Konstantin Pott (FDP):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Stellen wir uns eine Tochter vor, die morgens ihre Mutter pflegt, dann arbeiten geht und abends erneut Verantwortung für ihre Eltern übernimmt. Oder einen Ehemann, der plötzlich nach einem Schlaganfall seiner Frau von heute auf morgen die Verantwortung übernehmen muss. Weshalb bringe ich diese Beispiele? - Hinter jeder Pflegestatistik stehen am Ende Menschen, Menschen, die Verantwortung übernehmen, Menschen, die Fürsorge betreiben und die auch viele Belastungen tragen.

In Deutschland sind es ca. 7 Millionen pflegende Angehörige. In Sachsen-Anhalt werden auch die meisten Pflegebedürftigen zu Hause versorgt. Dementsprechend müssen wir den pflegenden Angehörigen auch Danke sagen; denn sie sind das Rückgrat unseres Pflegesystems. Ohne sie würde das professionelle Pflegesystem so gar nicht funktionieren. Sie übernehmen täglich Aufgaben, die weit über reine Betreuung hinausgehen. Das sind enorme gesellschaftliche und auch volkswirtschaftliche Leistungen.

Angehörige ermöglichen vielen Menschen aber auch ein würdevolles Leben in vertrauter Umgebung. Deshalb verdienen sie nicht nur Dank, sondern auch konkrete Unterstützung.

Liebe Kolleginnen und Kollegen! In den Gesprächen, die ich mit den Vertretungen geführt habe, habe ich immer wieder gemerkt, dass Unterstützung zum einen stärker dort ankommen muss, wo sie gebraucht wird - schnell, unbürokratisch und auch verlässlich -

(Zustimmung von Jörg Bernstein, FDP)

und zum anderen, dass die Informationen und die Hilfsangebote, die bereits existieren, stärker gebündelt und auch leichter zugänglich gemacht werden müssen. Denn gerade in Krisensituationen hat man nicht die Zeit, erst noch einmal diverse Informationen einzuholen, unterschiedliche Informationsportale zu durchforsten, um dann am Ende zu wissen, was man vielleicht für Möglichkeiten hat, Unterstützung zu bekommen. Vielmehr braucht man gerade dann schnelle Hilfe, schnelle Unterstützung, schnelle Ansprechpartner. Ich glaube, dort haben wir an vielen Stellen noch einiges vor uns, damit am Ende genau da geholfen werden kann.

Für uns ist klar: Es braucht niedrigschwellige Anlaufstellen, es braucht eine Bündelung von Informationen und es braucht eine fachliche Begleitung. Bürokratische Hürden müssen abgebaut werden, statt zusätzliche Formulare zu schaffen. Die Anliegen von Interessenvertretungen pflegender Angehöriger müssen wir ernst nehmen. Denn natürlich ist es für diese Menschen nicht immer ganz einfach, dann noch andere Termine wahrzunehmen, weil sie wenig freie zeitliche Kapazitäten haben. Genau deswegen ist es auch unsere Aufgabe, aktiv den Dialog zu suchen.

Wer die Pflege zu Hause stärkt, der stärkt das ganze Pflegesystem, und pflegende Angehörige brauchen am Ende keine Sonntagsreden, sondern konkrete Entlastungen im Alltag. Unser Ziel ist - deswegen bitte ich auch um Zustimmung zu unserem Antrag   mehr Unterstützung, bessere Unterstützung, mehr Flexibilität und mehr Verlässlichkeit für die Menschen, die jeden Tag Verantwortung für alle übernehmen. - Vielen Dank.