Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Es wird Sie vielleicht überraschen, aber man sieht an dieser Beschlussempfehlung ziemlich gut, was grüne Oppositionsarbeit bewirken kann.

(Zustimmung von Cornelia Lüddemann, GRÜNE - Guido Kosmehl, FDP: Na ja!)

Ich gehe einmal in die Geschichte. Es gab einen Antrag von uns zum Stufenlehramt; dazu gab es sogar eine Anhörung. Dann gab es eine fachliche Debatte, und jetzt liegt hier ein Beschlussvorschlag zu einem Antrag der Linken vor, der endlich Bewegung in die Lehrkräfteausbildung bringt. Das ist kein Zufall. Das ist auch Ergebnis dessen, dass wir GRÜNEN dieses Thema gesetzt und nachhaltig verfolgt haben.

(Zustimmung von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)

Denn in der Anhörung zu unserem Antrag wurde damals sehr klar: Ein gemeinsames Studium für die weiterführenden Lehrämter ist machbar.

(Zuruf von Matthias Redlich, CDU)

Es ist sinnvoll und es passt viel besser zur Realität an unseren Schulen.

Jetzt soll an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ein Modellversuch kommen, bei dem die Studierenden erst gemeinsam starten und sich später spezialisieren. Genau so ein Weg wurde damals als Möglichkeit beschrieben. Das gibt den Lehramtsstudierenden mehr Flexibilität. Das hilft gegen Lehrkräftemangel an Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen. Genau deshalb werden wir dieser Beschlussempfehlung zustimmen.

(Zustimmung von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)

Aber ich sage genauso klar: Das ist für uns nicht das Ende der Debatte, sondern der Anfang. Denn unser Grundsatz bleibt richtig: Lehrkräfte unterrichten Schülerinnen und nicht Schulformen. Genau deshalb halten wir an unserer Forderung nach dem Stufenlehramt fest. Wir wollen ein gemeinsames Lehramt für die weiterführenden Schulen, weil das mehr Praxisnähe schafft, mehr Flexibilität ermöglicht und am Ende auch mehr Chancengerechtigkeit bringt.

Ich will noch einen Punkt ergänzen: Inklusion. Wenn wir es mit gemeinsamer Bildung ernst meinen, dann muss das schon in der Lehrkräfteausbildung beginnen. Genau deshalb ist das Primarstufenlehramt so wichtig. Es eröffnet die Möglichkeit, dass Grundschullehramtsstudierende Sonderpädagogik als drittes Fach studieren können. Genau das brauchen wir an unseren Grundschulen für den gemeinsamen Unterricht. Nur mit GRÜNEN kommt Sachsen-Anhalts Bildungspolitik endlich in Bewegung. Denn mehr Bildungsgerechtigkeit gibt es nur, wenn wir starre Strukturen aufbrechen, die zu viele Kinder und Jugendliche früh begrenzen. Schule muss sich an den Lebensrealitäten und an den Bedürfnissen der Schüler*innen orientieren. Genau dafür stehen wir ein.

(Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)

Deshalb stimmen wir dieser Beschlussempfehlung sehr gern zu.

(Zustimmung von Cornelia Lüddemann, GRÜNE)


Vizepräsident Wulf Gallert:

Es scheint eine Intervention des Herrn Tullner zu geben.


Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Gern.


Vizepräsident Wulf Gallert:

Es ist egal, ob gern oder nicht. Er hat auf jeden Fall das Wort.


Marco Tullner (CDU):

Ich habe eigentlich eine Frage, aber egal.


Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Auch das.


Marco Tullner (CDU):

Mit Ihrer Genehmigung, Herr Vizepräsident, kriegen wir das hin. - Frau Sziborra-Seidlitz, dass Sie jetzt für die GRÜNEN Erfolge reklamieren, das sei Ihnen zugestanden.

(Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Das ist ja auch richtig so!)

Ich sehe das zwar nicht so, aber das ist nicht mein Punkt.

Ich wollte den Dissens an der einen Stelle doch einmal betonen, weil Sie das Einheitslehramt wieder ein bisschen aufs Tapet gehoben haben. Können Sie mir die Frage beantworten, warum wir auf der einen Seite von der Heterogenität der Schülerschaft reden und intensiv um individuelle Förderung ringen, Ihre Antwort darauf aber die Homogenisierung der Lehrerausbildung ist? Ich verstehe das nicht.

(Beifall bei der FDP - Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

Ich verstehe das nicht.


Susan Sziborra-Seidlitz (GRÜNE):

Lehrkräfte unterrichten, das habe ich gerade schon gesagt, Kinder in bestimmten Altersgruppen, die sehr, sehr unterschiedlich sind und die man auch nicht in Kartons stecken kann, Gymnasiasten, Sekundarschüler, Förderschüler*innen, sondern die eben sehr, sehr individuell und sehr, sehr unterschiedlich sind. Deshalb ist es wichtig, die Lehrkräfte auf die Fächer und auf die pädagogischen Anforderungen der Altersstufen der Kinder vorzubereiten und eben nicht auf Schulformen, die in diesem Sinne Kartons sind.