Dr. Tamara Zieschang (Ministerin für Inneres und Sport):

Herzlichen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren Abgeordneten! Der Antrag der Koalitionsfraktionen adressiert eine der großen Herausforderungen unserer Zeit: den Schutz und die nachhaltige Entwicklung unserer Wälder angesichts des Klimawandels.

Im Antrag werden zentrale Fragen aufgegriffen, die die Abg. Tarricone bereits skizziert hat. Wie können wir den Waldumbau so gestalten, dass unsere Wälder auch in Zukunft ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Leistungen erbringen? Wie schaffen wir es, wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in die Praxis zu überführen und dabei Zielkonflikte zwischen Naturschutz, Klimaschutz und Forstwirtschaft aufzulösen?

Ein statischer Ansatz im Naturschutz, der sich allein an historischen Verteilungsmustern orientiert, greift angesichts der dramatischen, der dynamischen Veränderungen durch den Klimawandel zu kurz. Das Konzept der sogenannten natürlichen potenziellen Vegetation ist in die Jahre gekommen und bedarf angesichts der rasanten Veränderungen einer kritischen Überprüfung. Es ist nicht mehr zeitgemäß, ausschließlich auf gebietsheimische Baumarten zu setzen, wenn diese den sich ändernden Standortbedingungen nicht mehr gewachsen sind.

(Dorothea Frederking, GRÜNE: Aber gebietsheimisch ist noch etwas anderes! - (Wolfgang Aldag, GRÜNE: Das ist doch wieder etwas anderes!)

Wissenschaftliche Einrichtungen wie die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt, an der auch Sachsen-Anhalt beteiligt ist, zeigen uns Wege und Möglichkeiten auf, wie wir klimaresiliente, standortgerechte Waldbestände entwickeln können. Auch der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik der Bundesregierung betont in seiner jüngsten Stellungnahme die gezielte Einbringung von Baumarten und  herkünften, die außerhalb ihres bisherigen Verbreitungsgebietes liegen, aber wahrscheinlich besser unter zukünftigen Klimabedingungen zurechtkommen. Wir müssen den Mut haben, neue Wege zu gehen und auch sogenannte Gastbaumarten in unsere Wälder zu integrieren, wenn dies dem Erhalt der Funktionsfähigkeit unserer Waldökosysteme dient.

Ich würde es begrüßen, wenn Sachsen-Anhalt als besonders vom Klimawandel betroffenes Bundesland hierbei eine Vorreiterrolle einnimmt. Eine Modernisierung des Bundesnaturschutzgesetzes ist fachlich geboten und politisch konsequent. Nur so können wir die Leistungsfähigkeit unserer Wälder dauerhaft sichern und einen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz leisten. - Vielen Dank.