Kerstin Eisenreich (Die Linke):

Vielen Dank, Herr Präsident. - Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es war zwar keine Zeitungsmeldung und war dieser sicherlich auch nicht würdig, aber letztes Jahr wurde meine Katze von einer Zornnatter gebissen. Diese ist zwar nicht giftig, und meiner Katze geht es auch   Sie können beruhigt sein  ,

(Olaf Meister, GRÜNE, lacht)

inzwischen wieder gut. Aber Zornnattern sind sehr aggressiv. Zum Glück konnte die Natter mühsam mithilfe der Feuerwehr gefangen werden. Und damit kommt noch ein Problem zum Tragen   Frau Ministerin ist jetzt leider nicht da  : Es sind die Rettungskräfte, die letzten Endes mit diesen Tieren umgehen müssen.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Aber Anlass für diesen Antrag ist nicht die Zornnatter, sondern sind die Vorfälle im sächsischen Dölzig, übrigens auch ganz in meiner Wohnortnähe.

Die Beispiele zeigen: Überforderte Halterinnen und Halter von exotischen Tieren gefährden nicht nur die Tiere selbst, weil die Haltungsbedingungen überhaupt nicht artgerecht oder tierschutzgerecht sind, sondern sie gefährden Menschen, andere Tiere und ganze Ökosysteme. Auch kleinere, nicht heimische Tiere können, wenn sie entweichen oder bewusst ausgesetzt werden, weil der Halter oder die Halterin diese aus welchem Grund auch immer loswerden will, gefährlich werden.

Die Haltung von Wildtieren, häufig exotisch und mitunter auch gefährlich, von Privatpersonen ist aus unserer Sicht ein grundsätzliches Problem. Es geht um die Frage, wie wir Menschen mit Natur umgehen. Oft sind exotische Tiere ein Statussymbol, werden aus Sammelleidenschaft oder falsch verstandener Tierliebe unter Bedingungen gehalten, die nichts mit ihrem natürlichen Lebensraum zu tun haben und die Tiere quälen. Tierschutz, meine sehr geehrten Damen und Herren, sieht anders aus.

Zudem haben diese Tiere meist schon einen langen Leidensweg hinter sich. Ein Großteil wird noch immer in der Natur gefangen, zum Teil unter sehr dubiosen Umständen. Bei Transport und Lagerung leiden die Tiere ebenso unter katastrophalen Bedingungen. Und sie werden weltweit   das darf man nicht vergessen   ohne Regulation oder spezifische Erfassung gehandelt.

Mit dem kaum kontrollierten Onlinehandel nimmt dies inzwischen weiter zu, und Deutschland   das hat Frau Frederking schon gesagt   ist einer der wichtigsten Umschlagplätze und Absatzmärkte. Hier muss der Zoll stärker durchgreifen.

Darüber hinaus führt diese unkontrollierte Ausbeutung der Natur zum Verlust von Artenvielfalt bis hin zum Aussterben von Arten sowie auch zu Gesundheitsrisiken. Während einheimische Arten nicht gefangen und als Haustier gehalten werden dürfen, sind Wildtiere aus fernen Ländern in der EU quasi vogelfrei. Das, meine sehr geehrten Damen und Herren, muss sich endlich ändern.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)

Wir finden: Wild gefangene Tiere dürfen nicht für den kommerziellen Handel und die private Tierhaltung importiert werden und auch nicht über Onlineportale und soziale Medien gehandelt werden. Die Privathaltung ist an dieser Stelle tatsächlich einzuschränken.

Über eine Positivliste, wie im Antrag vorgeschlagen, hätten wir uns tatsächlich gerne fachlich auseinandergesetzt und im Ausschuss darüber kundig gemacht. Eine symbolische Überweisung wird dem natürlich nicht gerecht. Deswegen werden wir uns enthalten. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der Linken und bei den GRÜNEN)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Keine weiteren Fragen? - Sie wollen noch? Dann machen Sie einmal.


Kerstin Eisenreich (Die Linke):

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das war für mich die mutmaßlich letzte Rede hier in diesem Hohen Haus. Ich möchte mich bei all denen bedanken, die mir diese zehn Jahre, die ich hier war, sehr anstrengend, aber positiv anstrengend, und sehr lehrreich gestaltet haben.

Ich habe mich sehr gefreut und möchte mich bei sehr vielen kompetenten Menschen, die im Inhalt mit mir gestritten haben, aber menschlich auch sehr zugänglich waren, bedanken. Ich möchte mich bei allen Mitstreitenden, Beschäftigten hier im Haus bedanken, auch in den Ministerien, die unsere oder auch meine vielfach sehr anstrengenden Kleinen Anfragen permanent beantwortet haben.

(Zustimmung bei der Linken, bei der CDU, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Dazu gehört auch der GBD. Ich habe als nicht so lange hier im Haus anwesende Abgeordnete eine interessante Erfahrung als Vorsitzende eines Parlamentarischen Untersuchungsausschusses gemacht. Gerade vom GBD habe ich die notwendige Unterstützung erhalten, die in so einem Fall enorm wichtig ist. Wer das einmal gemacht hat, weiß das. Vielen Dank auch dafür.

Ich möchte an dieser Stelle auch besonders den Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetschern danken.

(Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen, weil ich finde, die Entscheidung, die der Landtag getroffen hat, dies zu tun, war grandios und großartig, um Menschen mit Hörbeeinträchtigungen die Teilhabe zu ermöglichen. Aber wie das diese Gebärdensprachdolmetscherinnen und -dolmetscher umgesetzt haben   man kann es inzwischen auf den Bildschirmen verfolgen  , war einfach grandios.

Vielen Dank an alle und danke auch für manch lehrreiche Zeit. Schade, sie ist jetzt nicht da. Wenn man als neuer Abgeordneter auch einmal ein bisschen hinter die Fichte geführt wird, dann ist das lehrreich, aber das hilft auch für die weitere Stählung im Leben. - Ich wünsche alles Gute.