Olaf Feuerborn (CDU):
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Frederking, Sie haben schon viel gehört, wie die Koalition den Antrag in der Praxis sieht, und wir werden darüber bestimmt in anderen Gremien weiter diskutieren. Meine zwei Kolleginnen haben schon breit ausgeführt, wie wir aus der Koalition das beurteilen. Das brauche ich nicht mehr zu tun. Ich will aus der Praxis berichten.
Wenn Sie heute einkaufen gehen, können Sie überall alles bio bzw. regional einkaufen, das ist überhaupt keine Frage.
(Dorothea Frederking, GRÜNE: Aber nicht die Großküchen!)
Doch, die Großküchen können es auch, aber die Großküchen gehen natürlich nach dem Preis.
(Zuruf: Ja!)
Wir müssen nur hier in die Kantine schauen. Wenn wir hier anfangen und würden nur regionale Produkte auf den Teller bringen, wäre das Essen teurer.
(Zuruf: Warum eigentlich?)
- Doch, doch, das passiert genau so. - Dann ist die Frage, wer bereit ist, den Preis zu zahlen, wer dann noch kommt, um diese Kantine am Leben zu halten. Von daher können wir froh sein, dass wir einen Kantinenbetreiber haben. Das ginge nur, wenn wir die Kantine selbst betreiben würden. Das ist aber kostenmäßig auch nicht trivial; das haben wir von daher auch abgeschafft.
Ich bin Direktvermarkter. Wir haben früher die Hofläden direkt am Hof gehabt mit begehbarem Kühlhaus. Da konnte sich jede Großküche jederzeit bedienen und beliefern lassen. Den Lieferdienst haben wir mittlerweile eingestellt, weil die Logistikkosten für den Wert des Produktes, den ich transportiere, viel zu teuer geworden sind; es rechnet sich nicht.
(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)
Von daher müssen wir die Dinge auf einen anderen Weg bringen und von daher wird es schwierig.
Wenn Sie heute sehen: Wir haben bio-regional.
(Dorothea Frederking, GRÜNE: Eben!)
Ja, aber bio-regional wird kostenmäßig wegen der Logistikkosten nicht funktionieren. Gucken Sie sich an, zu welchem Preis die Bioprodukte aus anderen Ländern im Großhandel angeboten werden. Die sind oft billiger als die konventionell erzeugte Ware, die wir hier im Land anbieten. Dann kommt die entscheidende Frage: Was kauft man ein? - Und dann werden Sie sich immer über den Preis entscheiden. Das ist Marktwirtschaft, meine Damen und Herren.
(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)
Wir haben viele Dinge auf den Weg gebracht: Agrarmarketinggesellschaft, Grüne Woche, Landes-Erntedankfest. Das sind die Foren, in denen wir uns austauschen, wo die Direktvermarkter und der Lebensmittelhandel oder auch die Großküchen zusammenkommen und ihre Lieferketten entsprechend abstimmen können, wenn es denn Sinn macht.
Regional verdiene ich mittlerweile am meisten daran, dass wir die Erdbeeren zum Selberpflücken haben. Dafür muss ich nirgendwo hinfahren, muss keine Lohnkosten mehr einsetzen, sondern der Verbraucher kommt, pflückt selber, konsumiert. Das ist das, womit ich noch Geld verdiene in der Direktvermarktung. - Vielen Dank.
(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)
Vizepräsident Wulf Gallert:
Danke. - Frau Frederking, hatten Sie eine Frage? Sie müssen nicht; ich will Sie nicht dazu zwingen. - Würden Sie die beantworten wollen, Herr Feuerborn?
Olaf Feuerborn (CDU):
Ja, selbstverständlich.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Dann, bitte, können Sie sie auch stellen.
Dorothea Frederking (GRÜNE):
Herr Feuerborn, Sie und ich, wir sind beide agrarpolitische Sprecher*innen unserer Fraktionen
(Lachen bei der AfD – Zurufe von der CDU)
und kriegen auch entsprechende Einladungen. Wir hatten die zehnte Jahrestagung zum ökologischen Landbau in Bernburg-Strenzfeld. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie dabei waren.
(Olaf Feuerborn, CDU: Ja!)
Da ging es ausschließlich um das Thema Regionalität und die verschiedenen Facetten. Wir hatten eine Frau E. dabei vom FiBL, vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau, die Beispiele genannt hat. Dabei ging es genau um das Thema, was wir heute gesetzt haben: Wie bekommen wir die regionalen Produkte in die Gemeinschaftsverpflegung? Sie hat genau das erzählt, was ich heute wiedergegeben habe: Man muss die willigen Akteure zusammenbringen. - Das ist die eine Frage: Wie stehen Sie zu diesem Vortrag von der Frau E.?
Der zweite Punkt: Die Kosten sind nicht unbedingt das Thema. Ich selber bin in dieser Kantinenkommission in der letzten Legislatur gewesen.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Frau Frederking, Sie halten noch einen Redebeitrag. Ihre Zeit für die Intervention ist vorbei. Sie sind über eine Minute, und da bin ich ziemlich streng. Deswegen müssen Sie jetzt aufhören, und deswegen muss Herr Feuerborn jetzt die Chance für eine Antwort bekommen. - Bitte, Herr Feuerborn.
Olaf Feuerborn (CDU):
Ich war bei der Veranstaltung, genau wie Sie. Während des Vortrags habe ich mir schon die Frage gestellt, wo das Problem liegt. Denn über unsere Agrarmarketinggesellschaft machen wir genau das, nämlich, dass wir die Verarbeiter oder die Großküchen mit den Produzenten zusammenbringen.
Wir haben ein Problem. Wir haben Kichererbsen im Anbau. Wenn wir die vermarkten wollen, muss ich sie weit wegfahren, um sie aufbereiten zu lassen. Dann habe ich überlegt, die Aufbereitung selber zu machen. Der Spaß ist aber so teuer, dass ich das alleine für meine Produkte nicht realisieren kann.
Dann hat mein Sohn größer gedacht und gesagt: Wir bauen wir eine Verarbeitungsstätte und gucken, dass wir für andere das in Lohnarbeit machen. - Wir sind an der Finanzierung gescheitert. Von daher haben wir den Anbau für Kichererbsen wieder aufgegeben. Schade, das wäre eine Alternative gewesen, womit wir klarkommen.
Vizepräsident Wulf Gallert:
Danke. - Jetzt haben wir noch eine Intervention von Herrn Bernstein. - Bitte.
Jörg Bernstein (FDP):
Vielen Dank, Herr Präsident. - Sehr geehrter Herr Kollege Feuerborn, Ihr Redebeitrag hat mich an das Jahr 2014 erinnert. Ich habe gerade noch einmal nachgeschlagen: Da haben wir schon einmal zusammengearbeitet, Sie in Ihrer Funktion als Präsident des Bauernverbands Mittelelbe und ich als stellvertretender Vorsitzender des Kochvereins Anhalt-Dessau.
Damals hatten wir ein Projekt Regionalküche aufgelegt, was zum Ziel hatte, regionale Produzenten und die regionale Gastronomie zusammenzubringen - ganz ohne Beratungsstellen, ganz ohne irgendwelche Beratungsgremien, und wir haben offenbar ganz gute Ergebnisse damals gezeigt. Das wollte ich den Kollegen einfach einmal zur Kenntnis geben. Vielen Dank noch einmal im Nachhinein für die Zusammenarbeit. - Danke sehr.