer. Der durchschnittliche Waldbesitzer bewirtschaftet rund 5 ha Wald. Ich denke, die Strukturen sind zurzeit noch in Ordnung. Aber wir sollten aufpassen, dass es auch in Zukunft bei der Durchmischung von großem und kleinem Eigentum bleibt.

(Zustimmung)

Deshalb sollten wir auch die Menschen, die lediglich eine Fläche von 5 ha bewirtschaften, nicht vergessen, wenn wir heute an die Zukunft des Waldes denken.

(Zustimmung)

Meine Damen und Herren! Für Sachsen-Anhalt hat der Wald eine wichtige Bedeutung. Knapp 26 % der Landesfläche Sachsen-Anhalts bestehen aus Wald. Das sind rund 532 481 ha. Derzeit besteht unser Wald zu 58 % aus Nadelwald. Dabei ist die Kiefer die häufigste Baumart mit einem Anteil von rund 47 %. Der Anteil schwankt aber immer ein wenig. In der Stichprobe zum Waldzustandsbericht betrug er mehr als 50 %. Einen vergleichsweise geringen Anteil von 6 % macht die Fichte aus.

Meine Damen und Herren! Frau Ministerin hat in ihrem Waldzustandsbericht einige Fakten dargestellt, die sie auch heute wieder angesprochen hat. Wichtiges Fazit ist: Dem Wald geht es schlecht. Auch das Jahr 2020 brachte keine Entlastung.
Der Bericht stellt fest, dass es erneut zu warm war. Wir haben im dritten Jahr in Folge eine extreme Witterung zu verzeichnen. Dadurch nahmen die Schäden deutlich zu.

Der Bericht zeigt außerdem, dass nicht nur einzelne Baumarten betroffen sind, sondern dass der Vitalitätszustand aller Bäume schlechter wird. Der Anteil der stark geschädigten Bäume ist zwar rückläufig, aber mit 10,1 % noch immer viel zu hoch.

Der Bericht stellt fest, dass die Klimaanpassung derzeit die größte Herausforderung der Forstbetriebe sei. Dies wird begleitet durch Schäden, die Insekten und Pilze anrichten.

Meine Damen und Herren! Wer im Jahr 2020 einmal im Harz war, der konnte sich mit eigenen Augen davon überzeugen, welche Schäden der Borkenkäfer anrichtet. Wir haben in diesem Hause schon des Öfteren darüber diskutiert. Diese Schäden haben im Jahr 2020 weiter zugenommen. So seien ab Ende Mai nicht nur besonnte Bestandsränder, sondern auch Fichten im Bestandsinneren befallen worden.

Sehr besorgniserregend ist auch der Pilzbefall. Hiervon sind hauptsächlich Buche, Ahorn und Kiefer betroffen. Kurze Erinnerung: Die Kiefer ist die in Sachsen-Anhalt am weitesten verbreitete Baumart; ich habe es vorhin schon erwähnt.

Derzeit scheint es so, dass Kiefern laut dem Waldzustandsbericht eine eher moderate Reaktion auf das Witterungsgeschehen zeigen. Verschlechtert sich deren Vitalitätszustand, wird sich wahrscheinlich auch der Pilzbefall verstärken.

Was wird gerade getan? - Geld für die Beräumung der Kalamitäten wird über die Richtlinie Waldschutz bereitgestellt. Die vorgesehenen Haushaltsmittel finden sich bei Einzelplan 09 Titelgruppe 76 wieder. Im Doppelhaushalt 2020/2021 stehen hierfür jeweils rund 11,2 Millionen € zur Verfügung.

Für die Wiederaufforstung einer naturnahen Waldbewirtschaftung stehen EU-Mittel aus ELER zur Verfügung. Für die Kofinanzierung der ELER-Mittel sind Landesmittel eingeplant. Das sind in den Jahren 2020 und 2021 jeweils Mittel in Höhe von 5,6 Millionen €.

Da der Anteil der Mittel zur Kofinanzierung der ELER-Mittel 25 % beträgt, können so jährlich rund 20 Millionen € an Fördermitteln für den Wald ausgereicht werden. Das hört sich erst einmal gut an. Aber ein Blick in die Schadensbilanz zeigt, dass dies ein Tropfen auf den heißen Stein ist. So sind zwischen den Jahren 2018 und 2020  13,5 Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Die Fläche, die wiederaufgeforstet werden muss, beträgt 23 000 ha. Zur Relation: Das entspricht der Fläche von 32 212 Fußballfeldern.

Frau Dalbert hat in Ihrer Rede festgestellt, dass wir zukünftig auch mehr Landesgeld investieren müssen. Ich denke, das wird auch dringend notwendig sein.

(Zustimmung)

Kurz ein paar Worte zum Waldaufbau. Frau Dalbert, diesbezüglich können wir als SPD im Großen und Ganzen Ihrer Linie folgen, die Sie vorhin dargestellt haben. Wir müssen weg von Monokulturen hin zu Mischwäldern. Der Waldumbau und die Waldverjüngung sind wichtig. Der Waldumbau muss nach bestem Wissen und Gewissen geschehen. Die Entscheidungshilfe zur klimaangepassten Baumartenwahl begrüßen wir erheblich.

Was den Wildverbiss betrifft, den Sie auch in Ihrer Rede angesprochen haben, haben Sie sicherlich die Jäger in unserem Land an Ihrer Seite. Ich denke, es helfen hier auch Gespräche, um eine vernünftige Wildbewirtschaftung in den Wäldern zu erzielen, damit der Verbiss in Zukunft nicht noch größeren Schaden verursacht.

Zur Waldbrandbekämpfung möchte ich kurz sagen, dass wir hierbei sicherlich noch Reserven haben. Gerade was die Wasserbereitstellung in den Wäldern betrifft, müsste, denke ich, zukünftig noch mehr getan werden, um die Brände effektiver bekämpfen zu können, wenn sie schon da sind.

Ein Thema, das ich in den vergangenen Jahren meiner Tätigkeit im Landtag immer wieder angesprochen habe, ist die Abschaffung der Doppelstrukturen. Sollte unsere Fraktion wieder die Gelegenheit bekommen, in einer nächsten Landesregierung mitzuwirken, wird das bestimmt wieder ein Thema in den Koalitionsverhandlungen sein.

(Zustimmung)

So wie Herr Daldrup schon Elemente eingestreut hat, werde ich dazu auch ein Element einstreuen. Wir haben in diesem Haus immer wieder über die Personalstruktur diskutiert. Ich denke, das sollte man in der Diskussion über die Strukturen in der Forstverwaltung bei uns im Land mit erörtern.

Zur Ausbildung brauche ich hier nichts weiter zu sagen; das ist in den vergangenen Jahren gut gelaufen. Ich denke, wir sollten zukünftig daran festhalten. Ich sehe niemandem im Raum, der unsere Ausbildungsstätte infrage stellt. Sicherlich könnte man noch mehr Auszubildende übernehmen. Ich denke, es wird aufgrund der bestehenden Altersstruktur zukünftig durchaus hilfreich sein, dass wir selber so viel Personal ausbilden.

Für uns als SPD spielen neben den ökologischen Aspekten auch immer die sozialen Aspekte eine Rolle beim Einkommen aus dem Wald. Deshalb hat Frau Ministerin vollkommen recht, dass wir die Bauordnung angepasst haben, um das Bauen mit Holz zu erleichtern. Ich denke, man sollte zukünftig mehr machen, um diese Wertschöpfungsketten noch besser gestalten zu können.

Sie haben ein Unternehmen aus Finnland erwähnt. Ich möchte hier einen weiteren Fall erwähnen. In Österreich wurde eine Studie vorgestellt, wie man Schadholz zu Bioethanol verarbeiten kann. Ich denke, diese Möglichkeit sollten wir auch in Sachsen-Anhalt nutzen.

Zum Schluss noch einige Worte zu den Ökosystemleistungen. Ich weiß, dass ich hierbei nicht ganz auf der Linie mit meiner Bundes-SPD bin. Aber ich denke, trotzdem ist es so, dass der Wald allen zugutekommt. Deshalb möchten wir, dass Ökoleistungen anerkannt und vergütet werden. Somit würden wir die Forstbesitzer beim Waldumbau noch weiter unterstützen. Da durch den Wald langfristig CO2 gebunden werden kann, wäre es nur folgerichtig, diese Leistungen aus dem Topf der CO2-Steuereinnahmen zu vergüten.

(Zustimmung)

Meine Damen und Herren! Ich bin am Ende meiner Rede. Ich hoffe, in diesem Jahr macht der Wettergott nicht solche großen Kapriolen. Ich denke, wir brauchen mehr Wasser, auch im Winter. Zurzeit sieht es fast so aus. Ich denke, das wird so weitergehen. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall)