Elrid Pasbrig (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie werden es merken. Wenn ich gleich meine Rede halte, dann klingt es so, als wären wir die Antragsteller gewesen, weil die SPD hier eine ähnliche Position einnimmt. Deswegen schicke ich voraus: Wir werden diesen Antrag symbolisch in den zuständigen Ausschuss überweisen müssen.

(Beifall bei der SPD)

Aber lassen Sie mich mit einer einfachen Frage beginnen. Wissen wir eigentlich, welche exotischen Wildtiere in Sachsen-Anhalt privat gehalten werden? - Nein, das wissen wir eben nicht. Wir haben keine belastbaren Zahlen, keine systematische Erfassung und in vielen Bereichen auch keine klaren Regeln, die greifen. Das ist die Ausgangslage, über die wir heute hier sprechen.

Und ich finde, das ist ein Zustand, den wir so nicht lassen können; denn gleichzeitig sehen wir bundesweit und auch in Europa einen klaren Trend. Immer mehr Menschen halten exotische Tiere wie Reptilien, Spinnen oder seltene Säugetiere, die ganz andere Anforderungen haben als klassische Haustiere. Genau da beginnt das Problem.

Viele dieser Tiere brauchen spezielle klimatische Bedingungen. Sie brauchen Platz, Sie brauchen Fachwissen sowie Erfahrung in der Haltung. Ich will an dieser Stelle aber keinen Generalverdacht aussprechen. Viele dieser Tiere werden artgerecht und verantwortungsvoll gehalten, vielleicht sogar die meisten. Das Problem ist, dass wir immer erst im Nachhinein erfahren, wenn etwas im Argen liegt.

(Zuruf von Dorothea Frederking, GRÜNE)

Dann reden wir nicht nur über ein individuelles Hobby, sondern über handfeste Folgen: über Tiere, die falsch gehalten werden, über Tiere, die ausgesetzt werden, weil ihre Halterinnen und Halter überfordert sind, im Zweifel auch über die Risiken für Menschen und unsere Umwelt. Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Python, die vor einigen Jahren in Haldensleben für Aufregung gesorgt hat, als sie aus ihrem Terrarium entkam.

Der vorliegende Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzt genau an dieser Stelle an, und zwar mit der Idee einer Positivliste, einer Liste, die festlegt, welche Tiere überhaupt geeignet sind, privat gehalten zu werden. Das ist ein anderer Ansatz als der, den wir bisher verfolgen. Bisher reagieren wir oft erst dann, wenn die Probleme sichtbar werden. Dann werden einzelne Arten verboten und dann wird nachgesteuert.

Eine Positivliste dreht dieses Prinzip um. Erlaubt ist nur, was vorher geprüft wurde. Ich will ausdrücklich sagen, dass dieser Gedanke richtig ist, aber eben auch nicht ohne Komplikationen. Er ist präventiv, stärkt den Tierschutz und kann für mehr Klarheit sorgen, vorausgesetzt, er arbeitet mit klaren wissenschaftlichen Kriterien und ist für Behörden und Halter nachvollziehbar.

Wenn wir also diesen Weg gehen, dann eben nicht nur halb. Wir brauchen ein Gesamtkonzept. Dazu gehört für mich ganz klar mehr Transparenz darüber, welche Tiere überhaupt gehalten werden dürfen, eine verlässliche Registrierung und ein Sachkundenachweis für diejenigen, die solche Tiere halten wollen.

Ich muss auch sagen: Diese Regeln sollten dann auch nachvollzogen und kontrolliert werden. Ansonsten ist das alles für die Katz. Denn ein Wildtier ist kein Alltagsgegenstand. Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal betonen: Kein Tier ist ein Alltagsgegenstand.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Frau Pasbrig!


Elrid Pasbrig (SPD):

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und freue mich über die Debatte, in der wir unsere Position zum Tierschutz, insbesondere im Hinblick auf exotische Wildtiere, noch einmal darlegen konnten. Ich bitte um die symbolische Überweisung in die Fachausschüsse. - Vielen Dank.