Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Sehr geehrter Herr Präsident, vielen Dank. - Meine Damen und Herren! Das mit dem Zurückschauen ist irgendwie Ihr Ding, diese ewig gestrigen Anträge, diese permanente alte Denke: damals, als angeblich alles besser war   Spoiler: das war es natürlich nicht  , damals, als die CDU angeblich noch so war, wie Sie sie sich heute wünschen. Im Damals suchen Sie auch irgendwelche Dinge, auf die Sie singulär stolz sein wollen. Im Rückblick wollen Sie auch Krieg und Menschheitsverbrechen bis hin zum größten Verbrechen der Menschheit, der Schoah, umdeuten, um irgendwie Schuldfragen zu relativieren. Die Vergangenheit ist Ihr Ding; das haben wir begriffen,

(Zuruf von der AfD)

allerdings nicht historisch-analytisch, sondern als Fluchtpunkt der Verklärung. Das ist ein dunkler Irrweg.

Setzen Sie sich doch bitte inhaltlich mit der heutigen CDU, Ihrer Programmatik und Ihren führenden Köpfen auseinander, gern auch mit grüner Programmatik, sofern das nicht eine zu große Zumutung ist. Legen Sie selbst einmal etwas programmatisch Tragfähiges zu den drängenden aktuellen Problemen unserer Zeit vor. In Ihrer Rede war davon nichts zu hören.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Schauen Sie doch bitte einmal ins Morgen. Seien Sie stolz auf etwas Jetziges, z. B. auf unsere Nationalmannschaft mit multiethnischen Wurzeln und toller Performance. So geht Zusammenhalt nach vorn.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Sie wollen stattdessen Kriegsdenkmäler umwidmen und auch sonst weit zurück in die Vergangenheit. Wem soll denn das helfen? Was soll das lösen? Dieses stoische Verharren im Rückspiegel ist kreuzgefährlich. Nehmen Sie den Blick zurück auf die Straße und das, was von vorn kommt. Denn die Probleme und Herausforderungen kommen von vorn und die Antworten darauf müssen nach vorn zeigen und umgesetzt werden.

Unser schönes Sachsen-Anhalt muss nach vorn gebracht werden. Dafür nutzt man nicht den Rückwärtsgang. Dieses Land ist viel zu schön, um es den Rechten zu überlassen.

(Beifall bei den GRÜNEN - Lachen bei der AfD)

Wer dieses Land liebt, der schiebt es nach vorn. Positiv und gemeinsam die Aufgaben anpacken, damit das Morgen gut wird.

Gerade erst am Wochenende haben wir GRÜNEN mit vielen Menschen bei unserem Zukunftsfestival in der Hyparschale in Magdeburg diese Zukunft Sachsen-Anhalts gefeiert und zum Programm gemacht. Zukunft ist nämlich unser Ding. Es geht um eine lebenswerte Zukunft für alle Menschen, die hier leben, solidarisch und miteinander.

(Beifall bei den GRÜNEN - Zustimmung bei der Linken)

Was heißt das konkret? - Wir wollen ein Sachsen-Anhalt, in dem man gut leben kann, in der Stadt genauso wie auf dem Dorf. Sachsen-Anhalt soll ein Land sein, in dem Busse und Bahnen fahren, Ärzte erreichbar sind, Schulen funktionieren und schnelles Internet nicht Glückssache ist. Straßen müssen intakt sein, Radwege müssen sicher sein, und wer kein Auto hat, der darf nicht abgehängt werden.

Wir wollen, dass junge Menschen hierbleiben können, weil sie eine gute Ausbildung, eine gute Arbeit und bezahlbaren Wohnraum finden, ohne Angst vor Hass, Hetze und Ausgrenzung. Wir wollen, dass Familien die nötige Unterstützung bekommen und dass junge und ältere Menschen hier selbstbestimmt leben können.

Wir wollen ein Land, das seine Energie aus Wind und Sonne selbst erzeugt, das die wirtschaftlichen Chancen der erneuerbaren Energieträger nutzt und damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung vor Ort schafft.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Wind und Sonne sind in Sachsen-Anhalt längst zu einem Standortvorteil geworden. Daran wollen wir konsequent weiter ansetzen, damit Kommunen profitieren, Unternehmen profitieren sowie Bürgerinnen und Bürger profitieren.

(Daniel Rausch, AfD: Darum haben wir auch so teuren Strom!)

Wir wollen, dass Sachsen-Anhalt wieder zum Energieherz Deutschlands, zum grünen Energieherz wird. Sachsen-Anhalt kann als Land der erneuerbaren Energien noch deutlich mehr herausholen. Wir haben schon einmal gezeigt, dass wir das können. Dabei hilft es im Übrigen auch, wenn die Menschen von dieser Transformation profitieren, indem dort, wo Windräder stehen, auch Kommunen etwas davon haben und die Einnahmen in Kindergärten, Sporthallen oder Dorfzentren fließen. Klimaschutz und wirtschaftliche Stärke sollten nicht nur gemeinsam gedacht werden, sondern sollten auch direkt vor Ort konkret und positiv ankommen.

Wir wollen, dass Sachsen-Anhalt ein modernes Wirtschafts- und Industrieland bleibt. Das geht nicht im Stillstand, nicht einmal mit einem „Weiter so!“, so unbequem das auch ist. Wer rastet, der rostet. Die Transformation der Chemieindustrie, die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft, neue Technologien und klimaneutrale Produktionsverfahren bieten enorme Chancen für unser Land. Hier geht's lang, auch für die Arbeitsplätze der nächsten Jahre.

Natürlich müssen wir dabei abrupte Strukturabbrüche vermeiden und glätten. Aber die Potenziale liegen nicht im Verharren, die Potenziale liegen im mutigen Nach-vorn.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Unsere schönen Landschaften, der Harz, unsere Flüsse, die Heide, der Drömling sind keine Museumsstücke. Das ist unsere Zukunft, die es zu erhalten gilt.

Die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen, das ist kein Selbstzweck, und das ist auch nichts für Sonntagsreden und auch nichts, um ausgelacht zu werden. Ohne Wasser ist alles nichts. Ohne intakte Natur ist Game Over. Ohne Klimaschutz wird es immer heißer und die Folgen sind nicht nur unangenehm, sie sind verheerend.

(Oliver Kirchner, AfD: Wir werden alle verbrennen!)

Aber es ist natürlich nicht nur Selbstzweck. Es ist auch der Tourismus im Harz und auch an und auf der Elbe. Es ist der kühle Schatten eines Baumes, unter dem Sie sitzen. Es sind die leckeren Erdbeeren aus dem Garten. Sie sind eingeladen, diese Liste gedanklich fortzuführen. Unsere natürlichen Lebensgrundlagen sind das, was wir schützen müssen, weil es das Leben in Sachsen-Anhalt lebenswert macht.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Wir wollen starke Kommunen mit ehrenamtlichen, großartigen Vereinen und echten Gestaltungsspielräumen vor Ort. Denn Zusammenhalt entsteht dort, wo sich Menschen begegnen. Wir wollen eine moderne Verwaltung, die funktioniert. Einen Staat, der digital, schnell und bürgerfreundlich ist. Wer einen Antrag stellt, der soll nicht ewig warten müssen. Wer gründen will, der soll Unterstützung bekommen. Wer ein Haus baut, eine Solaranlage oder Wärmepumpe installiert oder ein Unternehmen erweitern möchte, der braucht verlässliche und schnelle Verfahren. Dabei ist Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern sie soll den Alltag einfacher machen. Wir meinen, alle Verwaltungsdienstleistungen sollten über einen zentralen Zugang erreichbar sein. Nennen wir ihn einmal Sachsen-Anhalt-App.

Wir wollen die beste Bildung von der Kita bis zur Hochschule. Denn die wichtigste Rohstoffquelle Sachsen-Anhalts spielt in unseren Kitas, sitzt in unseren Klassenzimmern und in unseren Hörsälen. Das sind unsere Kinder und Jugendlichen. Und dafür gilt: Bildung muss gut sein, Wissenschaft muss frei sein.

Viele mittelständische Unternehmen suchen Beschäftigte. Gleichzeitig verlassen junge Menschen derzeit immer noch in Scharen unser Land. Genau deshalb müssen wir dafür sorgen, dass gute Ausbildungen, attraktive Hochschulen und moderne Arbeitsplätze genau hier entstehen. Wer hier lernt, der soll auch hierbleiben können und wollen. Dazu gehören gute Hochschulen, starke Forschungseinrichtungen und ein Land, das Gründerinnen und Gründer unterstützt. Dazu gehören Offenheit im Geist, Offenheit gegenüber verschiedenen Menschen und Wertschätzung von freier, intellektuell anspruchsvoller Wissenschaft und nicht zuletzt die Nutzung und Umsetzung dieser Erkenntnisse. Wissenschaftsbasierte Politik ist Zukunft. Denn die besten Ideen entstehen nicht nur in Berlin oder München. Sie entstehen auch in Barleben und Mücheln, Magdeburg, Halle, Dessau, Stendal oder im Harz. Wir wollen nicht nur, dass das so bleibt, sondern wir wollen, dass es mehr wird.

Und wir wollen ein Land, das zusammenhält. Ein Land, in dem niemand ausgegrenzt wird, weil er anders aussieht, anders liebt, anders glaubt oder woanders geboren wurde. Wichtig ist, dass die Menschen sich einbringen können und wollen. Dann können wir viel erreichen - Stichwort: Nationalmannschaft. Die Stärke Sachsen-Anhalts liegt in den Menschen, in denen, die hier geboren wurden, und in denen, die hergekommen sind, in den Ehrenamtlichen, den Unternehmerinnen, den Pflegekräften, den Handwerkern, in den Wissenschaftlerinnen und den vielen Menschen, die jeden Tag unser Land am Laufen halten. Schauen wir bei den Fachärzten, den Reinigungskräften, den Lieferdiensten ganz genau hin. Dort machen tolle Leute wichtige Jobs für uns. Wir wollen sie nicht missen. Wir alle wissen, wer fehlen würde, wenn Ausgrenzung, … (?) und Hass sich Bahn brechen würden. Das wäre ganz bitter. Das wäre ganz bitter beim Facharzt, in der Pflege, beim Döner, in der Ernte und beim Blick in die Nachbarschaft.

Das Gute ist, es gibt Mittel dagegen: demokratisch wählen, grün wählen. Umso mehr Parteien den nächsten Landtag gestalten, umso besser und so klarer geht es in Richtung lebenswerter Zukunft für Sachsen-Anhalt.

(Guido Kosmehl, FDP: Nein!)

Aber die Wahl am 6. September ist mehr als eine Entscheidung zwischen Parteien. Sie ist die Entscheidung darüber, welche Geschichte Sachsen-Anhalt in den kommenden Jahren erzählen will und wie es den Menschen hier damit gehen wird. Die Geschichte der dunklen Rückwärtsgewandtheit, der Angst und der Abschottung oder eine Geschichte derer, die Probleme nicht kleinreden, aber Chancen größer sehen als Ängste, die Mut fühlen und nicht Wut. Bitte wählen Sie weise.

Dieses Land verdient Menschen, die an seine Zukunft glauben, die mit allen Menschen im Land reden, um dann hier im Parlament mit denen zu gestalten, die nach vorn wollen, demokratische Werte achten und den Menschen auch in Sachsen-Anhalt in fünf Jahren wieder eine freie Wahl geben. Bitte wählen Sie weise.

(Matthias Büttner, Staßfurt, AfD: Ja!)

Wir gestalten dieses Land, indem wir miteinander streiten, aber auch zusammenhalten. Wir halten die Unterschiede aus. Wir sehen Vielfalt nicht als Problem, sondern als Stärke. Wir Grünen sind mit starken Frauen und Männern und starken Ideen dabei und arbeiten für Sachsen-Anhalt, das zu schön und zu wertvoll ist, um sich mit dem damals zufrieden zu geben. Bitte wählen Sie weise. - Vielen Dank.