Dr. Katja Pähle (SPD):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Werte Kolleginnen und Kollegen! In den Jahren in dieser Koalition, in den fünf Jahren der Legislaturperiode, haben wir insbesondere über das Thema Kinder- und Jugendmedizin hier im Hohen Haus oft gesprochen. Kollege Teßmann hat es zu Recht gesagt: Dieser Bereich ist immer mit Emotionalität verbunden.

Jeder von uns, der kleine Kinder hat oder auch Kinder, die schon ein bisschen größer sind, kennt genau diese Momente, wenn ausgerechnet am Wochenende, ausgerechnet am Feiertag, in der Nacht die Bindehautentzündung zuschlägt, das Fieber bei 40°C ist, und die Eltern, insbesondere wenn die Kinder ganz klein sind, verunsichert sind. Über diese speziellen Momente müssen wir reden. Denn das ist das, was Eltern verunsichert: Wo ist der nächste Arzt   ehrlicherweise egal, ob ambulant oder stationär  , an den ich mich wenden kann, von dem mein Kind untersucht wird und ich oftmals auch nur einen Hinweis bekomme oder ein Rezept für Fieberzäpfchen oder für die Augentropfen. Deshalb ist die Vernetzung von ambulanter und stationärer Versorgung insbesondere im kinder- und jugendmedizinischen Bereich in Sachsen-Anhalt so wichtig.

Auch Eltern finden es nämlich nicht schön, wenn wegen   in Anführungsstrichen   kleinerer Kinderkrankheiten das Kind stationär im Krankenhaus bleibt. Das wollen wir nicht. Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass insbesondere die stationären Aufenthalte von Kindern im Krankenhaus zurückgegangen sind. Das ist ein Wert. Das führt aber an der Stelle genau zu dem, was wir insbesondere im ländlichen Bereich beobachten müssen: Die Fallzahlen in den Krankenhäusern gehen zurück, mit all den Ergebnissen und Folgen, die Herr Kollege Pott beschrieben hat.

Unsere Antwort in Sachsen-Anhalt ist es   dafür haben wir in den letzten fünf Jahren schon vieles getan  , vernetzte Strukturen aufzubauen, z. B. über Telemedizin, die Verbindung aus dem Norden des Landes in die Uniklinik hier in Magdeburg, das Zusammenspiel zwischen ambulantem und stationärem Bereich, Krankenhaus genau wie KV, gemeinsam getragene Bereitschaftsdienste, die Absicherung, wohin Eltern gehen können. Auf diesem Weg müssen und wollen wir weitergehen.

Die geänderte Bundesgesetzgebung gerade im Krankenhausbereich und, werte Kolleginnen und Kollegen, die hier im Parlament beschlossene Reform unseres eigenen Krankenhausgesetzes geben uns jetzt die Möglichkeit, mit Ausnahmen und Ermessensspielräumen auf die besondere Situation in Sachsen-Anhalt zu reagieren. Das ist das, was wir als Koalition immer gesagt haben: Wir müssen dieses Gesetz jetzt auf den Weg bringen, um überhaupt die Chance zu haben, angepasste Entscheidungen für Sachsen-Anhalt und für die unterschiedlich aufgestellten Regionen in Sachsen-Anhalt treffen zu können.

Ich bin der Ministerin Grimm-Benne sehr dankbar dafür, dass das in vielen Gesprächen und mit unterschiedlichsten Lösungen im Land in den letzten Jahren gelungen ist und dass der Prozess jetzt auch weiter vorangetrieben wird.

Ich sage an der Stelle aber deutlich: Wer insbesondere die pädiatrische Versorgung im ambulanten Bereich schützen, aufrechterhalten und stärken will, der muss sich bei der aktuellen Diskussion über das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz an dieser Stelle zu Wort melden; denn die Rücknahme der Entbudgetierung sowohl bei den Hausärzten als auch in der Pädiatrie wäre für diesen Bereich eine Katastrophe.

(Zustimmung bei der SPD - Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Das stimmt!)

Wenn wir wollen, dass in der ambulanten Versorgung auch das Betreiben einer kinder- und jugendmedizinischen Praxis relevant bleibt und dass Leute darauf Lust haben, dann ist das ein Bereich, den wir nicht kleinreden dürfen. Diese Praxen müssen wirtschaftlich arbeiten können. Die erfolgte Entbudgetierung ist ein wichtiger Teil davon.

Ich möchte zum Abschluss meiner Rede noch einmal auf die Weiterbildungskapazitäten hinweisen. Ganz ehrlich, ich finde es sehr, sehr schön, dass hier in Magdeburg mittlerweile auch Teile des PJ in der Kinder- und Jugendmedizin in der Ambulanz absolviert werden können. Das war vorher nicht nötig. Wir arbeiten also auch schon jetzt in der Ausbildung, in der Weiterbildung, verzahnt über stationäre und ambulante Bereiche hinweg, gemeinsam daran, dass wir auch künftig gut ausgebildete Kinder- und Jugendmediziner haben. Unser Land braucht das. Denn nur, weil wir weniger Kinder haben, heißt das nicht, dass wir diese medizinisch schlechter versorgen wollen. Ganz im Gegenteil: Gerade weil sie weniger werden, müssen wir eine gute, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung aufrechterhalten durch starke Vernetzung und neue Modelle der Versorgung. Dann klappt das auch im ländlichen Bereich. - Herzlichen Dank.