Hannes Loth (AfD):

Werte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Wälder der Zukunft: Wie diese genau aussehen werden, kann niemand vorhersehen. Aktuell ist das Wetter zwar endlich wieder waldfreundlich, da es regnet und frostig ist. Aber diese Episode kann über den Ernst der Lage, die wir vorfinden, nicht hinwegtäuschen. Deshalb will ich auch auf den eigentlichen Inhalt Ihrer Erklärung, nämlich was zu tun ist, fokussieren.

Drei Stürme, drei trockene Jahre in Folge, 1 bis zu 1,50 m tief ausgetrockneter Waldboden, diverse Schädlinge und Krankheiten haben so viele Bäume so geschädigt, dass das Baumsterben auch so schnell nicht aufhören wird. Betroffen sind fast alle Baumarten, selbst Buche und Eiche, die bisher als Garant für eine ökologische Waldwirtschaft galten.

Dies führt zu einer weiträumigen Auflösung der vorhandenen Waldbestände und wird unzweifelhaft und zu Recht als Katastrophe bezeichnet. Gleichzeitig wird dem Wald in seiner Funktion als Klimaregulator im Ökosystem ein außerordentlicher Stellenwert zugemessen, den er nun nicht mehr wahrnehmen kann.

Auch wenn Sie nicht mit dem Zeigefinger agieren wollten, gestatten Sie mir doch den Einwand zur Monokultur Fichte. Auch die Monokultur Fichte war Wald, von dem Forstwirte und Forstleute über Jahrzehnte hinweg gut leben konnten. Auch dieser Wald hatte einen ökologischen Wert.

Und noch eine Anmerkung, Frau Ministerin. Das dürfte Ihnen vielleicht nicht so geläufig sein. Auch die Pflanzung des Waldes und dessen Pflege war ein hartes Stück Arbeit der Forstleute. Es geschah das Machbare und das Mögliche, eben alles, was das 16-Millionen-Volk unter der sowjetischen Auspressherrschaft bar jeglicher Ressourcen ohne transatlantische Unterstützung leisten konnte.

Kommen wir zum aktuellen Dilemma. Nach dem letzten Stand, den wir soeben gehört haben, gibt es 25 000 ha baumlose Blößen. Rechnet man einfach mit einer mit Fichten vollgestockten Fläche, die mit 400 Fichten auf 1 ha den meisten Anteil im Land aufweisen, wären das ca. zehn Millionen Bäume. Angefallen ist zudem eine Schadholzmenge - wir haben es gehört - von 13 Millionen Festmetern. Normalerweise werden 1,5 bis zwei Millionen Festmeter im Land eingeschlagen. Damit wäre der Ertrag von zehn Jahren verlustig.

Ein weiteres Beispiel: Eine 100 Jahre alte Buche ergibt 2,5 Festmeter Holz. Abzüglich der Erntekosten ergibt das einen Holzwert von ca. 500 €. Das wären dann 5,2 Millionen Buchen mit einem Wert von 2,5 Milliarden € Schaden. Experten bezifferten diesen Schaden im November 2018 auf 335 Millionen €. Die Waldbesitzer bezifferten ihren Schaden im Jahr 2020 auf knapp 1 Milliarde €. Das dürfte also auch so im Milliardenbereich liegen, wenn wir die Zahlen hochrechnen.

Bleiben wir bei dem Beispiel Buche. Es gibt auch noch den volkswirtschaftlichen Wert, der sich aus der Sauerstoffproduktion, dem Schattenwurf, Symbiose mit Lebewesen und vielem anderen mehr berechnet. Dieser Wert liegt bei 66 000 € je Buche.

Auf einer vollgestockten Buchenfläche stehen ca. 150 Buchen pro Hektar. Wenn man diese mit der Verlustfläche multipliziert, ergibt das einen Fehlwert von 3,7 Millionen Buchen mit einem volkswirtschaftlichen Wert von fast 100 Milliarden €. Diese kommen noch hinzu. Der Wert des Ersatzbaumes nach der Methode Koch beträgt 2 400 €. Das wären noch einmal 8,8 Millionen € oben drauf.

Dass unsere Waldbesitzer in einer solchen Situation weiter aufforsten und versuchen, unseren Wald zu retten, verdient höchstes Lob. Und sie verdienen dabei unsere volle Unterstützung. Zitate wie das des Staatssekretärs Klaus Rheda - er sagte: wer sich Wald leistet, muss auch sehen, wie er damit klarkommt - sind hierbei absolut fehl am Platz.

(Zuruf: Gibt es doch nicht!)

Natürlich gliedern sich die Schäden in verschiedene Baumarten und in weniger Festmeter, da auch jüngere Bäume starben. Also, Frau Ministerin, dann sollten Sie sich aber auch nicht verwundert darüber zeigen, dass die 15 Millionen € oder 17 Millionen €, die Sie in Aussicht gestellt haben, hierbei nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein können.

Wir kommen erst einmal zum Zeitpunkt und zum Zeitplan Ihrer Regierungserklärung, Frau Ministerin. Sie hätten uns längst erklären müssen, wie dramatisch die Lage ist. Und Sie und nicht wir hätten auch schon handeln müssen, also etwas tun müssen; denn Sie sind in der Regierung. Der richtige Titel Ihrer Erklärung hätte sein müssen: Für die Wälder der Gegenwart - was ich schon längst hätte getan haben müssen.

(Zustimmung)

Nachdem Sie alle Betroffenen viele Jahre lang hingehalten haben und die Wälder weiter starben, beschwören Sie jetzt das Wir. Ein Expertenrat des Landes oder ein Aktionsplan zum Walderhalt - das sind alles Dinge, die zum Wir gehören - wurden von den Waldbesitzern und hier im Parlament gefordert, von Ihnen, Frau Ministerin, bisher allerdings nicht als notwendig erachtet.

Bereits im August 2019 waren der Ex-Innenmister und der Ministerpräsident unzufrieden mit den Ergebnissen Ihrer Schadensregulierung im Wald. Beide stellten eine nie dagewesene Ausnahmesituation fest, die schnellstes Handeln erforderlich mache.

Der Koalitionspartner startete dann, ohne dass Sie, Frau Ministerin, dafür eine Notwendigkeit sahen, einen lokal begrenzten, aber werbewirksamen Minifeldzug der Bundeswehr zur Schadholzberäumung. Nach dem Ende dieser Episode blieben die Probleme allerdings weiterhin bestehen.

Was wurde getan? - Es gab Ausflüchte, immer wieder Ausflüchte über viele Jahre hinweg; und das Holz ist immer noch nicht vollständig beräumt.

Zudem waren alle anderen betroffenen Bundesländer immer einen Schritt voraus. Sie haben das Personal genommen, das wir ausgebildet haben. Bei uns wollte kaum jemand die personellen Lücken auffüllen. Dienstleister und Maschinen waren auch nicht immer zu haben.

Zu allem Unglück brach auch noch der Holzmarkt zusammen. Nun wird das Holz doch noch nach China verkauft und der Organisator präsentiert sich damit stolz in der Presse.

Wo liegen die Ursachen dafür, dass so vieles in unserem Forst aus der Bahn läuft? - Einiges liegt am Wald an sich. Er ist nach dem Krieg angelegt worden und man konnte die veränderten Umweltbedingungen nicht ahnen; Sie sagten das. Er sollte schnell die Verluste kompensieren, die entstanden sind.

Gerade wir im Osten mussten Reparationen liefern an den großen Bruder, an den Bruderstaat Sowjetunion. Deshalb musste der Wald schnell wachsen. Diese Reparationseinschläge wurden ständig vorgenommen. Auch das hat zur Planung des Forstes geführt.

Aber der Wald, so wie er sich bei Ihrer Amtsübernahme darstellte, passte Ihnen nicht ins Waldbild, Frau Ministerin. Wirtschaftswälder und Baumplantagen müssen weg; denn Sie wollen Wildnis ohne wirtschaftliche Tätigkeit, und zwar so schnell wie möglich.

Da kam Ihnen der Borkenkäfer, für den abgestorbene und geschwächte Bäume das Paradies darstellen, gerade recht. Im Nationalpark Harz hat er auch schon ganze Arbeit geleistet. Nun werden wir, die nächste Generation, warten, ob Ihr 25 000-ha-Experiment gelingt und irgendwann wieder ein Wald der Zukunft entstehen könnte.

Einzigartig ist auch Ihre Öffentlichkeitsarbeit, einen Forstschädling als positive Identifikationsfigur für den Waldverlust auszuloben. Nun, Berti der Borkenkäfer als Freund der Kinder war ein Flopp. Auch dieses Experiment ist Ihnen entglitten.

Jeder Forstexperte hat gefordert, Sturm- und Schadholz schnellstmöglich wenigstens an den Rändern des Parks weiträumig zu beräumen, um die Ausbreitung des Borkenkäfers zu verhindern und auch die Waldbrandgefahr am Rand etwas zu verringern. Es blieb bei 500 m Totholz und Berti zog weiter.

Und noch ein weiterer Wert ist interessant: Pro Hektar Wald, auf dem Totholz verfault wie im Nationalpark Harz, werden 28 t Kohlendioxid freigesetzt. Nach Angaben des Aktionsbündnisses Wald sind davon 2 000 ha im Harz betroffen. Das sind 0,5 Millionen t Kohlenstoff, die dieser Wald freisetzt.

Andererseits würde die Aufforstung von 15 000 ha Wirtschaftswald in Sachsen-Anhalt zu einer Kohlenstoffbindung von 3,5 Millionen t beitragen. Sie sehen also, der Wirtschaftswald dient dem Klimaschutz. Ein Wirtschaftswald kann dauerhaft CO2 binden. Ein nicht bewirtschafteter Wald bleibt klimaneutral.

Aber es gibt noch weitere Probleme. Der Altersdurchschnitt der Mitarbeiter im Landeszentrum Wald liegt bei 58 Jahren. Wie sollen sie diese Aufgaben bewältigen? - Dazu kommt Frau Ministerin im Februar 2020 bereits viel zu spät die Erkenntnis, dass in den Forstbetrieben mehr Personal benötigt wird.

Wir brauchen Menschen, die im Wald arbeiten. Dann kommen wir jetzt auch an den Rand. Auch auf dieses Problem sind Sie im Parlament und im Ausschuss seit 2016 regelmäßig hingewiesen worden.

Und um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, kommen wir zu Ihrer grandiosen Überlegung aus Ihrer windenergetischen Sprechstunde. Das Landesforstgesetz ignorieren Sie erst einmal komplett; da bleiben Sie sich treu, genau wie bei den Parlamentsbeschlüssen, die Sie nicht umsetzen.

Als gäbe es nicht bereits Waldschäden genug, sind Ihnen nun 36 000 ha Kiefernplantagen ein Dort im Auge. Bei 25 Kiefern pro Hektar sind das ca. neun Millionen Kiefern, die Sie in einem Gedankenexperiment erst mal schnell abholzen, um 5 000 MW Energieleistung für Windenergie zusätzlich aufzubauen.

Nun erzählen Sie uns heute auch noch etwas von Initiativen für Holz als Baustoff, erklären aber gleichzeitig, dass der Wirtschaftswald in seiner jetzigen Form nicht mehr existieren kann.

Also, auf der einen Seite müssen wir Baustoff produzieren für Ihre Forderung nach Holzhäusern, auf der anderen Seite wollen Sie keinen Wirtschaftswald, aus dem wir den Baustoff herbekommen. Vielleicht importieren wir ihn dann von irgendwelchen Plantagen in Südamerika. Eine Frage, Frau Ministerin: Fällt Ihnen dieser Widerspruch eigentlich gar nicht auf?

(Zuruf: Ne! Die ist immer so!)

Es stellt sich die Frage, was noch passieren muss, bevor die Zerstörungswut im Wald ein Ende findet. Ich konnte in der Kürze der Zeit nicht auf weitere Punkte eingehen, wie den Waldbrandschutz, Wasserspeicherung usw. Die Baumartenbroschüre begreift man wohl eher als Werbebroschüre der nordwestdeutschen Versuchsanstalt.

Fazit meiner Rede: Noch weitere fünf Jahre Forstpolitik der GRÜNEN in Sachsen-Anhalt, und der Wald ist entwaldet.

(Zustimmung)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Loth, es gibt eine Wortmeldung. Möchten Sie eine Frage beantworten? - Er hat nicht Nein gesagt. Also, bitte schön, Sie haben das Wort. Sie können Ihre Frage stellen.


Olaf Meister (GRÜNE):

Herr Loth, haben Sie gerade in einem Nebensatz die Existenz des Klimawandels eingeräumt? Wenn ja, ist das mit Herrn Farle abgesprochen? Und ist das die neue Politik der AfD?

(Heiterkeit)


Präsidentin Gabriele Brakebusch:

Herr Loth, bitte.


Hannes Loth (AfD):

Wenn Sie mir zugehört hätten, dann wüssten Sie, dass ich gesagt habe, dass eine Fläche von 15 ha Naturwald, der mit Totholz gefüttert ist, 0,5 Millionen t CO2 freisetzt, und dass ein Wirtschaftswald 3,5 Millionen t CO2 bindet.

In Anbetracht dessen, dass ich ja Mitglied im Landwirtschafts- und im Umweltausschuss bin und dort viel zu tun habe mit den Berechnungen des Ministeriums, die das ja ganz klar immer keck darlegen und die Vergleichszahlen aufführen, habe ich einfach nur die Vergleichszahlen genannt. Welchen Hintergrund das hat, ist mir in der Sache völlig Wurst.

(Olaf Meister, GRÜNE: Das dachte ich mir!)